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»Freiheitsliebende, party-wütige Rampensäue«

Zum diesjährigen Livelyrix-Sommerfest sind Poetry Slam-Größen in die Distillery eingeladen. Wir sprachen mit einer etablierten Leipziger Slammerin.

Jana Klar, Jahrgang 1986, studierte bis 2008 in Leipzig Übersetzungswissenschaft und hat schon viele Preise, unter anderem den »Poetbewegtwettbewerb«, gewonnen und stand im Finale des »Grand Slam of Saxony«. Im Interview mit kreuzer online verriet sie, wie sie zum Poetry Slam kam und warum Literaten und Slammer sich zuweilen skeptisch gegenüber stehen.

Jana Klar, Jahrgang 1986, studierte bis 2008 in Leipzig Übersetzungswissenschaft und hat schon viele Preise, unter anderem den »Poetbewegtwettbewerb«, gewonnen und stand im Finale des »Grand Slam of Saxony«. Im Interview mit kreuzer online verriet sie, wie sie zum Poetry Slam kam und warum Literaten und Slammer sich zuweilen skeptisch gegenüber stehen.

kreuzer online: Bald ist Livelyrix-Sommerfest – ein Höhepunkt für alle Slamfreunde.

JANA KLAR: Ich freue mich wahnsinnig, weil es mein letzter Auftritt mit Livelyrix sein wird, bevor ich in die Schweiz ziehe. Das wird ein großartiges Festival, weil viele tolle Leute eingeladen worden sind, die ein super Programm stemmen werden. Die Distillery wird rocken ohne Ende.

kreuzer online: Wie bist du zum Slam gekommen?

KLAR: Ein Jahr vor meinem Debüt 2009 hab ich das erste Mal von Poetry Slam gehört und gedacht, das wäre was für mich. Es war aber mehr so ein Traum. Im November 2008 hab ich mein Studium abgebrochen und angefangen, zu schreiben. Ich hatte mir vorgenommen, das für ein Jahr auszuprobieren. Die meisten meiner Erfolge verdanke ich dem livelyrix e.V., der mir viele Auftritte organisiert und mich unterstützt hat. Parallel habe ich mich in Bern für den Studiengang »Literarisches Schreiben« beworben – und wurde angenommen.

kreuzer online: Was bedeutet es für dich, Teil der Slamszene zu sein?

KLAR: Slam ist vor allem ein Lebensgefühl, eine Philosophie: Jeder kann auf die Bühne, um seine Texte zu präsentieren. Was ich am Slam toll finde, ist das Reisen von Bühne zu Bühne, die Slammer immer wieder zu treffen. Da geht es nicht unbedingt nur um den Wettbewerb. Wenn nach einem Auftritt drei Leute zu mir kommen und sagen, »Mann Danke, genau das wollte ich jetzt hören«, dann hab ich mein Ziel erreicht. Ich finde den Slam so gut, weil du mit den Leuten 1:1 bist.

kreuzer online: Was erzählst du den Leuten?

KLAR: Alles, was mich tangiert. Ich hab es bisher noch nicht geschafft, einen Text zu schreiben, der völlig unpersönlich ist. Ich kann mich auch nicht hinsetzten und sagen »Ich such mir jetzt ein Thema«. Es muss aus mir herauskommen oder mir begegnen.

kreuzer online: Hast du dich, seitdem du öffentlich auftrittst, prominent gefühlt?

...und in Aktion auf der Bühne: Jana Klar (Fotos: Tanja Gleiser)

KLAR: Nein, eigentlich nicht. Es gab ein paar witzige Begebenheiten, als ich angefangen habe, zu slammen. Meinen ersten Slamtext »Als das Telefon klingelte, erwacht der Panda in mir«, habe ich in Leipzig gelesen. Ein paar Tage später brachte mir die Kellnerin in einem Café einen Latte Macciato und sagte: »Ich hab dir zwei Kekse auf den Teller gelegt, einen für dich und einen für Panda«.

kreuzer online: Warum bevorzugst du den Slam?

KLAR: Bei mir war immer der Gedanke da, die Literatur nicht nur im Slamgenre zu betreiben, sondern die Barriere zwischen der Szene und anderen literarischen Ausdrucksformen zu durchbrechen. Viele Slammer halten die herkömmlichen Autoren, die dem Slam skeptisch gegenüberstehen, für versnobt. Ein Vorurteil vieler Literaturstudenten ist, dass nur Slam-Texte auf Mario Bart-Niveau, die nichts mit Literatur zu tun haben, gewinnen würden. Das stimmt so nicht. Außerdem: wie viele Bestseller-Romane sind denn wirklich literarisch anspruchsvoll? Ich denke, das ist wertungsfrei zu sehen.

kreuzer online: Stehst du zwischen den Stühlen, finden es Leute komisch, dass du dich für Beides interessierst und jetzt Literatur studieren wirst?

KLAR: Ich denke schon, dass es Leute gibt, denen das suspekt ist. Aber die meisten freuen sich für mich. Es bewerben sich unglaublich Viele für diesen Studiengang. Im deutschsprachigen Raum gibt es vier Literaturhochschulen, die nur 15 Studenten pro Jahr annehmen. Dort einen Platz zu bekommen, ist ein Privileg. Was andere darüber denken, ist mir relativ egal. Dem Slam bleib ich trotzdem treu.

kreuzer online: Wie würdest du die Slam-Szene in drei Worten beschreiben?

KLAR: Freiheitsliebende, party-wütige Rampensäue. Wenn das Publikum wüsste, was hinter den Kulissen abgeht … Slam ohne Party hat es noch nicht gegeben.

2.-4.7., Livelyrix-Sommerfest, Distillery
Alle Infos hierzu unter http://www.livelyrix.de

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