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Kein traditionelles Strickmuster

Auf Gastspiel: Das Schweizer Theater EigenArt setzt auf städtisches Publikum

Die Schauspielerin Ann Klemann lebt seit ihrer Ausbildung in der Schweiz. Nach zehn Jahren steht die gebürtige Leipzigerin nun wieder in ihrer Heimatstadt auf der Bühne. Mit dem kreuzer spricht sie über jugendliche Bühnenerfahrungen, die Schweizer Theaterlandschaft und die neue Produktion »Tickets to Heaven«.

Die Schauspielerin Ann Klemann lebt seit ihrer Ausbildung in der Schweiz. Nach zehn Jahren steht die gebürtige Leipzigerin nun wieder in ihrer Heimatstadt auf der Bühne. Mit dem kreuzer spricht sie über jugendliche Bühnenerfahrungen, die Schweizer Theaterlandschaft und die neue Produktion »Tickets to Heaven«.

kreuzer: Sprang der Theaterfunke bereits in Leipzig auf Sie über?

ANN KLEMANN: Mit 16 verbrachte ich meine Freizeit begeistert bei der Jugendtheatergruppe »stiels« im Geyserhaus. Unter der Regie von Marco Süss haben wir uns damals auf sehr persönliche Weise mit der »Antigone« auseinandergesetzt.

kreuzer: Welche Inszenierung prägte Sie als Zuschauerin besonders?

KLEMANN: »Der Kirschgarten« in der Inszenierung von Roberto Ciulli vom Theater an der Ruhr hat mich vor vielen Jahren tief berührt. Es hat mir regelrecht die Sprache verschlagen und ich habe gespürt, was für ein Berührungspotenzial Theater hat.

kreuzer: Sie waren in Leipzig in verschiedenen Gruppen der Off-Szene aktiv, wo?

KLEMANN: Zwischen 1994 und 2000 stand ich z. B. mit der Gruppe struktur fokal unter der Regie von Marco Süss im Werk II auf der Bühne, mit »magic afternoon« (Regie: Steffen Moratz) und »Die Freundin« (Regie: Stefan Kanis) im Poetischen Theater und zusammen mit Burkhard Damrau von der Pfeffermühle in der Alten Nikolaischule.

kreuzer: Warum verschlug es Sie gerade in die Schweiz an die Schauspielschule? Was schätzen Sie an der dortigen Ausbildung?

KLEMANN: Der Zufall wollte es, dass ich auf die Hochschule für Bewegungstheater und Theaterkreation Scuola Teatro Dimitri aufmerksam wurde. Nach der Aufnahmeprüfung war ich begeistert von den Fächern und Methoden – und wurde noch dazu genommen. Eine große Stärke der Schule ist das nonverbale Theater, das Erforschen der verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten des Körpers. Nach der Ausbildung bin ich durch Anschlussengagements, wie man so schön sagt, »hängen geblieben«.

kreuzer: Wie kam es zur Gründung Ihrer eigenen Compagnie?

KLEMANN: 2004 lernte ich den Schweizer Schauspieler und Musiker Rolf Brügger kennen. Nach mehreren inspirativen Treffen und der Lust auf ein gemeinsames Projekt gründeten wir 2005 die Compagnie Theater EigenArt. Seitdem haben wir drei Eigenkreationen realisiert.

kreuzer: Wie würden Sie holzschnittartig die Schweizer Theaterlandschaft beschreiben?

KLEMANN: Diese ist sehr vielfältig. Besonders abseits der großen Bühnen gibt es viele Tanztheater, freie professionelle Theatergruppen, aber auch Volks- und Laienbühnen mit langer Tradition. Die Schweiz hat einige internationale, unnachahmbare Gruppen wie z. B. Mummenschanz oder Zimmermann & de Perrot hervorgebracht.

kreuzer: Ihr aktuelles Stück heißt »Ticket to Heaven« – was erwartet das Publikum?

KLEMANN: Es ist ein Abend, der Janis Joplin und Daumenklavier zusammenbringt, der von Tucholsky zu Tango springt und dichte Geschichten von den Spannungen des menschlichen Daseins erzählt. Das Publikum wird in der abgrundtief komischen Collage herausgefordert, mit Herz und Hirn dabei zu sein, wie sich zwei gekündigte Engel auf der Erde zwischen Kaufrausch, Finanzkrise und Endlichkeit zurechtzufinden versuchen.

kreuzer: Das Burgdorfer Tagblatt schrieb, das Stück sei nicht nach »traditionellem Strickmuster« gestaltet und entspreche »eher den Gewohnheiten eines städtischen Publikums«.

KLEMANN: Wir verlassen den klassischen Rahmen, in dem Theater immer nur auf der Bühne stattfindet. Lassen Sie sich einfach überraschen …

11./12.4., 20.30 Uhr, naTo, http://www.theatereigenart.ch
Theater | aus dem kreuzer-Heft 04.10

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