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Meuterei in Leipzig

Auch in Leipzig gab es jugendlichen Widerstand gegen das NS-Regime. Eine Veranstaltung im UT Connewitz schafft Einblicke in die »Leipziger Meuten«

Widerstand im Dritten Reich wird heute jenseits der rein wissenschaftlichen Bearbeitung vor allem an herausragenden Einzelfällen behandelt: Stauffenberg, die Weiße Rose und Co. sind das, was die meisten mit Widerstand gegen das NS-Regime verbinden. Das ist die offizielle Gedenkkultur in Deutschland – eine Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Facetten des Widerstands findet nur selten statt. Insbesondere die Aufarbeitung widerständiger Jugendkultur wird oft vernachlässigt. Am 26. März soll im UT Connewitz versucht werden, sich der NS-Geschichte dieser Stadt auf anderem Wege zu nähern – denn diese ist spannender, als manche vielleicht denken mögen.

Widerstand im Dritten Reich wird heute jenseits der rein wissenschaftlichen Bearbeitung vor allem an herausragenden Einzelfällen behandelt: Stauffenberg, die Weiße Rose und Co. sind das, was die meisten mit Widerstand gegen das NS-Regime verbinden. Das ist die offizielle Gedenkkultur in Deutschland – eine Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Facetten des Widerstands findet nur selten statt. Insbesondere die Aufarbeitung widerständiger Jugendkultur wird oft vernachlässigt. Am 26. März soll im UT Connewitz versucht werden, sich der NS-Geschichte dieser Stadt auf anderem Wege zu nähern – denn diese ist spannender, als manche vielleicht denken mögen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung werden die »Leipziger Meuten« stehen: Das waren Jugendgruppen, die zwischen 1936 und 1939 vor allem durch die Ablehnung von Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel nonkonformistisches, NS-kritisches Verhalten zeigten. Gerade in den Arbeitervierteln der Stadt taten sich Jugendliche zusammen, die sich nicht in die Hitlerjugend oder den Bund deutscher Mädel begeben woll-ten. Sie veranstalteten Ausflüge und Musik-abende, sorgten aber auch für die Verbreitung von Flugblättern und lieferten sich Kämpfe mit der HJ. Hier entwickelte sich erstmals eine autonome Subkultur, deren gemeinsame Ziele in einer selbstbestimmten Lebensgestaltung lagen. Der Widerstand gegen die allgegenwärtige NS-Diktatur war hierfür ein notwendiges Mittel.

In Leipzig gab es über ein Dutzend Gruppen in diversen Stadtteilen mit bis zu einhundert Mitgiedern. Sie nannten sich »Reeperbahn« in Lindenau, »Hundestart« in Kleinzschocher oder »Lille« in Reudnitz. Bis 1938/39 waren ca. 1.500 Jugendliche in den »Leipziger Meuten« aktiv, davon bis zu ein Drittel Mädchen. Die Zerschlagung der Meuten gelang erst mittels massiver Repression, unzähliger Verhaftungen und der Einrichtung einer speziellen Jugendanstalt.

Die Connewitzer Meute traf sich regelmäßig im UT Connewitz. Sascha Lange, der seit einigen Jahren zum Thema »Leipziger Meuten« arbeitet, gestaltet den Abend mit. »Mir geht es darum, dem Bild von der Jugend der 30er Jahre, das uns von Guido Knopp und Co. präsentiert wird, etwas entgegenzusetzen. Außerdem möchte ich Jugendlichen unserer Zeit die his-torischen Wurzeln von autonomer Subkultur, die in dieser Stadt liegen, bewusst machen«, so Lange. Er wird mithilfe von Fotos und Dokumenten über Hintergründe der Meuten aufklären. Und im Anschluss soll gemeinsam einer der unter diesen Jugendlichen einflussreichen amerikanischen Swing-Filme der 30er Jahre angeschaut werden.

Leipziger Meuten vs. Hitlerjugend: Vortrag am 26.3., 21 Uhr, UT Connewitz
aus dem kreuzer-Heft 03.10

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