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»Wir bleiben hier«

Leipzig bietet wenige Orte für Jazzmusiker und Fans. Das Café Telegraph soll Abhilfe schaffen

Lust auf Jazz? Komm, wir gehen in das …, ja, wohin denn eigentlich? Bisher war da so gut wie nichts. Gut, am Mittwoch konnte man ins Tonelli’s zur Jazz-Session gehen. Das ist aber ein bisschen wenig für eine Stadt mit 515.000 Einwohnern und einem angesehenen Jazzmusik-Studiengang. Das soll sich nun ändern. Im Café Telegraph wollen junge Jazz-Begeisterte einen Live-Club eröffnen.

Lust auf Jazz? Komm, wir gehen in das …, ja, wohin denn eigentlich? Bisher war da so gut wie nichts. Gut, am Mittwoch konnte man ins Tonelli’s zur Jazz-Session gehen. Das ist aber ein bisschen wenig für eine Stadt mit 515.000 Einwohnern und einem angesehenen Jazzmusik-Studiengang. Das soll sich nun ändern. Im Café Telegraph wollen junge Jazz-Begeisterte einen Live-Club eröffnen.

Robert Seidel, der mit seiner Band Mud Muhaka regelmäßig im Telegraph spielt, ist einer von ihnen. Er glaubt, dass Leipzig auf den Club gewartet hat: »Viele würden gerne mehr Jazz hören. Die Oper ist immer ausverkauft, wenn Jazz gespielt wird.« Publikum gibt es also genug, jedoch zu wenig Angebote. Doch stimmt das? Hören junge Menschen überhaupt noch Jazz?

Martin Auer unterrichtet Jazz-Trompete an der Hochschule für Musik und Theater. Er ist überzeugt, dass ein Jazzclub in Leipzig funktionieren kann. »Es hat auf jeden Fall eine Spielstätte gefehlt. Und der Jazz-Club möchte ja ein breites Publikum und nicht nur Musiker ansprechen.« Im Telegraph soll der Jazz auch mit Einflüssen aus Rock, Elektro und anderen Stilen gemischt werden. »Es wird ein Club für alle Künstler, die sich irgendwie mit Jazz identifizieren können, also auch für Schauspieler und Songwriter«, erklärt Robert Seidel.

Die Leipziger Jazzszene ist überschaubar. »Die beiden Vereine LeipJAZZig und Jazzclub e. V. leben eher nebeneinanderher, als zusammen zu wirken. Im Live-Club soll die Szene einen gemeinsamen Spielort bekommen«, sagt Jazz-Student Johannes Moritz. Die jungen Künstler hoffen, dass sich mehr Musiker dafür entscheiden, in Leipzig zu bleiben, wenn sie eine feste Spielstätte zur Verfügung haben.

Musikdozent Auer weiß, dass Leipzig vor allem wegen der Hochschule ein Anziehungspunkt für junge Jazzmusiker ist. »Sie hat einen großen Anteil an der Szene.« Doch wenn das Studium vorbei ist, ziehe es viele nach Berlin oder ins Ausland. Deshalb hoffen die Macher auf ein Umdenken. »Wir sind eine Generation mit einer ganz anderen Herangehensweise, in Bezug auf die Institutionalisierung von Musik«, sagt Robert Seidel. »Die beiden Vereine hatten kein gemeinsames Konzept, aber sie unterstützen unseren Einsatz«, fügt der 30-Jährige hinzu.

Der Jazzclub e. V. hilft ihnen finanziell, die meiste Arbeit funktioniert aber ehrenamtlich. »Weltberühmte Musiker können wir uns noch nicht leisten. Viele Bands, die hier spielen werden, sind mit uns befreundet.« Wie zum Beispiel Yelena K. & The Love Trio. Yelena K. kam vor sechs Jahren aus Serbien, wo sie schon zehn Jahre lang erfolgreich war, nach Berlin. Mit Pianist Kristian Kowatsch spielt sie Vocal Jazz mit Einflüssen aus Pop- und Rockmusik. Dabei wechseln fest gefügte Strukturen mit freier Improvisation.

Live-Musik wird es im Telegraph vorerst jeden Dienstag, Donnerstag und Freitag geben. Dienstags treten Jazz-Künstler von der Hochschule für Musik und Theater auf.

Eröffnungspartys, 8./9.4.
weitere Veranstaltungen finden sich unter Termine
Musik | aus dem kreuzer-Heft 04.10

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