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Vom Grünen ins Graue

Der Festival-Überblick im September: Großstadtfeierei mit Hamburg und Berlin

Der September ist in Deutschland beim bes­ten Willen kein klassischer Festival-Monat: Zu nass, zu kalt und zu dunkel präsentiert sich der Herbst allzu oft in diesem Monat. Ein Risikofaktor, der vor den typischen Festivals mit Bühne auf irgendeinem Acker zurückschrecken lässt. Ein aktueller Trend scheint dieses Problem zu lösen: Das Großstadt-Festival.

Der September ist in Deutschland beim bes­ten Willen kein klassischer Festival-Monat: Zu nass, zu kalt und zu dunkel präsentiert sich der Herbst allzu oft in diesem Monat. Ein Risikofaktor, der vor den typischen Festivals mit Bühne auf irgendeinem Acker zurückschrecken lässt. Ein aktueller Trend scheint dieses Problem zu lösen: Das Großstadt-Festival.

Berlin Festival und Reeperbahnfestival heißen die deutschen Trendsetter, die explizit das Sónar aus Barcelona als Vorbild nehmen. In der katalanischen Metropole wird schon seit 1994 erfolgreich mitten in der Stadt gefeiert. Die Zuschauer kommen in Scharen und durch die integrierte Musikmesse lockt das Sónar viel Fachpublikum. Der Erfolg hat eine enorme Ausstrahlungskraft, auch auf Deutschland: 2006 debütierte das Reeperbahnfestival, das Berlin Festival 2005. In wenigen Jahren erarbeiteten sich beide einen beachtlichen Ruf. Mit dem ehemaligen Flughafen Tempelhof verfügt Berlin über ein großes, zentral gelegenes Festivalgelände mit mehreren Bühnen. Bis dahin war es allerdings ein weiter Weg, die ersten Jahre wurde fast 50 Kilometer außerhalb der Hauptstadt gefeiert, zur Strafe kamen im Schnitt nur 300 Zuschauer. 2007 zog man nach Berlin-Mitte, doch den entscheidenden Schritt gingen die Veranstalter im letzten Jahr: 2009 holten sie die Booker vom Melt! mit ins Boot und zogen nach Tempelhof um.

Der Umzug garantierte ein außergewöhnliches Flair, zumindest für die Augen, für die Ohren stellten die Blech-Hangars die Soundtechniker 2009 vor arge Schwierigkeiten. Die sollen inzwischen überwunden sein, man konnte sich langfristig auf die Beschallung einstellen, außerdem wird die Hauptbühne in diesem Jahr unter freiem Himmel aufgebaut. Beim Line-up macht sich das Melt!-Team bemerkbar: Robyn, Hot Chip, LCD Soundsystem oder Editors arbeiten nicht zum ersten Mal mit den Bookern zusammen. Weitere Headliner wie Fatboy Slim und Caribou würden auch in Barcelona für Aufruhr sorgen. Die dieses Jahr erstmals stattfindende Kooperation mit der Musikmesse Popkomm vervollständigt das Bild des deutschen Sónars.

In St. Pauli geht es den Veranstaltern dagegen in erster Linie um das Kiez-Gefühl. 26 Clubs im Umkreis der Reeperbahn dienen als Konzert­räume, es gibt kein konzentriertes Gelände. Musikalisch bietet auch das Reeperbahnfestival viel: Marit Larsen, Fehlfarben, FM Belfast und James Yuill sind nur vier von fast 200 Acts. Neben dem musikalischen Programm gibt es auch hier einen Branchentreff für die Musik- und Kreativwirtschaft und diverse Kunstveranstaltungen. Schließlich bezeichnet man sich hier als »Germany’s most creative neighbourhood«. Und das könnte wirklich der große Vorteil von Innenstadtfestivals sein: Barcelonas Innenstadt, der Flughafen Tempelhof und die Reeperbahn sind Orte der Kreativität. Von welchem traditionellen Festival-Acker lässt sich so etwas schon behaupten? Ayke Süthoff

Weitere Festival-Tipps für den September:

Indie Pop Days Festival
3.-5.9., Berlin
Allo, Darlin‘, Labrador, Lucky Soul, Ray Rumours, The Embassy, u.a.

Fokus-Festival
11.9., Görlitz
Jahcoozi, Krause Duo, Monkey Maffia, Petula, Cool Kids Of Death, u.a.

Cocoon’s Green & Blue
12.9., Langener Waldsee
Joris Voorn, Steve Bug, Ricarco Villalobos, Kollektiv Turmstraße, Sven Väth, u.a.

Akkordeon Akut – Internationales Akkordeonfestival
16.-19.9., Halle/Saale
Richard Galliano, Riccardo Tesi, Duo Kalina, Theresa Loibl, u.a.

10.-11.9., Berlin Festival, http://www.berlinfestival.de, mit Hot Chip, Editors, Robyn, LCD Soundsystem, Fatboy Slim, Boys Noize, Adam Green u.a.
23.-25.9., Reeperbahn-Festival, http://www.reeperbahnfestival.com, mit Fehlfarben, Jochen Distelmeyer, Junip, Johnossi, Superpunk, Gisbert zu Knyphausen u.a.
Musik | aus dem kreuzer-Heft 09.10

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