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90 Minuten Gedankenspiel

Ecce homo: »Der Unhaltbare« vermisst das Allzumenschliche im Strafraum und darüber hinaus

Blau-Weiß ist sein Schicksal: Zum 500. Mal steht Bernd Otte nun bei seinem Verein vor dem Tor. Er bekommt einen Präsentkorb überreicht, dann folgt der Anpfiff und Otte schwirren die Gedanken durch den Kopf. Das Publikum darf an diesen teilhaben und erlebt ein turbulentes und anrührendes, hoch spannendes und gewitztes Gedankenspiel über
90 Minuten.

Blau-Weiß ist sein Schicksal: Zum 500. Mal steht Bernd Otte nun bei seinem Verein vor dem Tor. Er bekommt einen Präsentkorb überreicht, dann folgt der Anpfiff und Otte schwirren die Gedanken durch den Kopf. Das Publikum darf an diesen teilhaben und erlebt ein turbulentes und anrührendes, hoch spannendes und gewitztes Gedankenspiel über
90 Minuten.

Der Grundidee folgend, findet sich das Tohuwabohu im Torhüterkopf (Text und Regie: Jan-Henning Koch) konsequent als Einpersonenstück umgesetzt. Darsteller Mario Rothe verleiht dem fiktiven Strafraum eine das Publikum einbeziehende Intensität, wird mal laut, mal leise und bewegt sich zumeist in vielerlei Zwischentönen. Mit eher minimalen Mitteln – die Requisiten sind sehr reduziert, mal gibt es ein kurzes Schattenspiel, hin und wieder Fangesänge aus dem Off – unterstreicht er seinen Monolog aus Fußballpoesie und Lebensbildern.

So skizziert er einmal den Torwart als Spielverderber, der den Stürmern den Triebstau besorge, weil er sie in ihrer evolutionären Aufgabe, die Pille ins Netz zu knipsen, behindere. Später wird er zum Befehlshaber, der die anderen Spieler wie Vasallen übers Feld befehligt. Wenn der Fußballgott von der Angst zu fehlen berichtet, das doch nur allzu menschlich ist, wird das Stück zur kleinen Parabel auf das Leben an sich. Ecce homo: »Siehe, ein Mensch.«

1., 3./4.6. NaTo, 8./9.6. Four Rooms, jeweils 20.30 Uhr
Theater | aus dem kreuzer-Heft 06.10

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