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Turbulente Stille

Raz Ohara & The Odd Orchestra spielen live in der Skala

Gitarre, Gesang und Elektronik – vor einigen Jahren wäre dies mit dem Indietronics-Stempel versehen worden. Dass der Entwurf des elektronisch begleiteten Singer/Songwriters auch ohne die beinahe obligatorische Lo-Fi-Niedlichkeit auskommen kann, zeigte Raz Ohara mit seinem unbetitelten Album vor genau zwei Jahren. Es war die Überraschung des vorletzten Winters, und zwar nicht nur, weil sich an einer etablierten Schnittstelle mit ungeahnter Perfektion ausprobiert wurde.

Gitarre, Gesang und Elektronik – vor einigen Jahren wäre dies mit dem Indietronics-Stempel versehen worden. Dass der Entwurf des elektronisch begleiteten Singer/Songwriters auch ohne die beinahe obligatorische Lo-Fi-Niedlichkeit auskommen kann, zeigte Raz Ohara mit seinem unbetitelten Album vor genau zwei Jahren. Es war die Überraschung des vorletzten Winters, und zwar nicht nur, weil sich an einer etablierten Schnittstelle mit ungeahnter Perfektion ausprobiert wurde.

Die elf Stücke des Albums offenbarten nebenbei eine völlig neue Seite des gebürtigen Dänen mit Berlin als neuer Heimat. Vom Soul-Indie auf dem verblichenen In-Label Kitty-Yo, das wohl gern einen zweiten Beck mit Prince-Glamour aus Ohara gemacht hätten, über wilde Soul-Breakbeat-DJ-Sets bis zur Zusammenarbeit mit dem Techno-Producer Alexander Kowalski sowie dem Elektronica-Helden Apparat – Raz Oharas Karriere verlief turbulent, mit lauter Brüchen.

Umso überraschender war denn auch sein musikalischer Rückzug ins Innerliche, ins Stille, ins leicht Morbide und Reduzierte. Allein bestritt Raz Ohara – mit gebürtigem Namen übrigens Patrick Rasmussen – diesen neuen Weg allerdings nicht. Der Berliner Avantgarde-Elektroniker Oliver Doerell komplettierte die ersten Skizzen, die Raz Ohara mit Gitarre und zaghaft hauchendem Gesang aufnahm. Doerell ist also The Odd Orchestra, das skurrile Orchester, mit dem Ohara seinen bis dato stimmigsten musikalischen Ausdruck fand. Dass sich ausgerechnet jene filigran vertonte Singer/Songwriter-Intimität auf einem Techno-Label wie Get Physical wiederfindet, passt zur musikalischen Offenherzigkeit eines Raz Ohara – vielleicht trägt latent auch die Jugend auf hoher See an der Seite seines Vaters zu jeder Weitsicht bei.

Und auch das zweite Album der Kollaboration mit Oliver Doerell erschien bei dem Berliner Label – im Oktober letzten Jahres. Dieses Mal etwas positiver gestimmt, musikalisch vielfältiger und opulenter – aber nicht minder getränkt von süßer Melancholie. Live wird Raz Ohara mit einer kleinen Band auftreten. Eingeleitet wird der Abend in der Skala mit einer Lesung des Journalisten und Autors Tobias Rapp. Er liest aus seinem Buch »Lost and Sound«, das die Renaissance der Berliner Techno-Kultur in den Nullerjahren hinterfragt. Und sicherlich könnte Raz Ohara einige Geschichte dazu ergänzen.

15.1., Skala, Raz Ohara & The Odd Orchestra
http://www.myspace.com/razoharaandtheoddorchestra
Musik | aus dem kreuzer-Heft 01.10

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