Startseite / Kultur / Handgemachte Plattform

Handgemachte Plattform

Das Leipziger Label Analogsoul holt unentdeckte Talente hervor

Die Leipziger Label-Infrastruktur entwickelt sich seit einigen Jahren durchaus positiv, auf etwas unkonventionellem Weg trägt auch Analogsoul zu dieser Entwicklung bei. Das Label begreift sich jedoch eher als Plattform. So inflationär und romantisiert dieser Begriff in der Kulturlandschaft auftaucht, so sehr scheint er im Fall von Analogsoul zu passen.

Die Leipziger Label-Infrastruktur entwickelt sich seit einigen Jahren durchaus positiv, auf etwas unkonventionellem Weg trägt auch Analogsoul zu dieser Entwicklung bei. Das Label begreift sich jedoch eher als Plattform. So inflationär und romantisiert dieser Begriff in der Kulturlandschaft auftaucht, so sehr scheint er im Fall von Analogsoul zu passen.

Innerhalb von zwei Jahren ist unter diesem Banner ein loses Netzwerk aus mehreren Musikern, Künstlern und Kulturaktivisten entstanden, das künstlerische Freiheit und wirtschaftliche Unabhängigkeit im kleinen Rahmen lebt. Einen organisatorischen Kern gibt es dennoch, bestehend aus vier Leuten, die sich verstreut in Leipzig, Jena und Berlin um die Website, die Pressearbeit, das Booking und das künstlerische Profil von Analogsoul kümmern. In einem Laden in der Kurt-Eisner-Straße laufen alle Fäden zusammen. Dort wohnt und arbeitet Fabian Schuetze, selbst Musiker in verschiedenen Projekten und so etwas wie der künstlerische Analogsoul-Leiter.

Am Anfang stand Analogsoul für ein Netlabel, das frei von Genre-Dogmen Musik von bislang unentdeckten Jungtalenten kostenlos im Internet veröffentlichte. Später wurden zudem Konzerte und kleine Tourneen für jene Künstler organisiert. Und mittlerweile veröffentlicht das Label auch Alben auf CD in Kleinauflagen – alles selbst auf die Beine gestellt. »Der Do-it-yourself-Ansatz ist auf jeden Fall wichtig. Wir wollen die Hoheit über unseren Kram bewahren. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass alles handgemacht veröffentlicht wird – handgestempelte Flyer, CD-Cover vom Buchbinder oder T-Shirt-Unikate«, beschreibt Fabian Schuetze die Label-Philosophie. Das Analogsoul-Netzwerk setzt zudem auf Vertrauen, Verträge mit den Künstlern gibt es nicht, dafür einen freundschaftlichen Austausch.

Und was macht den Soul in dem überaus differenten Label-Sound aus? Fabian Schuetze erklärt es so: »Das Genre ist vollkommen egal. Musik muss für uns etwas auslösen, einen irgendwie kriegen und abholen. Ob das nun im Kopf, Bauch oder Herz passiert, ist dabei egal.« So tummeln sich auf Analogsoul Singer/Songwriter neben Jazz-Formationen, Electronica-Pop trifft auf technoide Stücke, Avantgardistisches auf Eingängiges. Für ein Label durchaus ein Wagnis, bleibt es doch schwer zu fassen und nicht selten reicht bei den Hörern die Aufmerksamkeit nur für Bewährtes. Doch es scheint aufzugehen, es gibt eine stetig wachsende Stammkäuferschaft, demnächst werden die Alben auch via iTunes verkauft.

Ende Januar feierte Analogsoul sein 2-jähriges Bestehen in der Kunst- und Bauschlosserei in der Kantstraße, jenem Ort, an dem die meisten Leipziger Analogsoul-Konzerte und auch die eigene Konzert-Reihe Like Water stattfinden. Und momentan sind die Label-Antennen stark nach Osteuropa ausgerichtet, um neue Kontakte zu knüpfen und einen »Tapetenwechsel zu haben«, wie Fabian Schuetze meint.

Analogsoul-Labelnight mit A Forest, Clannish, Lutz Hartmann: 12.3., Ilses Erika
http://www.analogsoul.de
Musik | aus dem kreuzer-Heft 03.10

Anzeige

Kommentieren

Dein Kommentar

Kommentare sind deaktiviert.