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Politik

Grünau nicht sich selbst überlassen

Zur Antirassismus-Woche in Grünau vom 2.-7. August und der Frage, warum diese nicht nur die Grünauer etwas angeht

  Grünau nicht sich selbst überlassen | Zur Antirassismus-Woche in Grünau vom 2.-7. August und der Frage, warum diese nicht nur die Grünauer etwas angeht

Gestern startete die Antirassismus-Woche in der Grünauer »Bunten Platte« mit der Eröffnung der Ausstellung »Strafraum Sachsen« und einer Abendveranstaltung mit Vortrag und Diskussion zu Rassismus, Antisemitismus und Homophobie im Fußball. Mit einer ganzen Reihe weiterer Veranstaltungen wird sich bis zum Wochenende auf verschiedenen Wegen mit dem Thema Rassismus und Neonazis auseinander gesetzt. Am Samstag findet zum vierten Mal der jährliche Bunte-Platte-Cup statt.

Gestern startete die Antirassismus-Woche in der Grünauer »Bunten Platte« mit der Eröffnung der Ausstellung »Strafraum Sachsen« und einer Abendveranstaltung mit Vortrag und Diskussion zu Rassismus, Antisemitismus und Homophobie im Fußball. Mit einer ganzen Reihe weiterer Veranstaltungen wird sich bis zum Wochenende auf verschiedenen Wegen mit dem Thema Rassismus und Neonazis auseinander gesetzt. Am Samstag findet zum vierten Mal der jährliche Bunte-Platte-Cup statt.

Das Angebot der Antirassismus-Woche verspricht dabei unterschiedliche Ansätze und bietet verschiedene Zugänge zum Thema an. Neben dem Problemverhältnis von Diskriminierung und neonazistischer Gewalt beim Fußball, spielen auch Aspekte wie Alltagsrassismus eine Rolle. In einem Workshop am Dienstag steht das Argumentieren gegen rechte Einstellungen im Mittelpunkt. Das Programm macht deutlich, dass Adressaten der Woche vor allem die Grünauerinnen und Grünauer sind, die den Veranstaltern zufolge sensibilisiert werden sollen, »sowohl neonazistische Aktivitäten – ob Propaganda- oder Gewalttaten – als auch Diskriminierung im Alltag wahrzunehmen und aktiv dagegen Stellung zu beziehen.«

Die Ausrichtung der Veranstaltungswoche durch den »Bunte Platte e.V.«, der 2009 den Betrieb des Jugendzentrums übernommen hat, wird unterstützt vom Reudnitzer Projekt Atari, dem Conne Island, dem Roten Stern Leipzig e.V. und dem linXXnet. Dass dies ausschließlich stadtteilfremde Initiativen aus dem Süden und Osten Leipzigs sind, spricht für sich. Es zeigt, dass es in Grünau kein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher Gruppen gibt, die sich hier zusammentun. Das erinnert an typische Verhältnisse in eher provinziellen Regionen, wo jugendliche alternative Szenen verhältnismäßig allein gelassen agieren, und Unterstützung wenn, dann nur von außen bekommen.

Dass diese Unterstützung in Leipzig aus den anderen Stadtteilen kommt, bietet jedoch auch Anlass zur Hoffnung. Denn in der Vergangenheit machte es immer mehr den Eindruck, als würde und müsse Grünau sein eigenes Süppchen kochen und auslöffeln, während der Rest von Leipzig getrost auf andere Problemfelder schielt. Dass in Grünau rechte Aktivitäten zum Alltag gehören, ist schließlich ein alter Hut. So manifestierte sich das Image einer No-Go-Area, die man meidet und mit der sich auch kaum noch auseinander gesetzt wird. Diese Ignoranz hilft jedoch keinem, besonders nicht denjenigen, die sich vor Ort aktiv engagieren wollen. Die aktuelle Antirassismus-Woche mag sich vor allem an die Bewohner des Stadtteils richten. Sie kann und sollte aber auch für alle anderen als Anlass genommen werden, die magische Grenze in den äußersten Westen zu überschreiten und mit der Teilnahme an der ein oder anderen Veranstaltung die kritische Auseinandersetzung zu fördern.

Die Termine im Einzelnen:

Dienstag 3.8. 2010, 16-22 Uhr Vortrag und Workshop zum »Argumentieren gegen rechte Einstellungen« von und mit zwei MitarbeiterInnen des Conne Island Anmeldung erwünscht unter: ajz_bunte_platte@yahoo.de

Mittwoch 4.8.2010 19 Uhr »Nazis im Film – zwei Beiträge gegen Alltagsrassismus und Antisemitismus«

»Die Tragödie der Provinz. Neonazis und Zivilgesellschaft im Vogtland« (Dokumentarfilm von Maik Baumgärtner und Ralf Zimmermann, 2010)

»Russia 88« (Film von Pavel Bardin, Russland, 2009)

Donnerstag 5.8.2010, 19 Uhr »Haare auf Krawall – Jugendsubkultur in Leipzig 1980–1991« Lesung und Diskussion mit der Mitherausgeberin Cornelia Mareth

Freitag 6.8.2010, 19 Uhr »Neonazis in Sachsen 2010 – aktuelle Entwicklungen, Schwerpunkte und Tendenzen« Diskussionsveranstaltung mit Peter Conrady

Samstag, 7.8.2010, ab 10 Uhr 4. Bunte Platte Cup, Infostände, Kinderbespaßung, Musik! Anmeldung von Teams: ajz_bunte-platte@yahoo.de Teilnahmebedingungen und Infos: http://www.fussball.bunte-platte.info

ab 20 Uhr Konzert im AJZ

2. bis 7.8.2010 Ausstellung »Strafraum Sachsen«

Die ganze Woche über wird täglich ab 15 Uhr die Ausstellung der IVF - Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball zu sehen sein. Der Rote Stern Leipzig e.V. ist Mitorganisator dieser Initiative, die Workshops und Vorträge gerade für niederklassige Vereine anbietet, um für das Thema Diskriminierung im Fußball zu sensibilisieren.


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