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Ignoranter Gleichmut

Nazis und Diskriminierung werden im Breitensport-Fußball weitestgehend folgenlos akzeptiert

Gewalteskalationen, politische Instrumentalisierung, diskriminierende, rassistische und homophobe Beschimpfungen durch Fans und Spieler – Neonazis und Diskriminierung im Fußball sind ein Standardproblem. Jeder kennt es, keiner löst es. Aber man redet drüber. Im April diskutieren Experten wie Undercover-Rechercheur Günter Wallraff, der Journalist Albrecht Radon, Christopher Zenker von der Bunten Kurve sowie der Autor Holger Kulick und Adam Bednarsky vom IVF in der Schaubühne.

Gewalteskalationen, politische Instrumentalisierung, diskriminierende, rassistische und homophobe Beschimpfungen durch Fans und Spieler – Neonazis und Diskriminierung im Fußball sind ein Standardproblem. Jeder kennt es, keiner löst es. Aber man redet drüber. Im April diskutieren Experten wie Undercover-Rechercheur Günter Wallraff, der Journalist Albrecht Radon, Christopher Zenker von der Bunten Kurve sowie der Autor Holger Kulick und Adam Bednarsky vom IVF in der Schaubühne.

»Man ist in Leipzig durchaus an dem Punkt angekommen, wo das Problem nicht mehr geleugnet wird. An vielen Stellen wird es trotzdem akzeptiert«, so Ulrike Fabich, Mitorganisatorin der Veranstaltung. »Wir brauchen eine kontinuierliche Problembehandlung und wirksame Strategien. Dafür ist eine öffentliche Thematisierung und umfassende Sensibilisierung vonnöten.«

Die Kontinuität ist in Leipzig tatsächlich nicht vorhanden. Immer dann, wenn irgendein Vorfall ans Tageslicht gezerrt wird, kommt es zum kurzen Aufschrei der Empörung. Es werden Erklärungen abgegeben, in denen sich die Involvierten eifrig von allem Übel distanzieren und für ein friedliches Miteinander plädieren. Und dann geht es zurück in den Alltag. Es bleibt den Betroffenen überlassen, die Folgen auszubaden.

Das war auch zuletzt im Fall Brandis nicht anders. Zwar wurde im Februar eine Person, die an dem Naziüberfall beim Bezirksklassespiel des Roten Stern Leipzig in Brandis im Oktober 2009 beteiligt war, zu über zwei Jahren Haft verurteilt. Verhandlungen gegen weitere mutmaßliche Täter folgen. Im Sportgerichtsverfahren allerdings begegnete man insbesondere von Seiten des Leipziger Fußballverbandes dem Geschehen mit ignorant anmutendem Gleichmut. Der FSV Brandis wurde von seiner Verantwortung für den Vorfall freigesprochen, das Spiel muss wiederholt werden. Eine simple Ordnungswidrigkeit von Fans wäre vermutlich schärfer geahndet worden.

Der Fall Brandis ist nur eines von vielen Beispielen, welche die Unfähigkeit im Umgang mit Nazis und Diskriminierung im Fußball dokumentieren und Anlass zur aktuellen Diskussion geben. Organisiert wird die Veranstaltung vom Erich-Zeigner-Haus e. V. und der Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball (IVF).

20.4., Schaubühne Lindenfels; http://www.erich-zeigner-haus-ev.de, http://www.fussball-und-diskriminierung.de
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