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Heiliges Land

Ein Reisetagebuch von Inga Dreyer – Teil 2: Ein Besuch in Bethlehem

Unsere Autorin Inga Dreyer hat sich auf den Weg nach Palästina gemacht, um dort für 2 Monate im Goethe-Institut zu arbeiten und zu reisen. Für kreuzer online wird sie während dieser Zeit einige ihrer Erlebnisse schriftlich fixieren und an dieser Stelle veröffentlichen.

Unsere Autorin Inga Dreyer hat sich auf den Weg nach Palästina gemacht, um dort für 2 Monate im Goethe-Institut zu arbeiten und zu reisen. Für kreuzer online wird sie während dieser Zeit einige ihrer Erlebnisse schriftlich fixieren und an dieser Stelle veröffentlichen.

Die Straße führt durch staubige, steinige Landschaft vorbei an Olivenbäumen und israelischen Siedlungen. Israelische Siedlungen unterscheiden sich von den palästinensischen durch die Farbe der Wassertanks. Sie haben weiße, die Palästinenser schwarze. Wir sitzen im Service-Taxi von Ramallah nach Jerusalem. Der Fahrer brettert Berge hoch und runter, überholt in Kurven, fährt dicht auf, hupt. Der Rosenkranz baumelt am Rückspiegel, der Kaffee, den mir ein kleiner Junge am Busbahnhof verkauft hat, schwappt über. Wir wischen uns die braune Brühe von den Hosen, schimpfen ein bisschen. Irgendwo hier sind Maria und Josef langgelatscht. Was ist besser: Ein blökender Esel oder ein gelber, hupender Kleinbus? Gerade wäre mir ein Esel lieber.

Bekommen Kerzen und stellen sich im Kreis auf: Touristen beim Gottesdienst

In Bethlehem angekommen, müssen wir pinkeln. Vom Kaffee und der Schaukelei. Dann das christliche Touri-Programm. Erste Station: Milchgrotte. Hier hat Maria wohl einen Tropfen Muttermilch verloren. Vor dem Marienbild kniet eine weinende Frau, Kinder kommen und drücken ihre Lippen an das Bild. Eine Touristengruppe betet laut. Die Grotte ist weiß und hell. Man sollte vielmehr Kirchen, Wohnungen und Bars in solche Grotten bauen, finde ich. Durch eine Gasse mit Häusern aus hellem Stein geht es zur Geburtskirche. Im Slalom um die Verkäufer, die einem aggressiv-gelangweilt Coladosen ins Gesicht strecken. In der engen Straße reihen sich Läden mit Holzschnitzereien. Jesusbabies liegen der Größe nach geordnet in den Schaufenstern rum, dort hängen auch Rosenkränze in jeder Farbe und Gestalt.

Heilige Maria in der Geburtskirche Jesu Christi

Wir betrachten die Krippen und Holzschnitzereien. Wäre da nicht die sengende Hitze – es sähe aus wie im Erzgebirge. Wir laufen zur Geburtskirche. Statt eines Stalls finden wir eine Grotte. Statt Schafen und Hirten einen Haufen Italiener. Die Kirche ist groß und duster und sieht ein bisschen aus wie ein vollgestopfter Antiquitätenladen. »Morbider Charme« nennt mein Reiseführer das. Vor dem Eingang zur Grotte steigen sich die Gläubigen gegenseitig auf die Füße. Ein Türsteher steht davor und lässt immer ein paar Leute in den kleinen, mit glitzernden Stoffen behängten Eingang. Ein Reiseführer kennt den Türsteher des Clubs und lässt zwei Italiener vor. Wir schmollen. Dann ist Einlassstopp. Wir schmollen noch mehr.

Hier passt nie und nimmer ein Ochse rein: Geburtsstätte Jesu Christi

In der Grotte beginnt eine Messe. Mönche kommen und singen, wedeln Weihrauch herum. Die Touristen bekommen Kerzen und stellen sich im Kreis auf. Viele singen mit. Ich bin froh, nicht in der engen Kerzenweihrauchmasse zu stehen. Dann werden wir reingelassen in den kleinen Raum, in dem das Jesusbaby wahrscheinlich erstmal noch kein Licht der Welt entdeckte. In diesem Moment verliere ich den Glauben an meinen Religionsunterricht. Hier passt nie und nimmer ein Ochse rein, geschweige denn ein Esel. Die Luft ist zum Scheiden. Der Weihrauch steigt in den Kopf. Wir gehen.

Das nächste Mal geht es um Ramadan und die Suche nach etwas Essbarem.

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