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Gentlemen Broncos

Jared Hess kehrt mit »Gentlemen Broncos« zurück in die Low-Budget-Abteilung und zeigt erneut seine Schwäche für liebenswerte Nerds und Popmusik.

Während sich in den vergangenen Jahren eine jugendliche Spezies entwickelt hat, die dem lange verschrienen Eighties-Trash frönt, viel zu grelle T-Shirts trägt und den Hosenbund gerne an der Poritze verweilen lässt, taucht Jared Hess in seinem neuesten Leinwand-Klamauk die amerikanische Provinz ebenso tief in den 80er-Farbtopf und könnte damit erneut einen Trash-Hit landen.

Während sich in den vergangenen Jahren eine jugendliche Spezies entwickelt hat, die dem lange verschrienen Eighties-Trash frönt, viel zu grelle T-Shirts trägt und den Hosenbund gerne an der Poritze verweilen lässt, taucht Jared Hess in seinem neuesten Leinwand-Klamauk die amerikanische Provinz ebenso tief in den 80er-Farbtopf und könnte damit erneut einen Trash-Hit landen.

Während des Sundance Festivals 2004 etablierte sich bereits das Langfilm-Debüt Jared Hess‘, »Napoleon Dynamite«, über Nacht zur Festivalsensation. Gerade einmal 200.000 Dollar hat der Film über das Slacker-Leben des gleichnamigen Schülers der Preston High School in einem gottverlassenen Nest irgendwo in Idaho gekostet. Nun kehrt Jared Hess zurück auf die Leinwand und hält die Produktionskosten ebenso niedrig, um sich nicht seiner künstlerischen Freiheit berauben zu lassen. Dass das die richtige Wahl war, weiß man schon beim ersten Anblick seines neuen nerdigen Hauptdarstellers: Benjamin Purvis (Michael Angarano). Den Scheitel glatt gekämmt, das Shirt frisch gebügelt und die Unterlippe leicht eingezogen – so schlappt Benji durch die skurrile Kulisse und offenbart uns eine Welt, die merkwürdig verzerrt scheint.

Gemeinsam mit seiner Mutter lebt er in einem kugelartigen Haus. In seiner Freizeit verdient er sich Geld mit dem Verkauf von Damennachtwäsche oder Popcornballs, zwei zum Preis von einem. Mit einem Faible für eigenwillige Science-Fiction-Abenteuer reist Benjamin in ein Autoren-Camp, um an einem Workshop seines Vorbildhelden Dr. Ronald Chevalier teilzunehmen. Dieser schreibt kurzerhand einen Wettbewerb des besten Nachwuchs-Schreiberlings im Sci-Fi-Genre aus – nur, weil ihm selbst die Ideen ausbleiben. Voller Stolz reicht Benji sein Manuskript ein. Kurze Zeit später muss er schmerzlichst erfahren, was Wortraub und Ideenklau bedeutet.

Liebevoll und im gewohnt schrulligen Stil entfaltet der amerikanische Independent-Filmemacher Jared Hess ein buntes Panoptikum, das mit seinen schrägen Charakteren eine miefige Kleinstadt-Welt der Superlative offeriert. Mit entwaffnender Selbstverständlichkeit entführt Hess sein Publikum erneut in einen kuriosen Kosmos voller Außenseiter, die der Banalität des Alltags nur so trotzen. Daneben eröffnet Hess eine fantastische Parallelwelt, in der Sam Rockwell den furchtlosen Space-Helden mimt und Benjamins Ideenreichtum keine Grenzen gesetzt sind.

Das Erfrischende an «Gentlemen Broncos» sind seine Figuren und das, was sie erleben, wie sie auf die Welt blicken. Außenseiter, die gerade deshalb, weil sie sich nicht inszenieren müssen, so authentisch wirken. Einmal mehr zeigt Hess, dass diese nicht selten zu etwas Großem auserkoren sind. Deswegen gilt es: «Remember who you are and what you stand for». Eileen Reukauf

ab 17.6. LURU-Kino
18.-22.6. Jared Hess-Doppel LURU-Kino
Film

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