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Wer hat den grünen Kobold geklaut?

Team 14 ermittelt: Ein kreuzer-Autor mischte in einem rasanten Kriminalspiel mit

»Ich bin der grüne Kobold.« Wer in der Leipziger Innenstadt bald mit dieser merkwürdigen Phrase angesprochen wird, sollte sich nicht wundern. Denn in diesem Fall ist er höchstwahrscheinlich von Freizeitdetektiven fälschlicherweise für einen Zeugen gehalten worden.

»Ich bin der grüne Kobold.« Wer in der Leipziger Innenstadt bald mit dieser merkwürdigen Phrase angesprochen wird, sollte sich nicht wundern. Denn in diesem Fall ist er höchstwahrscheinlich von Freizeitdetektiven fälschlicherweise für einen Zeugen gehalten worden.

Seit 30. April 2010 bietet das Offenbacher Unternehmen Citygames nun auch in Leipzig Krimi-Spiele an. Dabei lassen sich Interessierte – man kann sich als Einzelperson anmelden oder gleich eine ganze Gruppenbuchung durchführen – auf das gemeinsame Rätselraten um einen inszenierten Kriminalfall ein. Mit viel Kombinationstalent, etwas Geduld und einem Quäntchen Glück sollte bei der Premiere der Diebstahl der Briefmarke »Der grüne Kobold« zu lösen sein. Eine Art Live-Action-Rollenspiel zwischen Bachdenkmal und Nikolaikirche, Messehof und Bildermuseum. Als kreuzer-Theaterredakteur zeigt sich Tobias Prüwer an allen dramatischen Spielereien interessiert und wagte den kriminalistischen Selbstversuch.

So, so, »Der grüne Kobold« wurde also geklaut. Mit wichtiger Miene erklärt die Spielleiterin auf dem Naschmarkt dem Dutzend Teilnehmer, sie seien als Detektive von einer Versicherung entsandt worden, um die philatelistische Kostbarkeit – geschätzter Marktwert immerhin 25.000 € –, die aus Siegfrieds kleinem Marktladen entwendet wurde, aufzuspüren. Wir werden in drei Teams aufgeteilt und mit einer Liste zu befragender Personen in die Innenstadt entlassen, durch die sich ein zähfließendes Gemisch aus Flaneuren und Shopping-Fans, Gruppenreisenden und Feierabendpendlern schiebt.

In meiner Gruppe kombinieren Judith und Jonas mit, die ihrer Freundin Annelie den Raterundgang zum Geburtstag geschenkt hatten. Deshalb darf Annelie das Team ein bisschen anführen, was mir sehr recht ist. Denn gerade in den ersten zehn Minuten fühlt es sich doch merkwürdig an, diese Straßenzüge, die ich aus tausenden Alltagsdurchstreifungen kenne, nun auf der Spur eines fiktiven Briefmarkendiebes zu durchqueren. Nach kurzer Zeit aber habe ich mich an das merkwürdige Gefühl gewöhnt, und mir kommt sogar einmal das Kennwort mit dem Kobold über die Lippen. »Dann trinken sie weniger Absinth«, erwidert die angesprochene Person die Parole und unsere Befragung kann in eine neue Runde gehen.

Wie aber spürt man im Getümmel eigentlich eine verschrobene Zoohändlerin auf? In welchem Lokal verbringt ein hoch verschuldeter Verkäufer seine Urlaubsstunden und will uns mit Freigetränken einwickeln? Und wenn man sie gefunden hat, was fragt man sie? Wir stöbern Person um Person an verschiedenen Punkten auf, die wir der groben Beschreibung entnehmen können, die uns am Start ausgehändigt wurde. Wir sprechen keine falschen Personen an, was uns Peinlichkeiten erspart. Bei den Befragungen verfallen wir schnell in jene Klischees, die wir wohl aus den »Drei Fragezeichen« oder vom »Tatort« abgeschaut haben – und gefallen uns dabei. Wir bohren nach, stellen illegitime Fragen und behaupten, dass wir das dürften. Unrechtsbewusstsein entwickelt Team 14 nicht, wir stehen ja auf der richtigen Seite.

Hoch offiziös: Der Ausweis von Sonderermittler Tobias Prüwer

Auf den Wegen zwischen den Befragungen versuchen wir zynisch zu sein, was uns nicht so richtig gelingt. Zu skurril sind die Figuren und Sachverhalte, mit denen wir konfrontiert werden. Je mehr Informationen wir ansammeln, umso undurchsichtiger wird die Geschichte. Irgendwie scheint fast jeder der Befragten ein Motiv zu haben und wir kommen zwischenzeitlich auf drei Verdächtige. Genauere Ausführungen oder gar Details spare ich an dieser Stelle aus, um kommenden Kriminalisten nicht mittels Spoiler den Spaß zu verderben. Nur soviel sei gesagt: Nach unserem zweistündigen innerstädtischen Zickzack kommen wir wieder auf dem Naschmarkt zusammen und treffen auf die beiden anderen Teams.

Unsere Vermutungen decken sich in etwa mit denen der anderen – und liegen allesamt daneben. Die Damen vom Leipziger Touristikamt haben jedoch einige Informationen mehr als wir und das dritte Team einsammeln können und dürfen daher die Verhaftung des Diebes bzw. der Diebin vornehmen. Wir applaudieren artig, als Detektiv will man schließlich kein schlechter Verlierer sein. Und mit leeren Händen steht Team 14 am Ende auch nicht da. Annelie hat ein aufregendes Geburtstagsgeschenk erlebt, wir alle hatten viel Spaß und bekommen schließlich jeder einen eigenen Detektivausweis ausgestellt. Justus, Peter und Bob können sich nun also auf Konkurrenz gefasst machen.

Nächste Termine und Kontakt: http://www.citygames.info

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