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Ausbruch aus der Streichholzschachtelwelt

outside the box ist ein neues feministisch-sozialkritisches Magazin aus Leipzig

»Brauchste Feuer, Püppie?« – Warum in aller Welt gibt man noch 2009 eine »Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik« heraus? »Das kommt doch Jahrzehnte zu spät«, ruft die F-Klasse. Und dann ist die erste Nummer auch noch dem Thema Emanzipation gewidmet. »Langweilig, emanzipiert sind wir schon«, zicken die Alphamädchen. Vielleicht ist eine solche Zurückweisung vorschnell, wagen wir also die Lektüre.

»Brauchste Feuer, Püppie?« – Warum in aller Welt gibt man noch 2009 eine »Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik« heraus? »Das kommt doch Jahrzehnte zu spät«, ruft die F-Klasse. Und dann ist die erste Nummer auch noch dem Thema Emanzipation gewidmet. »Langweilig, emanzipiert sind wir schon«, zicken die Alphamädchen. Vielleicht ist eine solche Zurückweisung vorschnell, wagen wir also die Lektüre.

Nach dem Blick ins Inhaltsverzeichnis wird klar, dass es den Herausgebenden um mehr geht, als die Fahne des Feminismus hochzuhalten. Dabei ist es mit der angeblich hergestellten Geschlechtergerechtigkeit ja auch noch nicht so weit her: Zwar darf die Frau von heute zwischen Kind und Karriere wählen, muss sich aber Vorwürfe gefallen lassen, wenn sich Deutschland mal wieder im Aussterben befindet.

So beinhaltet outside the box einerseits Texte zu klassischen feministischen Themen wie Geschlechterrollen, Sexismus und Abtreibung. Eine sehr griffige Darstellung führt in die feministische Philosophie ein. In einem Text, der sich der Kritik an der bürgerlichen Frauenbewegung widmet, wird aber deutlich, dass hier unter Emanzipation mehr verstanden wird als von EMMA & Co. Diese bedeutet den Zugewinn von Freiheit und Gerechtigkeit für jedes Individuum. Schließlich ist der Mensch nicht nur im Korsett der Geschlechterklischees gefangen, auch andere scheinbar unverrückbare Vorstellungen wie jene der gesellschaftlichen Ordnung nehmen ihm die Lebensluft. Wenn man dem bekannten Bonmot Simone de Beauvoirs nach nicht als Frau zur Welt kommt, sondern zu dieser gemacht wird, so trifft das natürlich ebenso auf andere Rollen zu, in die Menschen Menschen stecken.

Daraus resultiert auch der Heftname, der das Unterfangen benennt, übliche Denkschablonen zu verlassen. Dieser eher weite Fokus führt zum interessanten inhaltlichen Bogen des Heftes, der von der Hexenverfolgung als Grundstein der Moderne bis zur utopischen Science-Fiction-Literatur reicht. Einziges Manko: Die künstlerische Selbstdarstellung des Fotografen bleibt ein Rätsel. Künstler lässt man sich lieber durch ihre Arbeiten mitteilen – und seine Bilder sind ansprechend. Für das Format eines intellektuellen Magazins ist outside the boxzum extrem günstigen Preis von 3 € in einschlägigen Buch- und Infoläden oder online zu erwerben.

outside the box, 64 S., 3 €, http://www.outside.blogsport.de
Medien | aus dem kreuzer-Heft 01.10

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