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Polen trauern in Leipzig

Auswirkungen des Unglücks des polnischen Präsidenten in Leipzig

Wegen des tragischen Flugzeugunglücks im russischen Smolensk wurden die letzten Veranstaltungen des deutsch-polnischen Festivals »Krakauer Tage« in Leipzig abgesagt. Der Vorfall bringt die Stellvertretende Direktorin des Polnischen Instituts Leipzig, Agnieszka Surwillo-Hahn, in eine unerwartete Lage: An diesem Wochenende lässt sie alles stehen und liegen und kümmert sich nur noch um Anrufe und Emails, die sie aufgrund des Unglücks in ihrem Büro am Markt beantwortet.

Wegen des tragischen Flugzeugunglücks im russischen Smolensk wurden die letzten Veranstaltungen des deutsch-polnischen Festivals »Krakauer Tage« in Leipzig abgesagt. Der Vorfall bringt die Stellvertretende Direktorin des Polnischen Instituts Leipzig, Agnieszka Surwillo-Hahn, in eine unerwartete Lage: An diesem Wochenende lässt sie alles stehen und liegen und kümmert sich nur noch um Anrufe und Emails, die sie aufgrund des Unglücks in ihrem Büro am Markt beantwortet.

»Wir waren alle bestürzt, schockiert und konnten nicht so richtig glauben, was da passiert ist«, erklärt Surwillo-Hahn. Mit traurigen Augen gerät sie, auf das polnische Fest angesprochen, trotzdem ins Schwärmen: »Froh und enthusiastisch haben wir uns auf die Krakauer Tage gefreut, auf die weiteren Kulturveranstaltungen. Das war ein richtig großes, fröhliches Fest mit sehr positiven Energien und Reaktionen seitens der Leipziger Bürger. «

Während ich am Empfang warte, sehe ich Leipziger Polen, die sich verhalten und bestürzt in das wohl ausgefüllte Kondolenzbuch eintragen. Unter den Eintragungen sind Stadtbewohner und Menschen aus ganz Deutschland, die ihre Anteilnahme bekunden. Die Resonanz der Leipziger ist zurückhaltend, aber präsent. Unter der Anzeige für die Krakauer Tage am Stadthaus wurde ein Extrabanner angebracht. Empathie und Trauer allerorten. Indes reagiert die Stellvertretende Direktorin auf kritische Fragen hinsichtlich der nicht unumstrittenen politischen Haltung Kaczyńskis diplomatisch: »Auch wenn man politisch nicht derselben Meinung ist, so ist doch die Trauer sehr groß.«

Neben dem ehemaligen Präsidenten und seiner Gattin starben bei dem Unglück weitere für Polen in politischer und kultureller Hinsicht wichtige Personen. Der Stellvertretenden Direktorin ist es wichtig, die anderen Oper nicht zu vergessen: »Mit dabei waren Vertreter aller Parteien und andere führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kirche und öffentlichem Leben. Auch Personen, die polnische Geschichte geschrieben und mitgestaltet haben, sowie Mitbegründer und Vertreter der Solidarność, die sozusagen die demokratische Grundlage Polens ist, ja, sie waren lebende Denkmäler von unheimlicher Bedeutung.« Die Opfer waren allesamt auf dem Weg zur Gedenkfeier des Massakers von Katyn. So wurde der Flugzeugabsturz in doppelter Hinsicht ein traumatisches Erlebnis für die polnischen Bürger.

Wenn es um die Stellung des Präsidenten geht, ist das polnische Volk von trauender Eintracht. Die politischen Ansichten Kaczyńskis sind deshalb nicht vergessen, nur steht bei einem solchen Vorfall das menschliche Mitgefühl im Vordergrund. Darauf konstatiert auch Surwillo-Hahn: »Auch wenn man mit Kaczyński politisch nicht auf einer Linie war, war er doch bekannt dafür, für die Interessen Polens zu kämpfen – mit der Gefahr und dem Risiko sich unbeliebt zu machen. Das stellt niemand in Frage.«


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