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So einfach ist das

Elisa Jentsch zeigt mit »Shoppen und Ficken«, wie zärtlich Brutalität sein kann

Diesmal ist es also Klopapier. Klopapier, das alles sein kann: Ein Vorhang, Fesseln und auch mal so etwas wie eine Schutzjacke, gewickelt um ein von der Welt verletztes Menschenwesen. Denn darum geht es: um Menschenwesen, denen die Welt zu schwer ist, zu groß und zu hart. Daher stopfen sie sich mit Süßigkeiten voll, werden drogensüchtig, verletzen einander und manchmal auch sich selbst.

Diesmal ist es also Klopapier. Klopapier, das alles sein kann: Ein Vorhang, Fesseln und auch mal so etwas wie eine Schutzjacke, gewickelt um ein von der Welt verletztes Menschenwesen. Denn darum geht es: um Menschenwesen, denen die Welt zu schwer ist, zu groß und zu hart. Daher stopfen sie sich mit Süßigkeiten voll, werden drogensüchtig, verletzen einander und manchmal auch sich selbst.

Mark Ravenhills »Shoppen und Ficken« ist das Gesellschaftsporträt der übersättigten, nach realen Erfahrungen lechzenden 90er-Generation, mit Themen heute so brennend wie einst: Wie behauptet sich das zum Funktionieren gezwungene Individuum? Wie finden wir zueinander, wenn Begehren durch Kaufkraft bestimmt und Romantik von Gier überschattet wird? Die Figuren sind so stereotyp wie menschlich: der fertige Junkie, die zwei überdrehten Kinder, der schöne Stricher und der eiskalte Kapitalist.

Obwohl einmal mehr klar wird, dass die Minibühne der Cammerspiele für Elisa Jentschs Bilderwelten zu klein ist, macht sie das Beste aus dem Raum: Jede Ecke wird bis auf den Schoß des im Quadrat gruppierten Publikums bespielt. Jentsch verlangt viel von ihren Darstellern, manchmal zu viel. Dennoch schaffen es die Schauspieler, das Beklemmende des Stücks fast ungefiltert auf den Zuschauer zu übertragen. Das ist bisweilen kaum auszuhalten, wenn etwa Analverkehr bis zum blutigen Schluss durch mit Schleim befüllte Austern symbolisiert wird. Schocktheater wird diese Inszenierung dennoch nicht, dafür schwimmt eine große Zärtlichkeit über all der Brutalität. Ja, so einfach ist das manchmal.

7.–10.1., 20.30 Uhr, Cammerspiele
Theater | aus dem kreuzer-Heft 01.10

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