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Eklektizismus, ahoi!

Emanuel and the Fear machen auf dem Weg zu neuen musikalischen Ufern Halt im Ilses Erika

Sie sind ein Schiff mit elf Segeln. Jeder Song eine zurückgelegte Seemeile auf dem Weg zu neuen Ufern. Gut zwei Jahre ist es her, dass Emanuel and the Fear den New Yorker Hafen mit seinen redundanten Popmusik-Kähnen hinter sich ließen, um der Abwechslung entgegenzuschippern und mit orchestraler Besatzung die Kellerclubs auf der anderen Seite des Atlantiks zu entern. Sie müssen Rückenwind gehabt haben.

Sie sind ein Schiff mit elf Segeln. Jeder Song eine zurückgelegte Seemeile auf dem Weg zu neuen Ufern. Gut zwei Jahre ist es her, dass Emanuel and the Fear den New Yorker Hafen mit seinen redundanten Popmusik-Kähnen hinter sich ließen, um der Abwechslung entgegenzuschippern und mit orchestraler Besatzung die Kellerclubs auf der anderen Seite des Atlantiks zu entern. Sie müssen Rückenwind gehabt haben.

Was das Musiker-Kollektiv um Käpt’n Emanuel Ayvas seither auf etlichen Bühnen demonstriert, gleicht einer logistischen wie kompositorischen Meisterleistung. Am Boden: 22 wild wippende Beine, die sich im Meer aus Notenständern ein Stückchen Freiheit erkämpfen. In der Luft: virtuos umhersäbelnde Querflöten, Drumsticks und Streicherbögen, nur einen Taktstrich vom Aufspießen des Nachbarmanns entfernt – Chaos mit System. Denn sobald sich des Kapitäns schwarzer Lockenkopf zum Mikro beugt, erinnert nichts mehr an ein Schul­or­ches­ter vor dem ersten Aula-Auftritt. Dann beginnen Kammerpop und klassische Rock-Arrangements synchron zu rudern, ein wehrloses Piano wird durch Ayvas’ kraftvolle Gesangswellen von Bord gespült und bald zum Spielball einer vollinstrumentierten Sturmflut, wie man sie bisher nur von Arcade Fire oder The Polyphonic Spree kannte. Eklektizismus, ahoi!

Nach ihrem mehrmonatigen Landgang in den heimischen Ishlab Music Studios haben Emanuel and the Fear mit einem Debütalbum, das in 19 Musik-Wunderwerken beweist, warum es den Titel »Listen« verdient, den vorläufigen Zielhafen erreicht. Wie es klingt, wenn Sergej Rachmaninow und Conor Oberst sich eine Kajüte teilen, wird Leipzig erfahren, wenn das brooklynsche Orchester im Ilses Erika ankert. Und vielleicht eine Erklärung im Gepäck hat, warum die musikalische Mutprobe in persona ausgerechnet das Wort Angst im Namen trägt. Jennifer Beck

17.4, Ilses Erika, Emanuel and the Fear
http://www.myspace.com/emanuelandthefear
Musik | aus dem kreuzer-Heft 04.10

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