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Toleranz üben

Der 18. Dezember ist der Internationale Tag des Migranten

Im Jahre 2000 erklärte die UNO den 18. Dezember zum Internationalen Tag des Migranten. Damit sind staatliche wie nichtstaatliche Akteure aufgefordert, sich für die Rechte von Migrierten und Migrierenden einzusetzen. Der Naomi e. V. in Leipzig engagiert sich seit 1991 für Migranten. Zu dritt begonnen, arbeiten dort heute 36 Leute, die sich für die Rechte und das Wohl von Migrierenden einsetzen.

Im Jahre 2000 erklärte die UNO den 18. Dezember zum Internationalen Tag des Migranten. Damit sind staatliche wie nichtstaatliche Akteure aufgefordert, sich für die Rechte von Migrierten und Migrierenden einzusetzen. Der Naomi e.V. in Leipzig engagiert sich seit 1991 für Migranten. Zu dritt begonnen, arbeiten dort heute 36 Leute, die sich für die Rechte und das Wohl von Migrierenden einsetzen.

In Leipzig haben knapp zehn Prozent der Menschen einen Migrationshintergrund, wobei Ukrainer, Russen und Vietnamesen die Spitzenplätze einnehmen, in Stuttgart sind es 14 Prozent und in München 24 Prozent. Seit Juni dieses Jahres gibt es eine neue Herausforderung: die Integration von 13 irakischen Kontingentflüchtlingen. »Jedes Gespräch ist nur mit Dolmetschern möglich«, erklärt Mitarbeiterin Gudrun, obgleich die ersten schon an Integrations- und Deutschkursen teilnehmen. Da stoße man schnell an finanzielle Grenzen.

Und trotzdem: die Situation der Iraker hebt sich positiv von jener der Asylersuchenden ab. Als Knackpunkt erweist sich stets die Frage nach dem Aufenthaltstitel. Die irakischen Kontingent-flüchtlinge haben eine Niederlassungserlaubnis. Das heißt unbeschränkter Aufenthalt, soziale Absicherung, Menschenwürde. Manche seien sogar direkt – ohne den Umweg über das bundesdeutsche Auffanglager in Friedland – vom Flughafen abgeholt worden. »Das war eine Uraufführung.«

Migration institutionell verankern

Dass die Kooperation mit den Behörden nicht immer so reibungslos verläuft, macht ein Blick auf den aktuellen Asyldiskurs deutlich. Seit den 1980er Jahren wird vielen Menschen unter dem Vorwand parasitärer Wirtschaftsmigration die Legitimität ihres Handelns abgesprochen. Wissenschaftler, die dieses Stereotyp dekonstruieren, entdecken oft Muster suggerierter Homogenität hinter dem Verhalten der Mehrheitsgesellschaft: »Wir wissen aus der Forschung, dass sich fremdenfeindliche und rassistische Einstellungen vor allem in solchen Regionen vorfinden lassen, wo offensichtlich relativ geringer Kontakt zu den Betroffenen vorherrscht«, weiß Dr. Serhat Karakayali, Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Universität Halle.

Der Idee, individuelles Leid zu mindern und Migration institutionell zu verankern, hat sich die Leipziger »Save Me!«-Kampagne verschrieben. Kommunen sollen dazu bewegt werden, bei der Bundesregierung für eine Teilnahme am Resettlementprogramm des Hohen Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen einzustehen. Konkret heißt dies für Leipzig, durch einen Stadtratsbeschluss Bereitschaft zur dauerhaften Aufnahme eines bestimmten jährlichen Kontingents an Flüchtlingen zu signalisieren. Der Bedarf an Plätzen für Neuansiedelungen sei so dringend wie noch nie, erklärt Kristin Heinig.

Naomie e.V. bei der Arbeit

Seit der Änderung des Asylparagraphen Anfang der 1990er Jahre ist die Anzahl der Asylsuchenden stetig gesunken. »Eine faire Verteilung der Kosten und Aufgaben auf Bund, Länder und Kommunen ist aber möglich«, sagt Kristin Heinig. Daher versucht die Gruppe, Paten und Patinnen für ihr Projekt zu finden, welche entweder nur symbolisch ihre Stimme abgeben oder sich auch tatkräftig selbst einbringen möchten. Sollte die Bundesregierung tatsächlich zur Einrichtung eines Neuansiedelungsprogramms bewegt werden können, so hofft Heinig, dass einige Paten während der ersten Orientierung in der Stadt ein Fels in fremder Brandung sein werden. Eben wie die Vorbilder von Naomi e.V.

Der Tag des Migranten ist also nicht nur für eben jene, sondern auch für diejenigen da, die sich für Menschen in Not einsetzen. Toleranz zu üben, Konflikte auszutragen, Antirassismus zu praktizieren. Ein Mehrwert, nicht für die Migranten oder uns Deutsche, son-dern Mensch.


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