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Kultur

Flucht aus dem Klangteppich

Es wird getwittert und gebloggt, was das Zeug hält. Wer interessiert sich da noch für das gute alte Hörspiel? Das wollen Macher und Hörer beim Hörspiel-Symposion vom 19. bis 21. März diskutieren.

  Flucht aus dem Klangteppich | Es wird getwittert und gebloggt, was das Zeug hält. Wer interessiert sich da noch für das gute alte Hörspiel? Das wollen Macher und Hörer beim Hörspiel-Symposion vom 19. bis 21. März diskutieren.

Aufmerksamkeit zählt in der Medienbranche als knappes Gut. Darum zu buhlen, wird immer aufwendiger. Für viele Jugendliche ist es heute nichts Ungewöhnliches mehr, sich von mehreren Medien simultan beschallen zu lassen. Doch man kann fliehen aus dem allgegenwärtigen Klangteppich hoch industrialisierter Gesellschaften: Hörspiele sind der Gegenentwurf dazu. Sie werden nur zum Erlebnis, wenn man alles andere ausstellt.

Aufmerksamkeit zählt in der Medienbranche als knappes Gut. Darum zu buhlen, wird immer aufwendiger. Für viele Jugendliche ist es heute nichts Ungewöhnliches mehr, sich von mehreren Medien simultan beschallen zu lassen. Doch man kann fliehen aus dem allgegenwärtigen Klangteppich hoch industrialisierter Gesellschaften: Hörspiele sind der Gegenentwurf dazu. Sie werden nur zum Erlebnis, wenn man alles andere ausstellt.

Doch dass heißt nicht, dass sich neue Medien und Hörspiele ausschließen. Twyla Chantelau vom Hörspiel-Sommer e.V. ist überzeugt, dass das Internet eine Bereicherung für Hörspielmacher bedeutet. Zeitversetztes und ortsungebundenes Hören wurde mit Hilfe der Digitalisierung zum Kinderspiel. »Hörspiele werden längst nicht mehr nur im Radio, sondern auch im Auto oder Zug gehört. Manche Hörbücher haben eine Spieldauer von 100 Stunden und verkaufen sich sehr gut.« Trotzdem ist eine der großen Fragen des Symposions, ob das Hörspiel wegen schwindender Aufmerksamkeit unter Druck gerät und wie Macher auf aktuelle Entwicklungen reagieren sollen.

Frank Schätzlein, der das Symposion mit einem Vortrag über die Diskursgeschichte des Hörspiel-Hörens eröffnen wird, ist überzeugt, dass Web 2.0 und Podcasts große Herausforderungen für das Hörspiel darstellen. Die Macher würden darum verstärkt versuchen, Zielgruppen anzusprechen, die sich nicht für das klassische Kulturprogramm interessieren. In seinem Vortrag beschreibt er den historischen Wandel der Mediennutzung und die wechselseitige Beziehung zwischen Hörspielnutzern und -machern. Diese verwenden immer häufiger Methoden des Kulturmarketings. Damit, so Schätzlein, werde die Inszenierung mehr und mehr zum Event.

So zum Beispiel die Performance »Der neue Mensch. Vier Übungen in utopischen Bewegungen«, die am Samstag, den 20. März inszeniert wird. Medientheoretiker und Radiokünstler haben das Stück entworfen, bei dem das Publikum zum Akteur wird. Alle Zuschauer tragen Köpfhörer und erhalten Anweisungen, führen Gesten und Bewegungen aus und inszenieren so ihr eigenes Theater. Die Zuschauer werden in kollektive Bewegung versetzt. Die neuen Handlungsmöglichkeiten sollen an die utopischen Hoffnungen des Menschen erinnern.


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