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Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein

Comiczeichner Mathieus lässt den Allmächtigen hinab ins menschliche Jammertal steigen

An dieser Stelle präsentieren wir jeden Monat das Buch des Monats. Zu finden ist dieses dann bei Lehmanns in der Grimmaischen Straße 10, in einem exklusiven und eigens für den kreuzer eingerichteten Regal im Eingangsbereich.

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Was für ein Gottesbeweis! – Wie würde die Menschheit reagieren, wenn der Schöpfer höchstpersönlich zu ihr käme? Würde sie den Herr herzlich empfangen, ignorieren oder ihm lästern? Welches Gottesurteil würde den Himmelsvater ereilen? Das sind die leitenden Fragen, an denen sich die außergewöhnliche Graphic Novel gewitzt abarbeitet.

»Gott ist die Einsamkeit des Menschen.« – Zunächst sind die Wissenschaftler erstaunt wie beglückt über das allwissende Genie, das flugs ein Grundlagenproblem der Teilchenphysik löst. Beim Bad in der Menge erobert der neue Popstar die Herzen im Sturm. Plötzlich trägt die ganze Welt einen Heiligenschein: »Wir sind GOTT!« Dann aber wird der Herrgott Normalität, die Welt bleibt unverändert mehr oder eben weniger lebenswert: Wie viel Verantwortung trägt der Allmächtige? Ist er nicht die Ursache für alle Übel? Und überhaupt, warum muss der Herr eigentlich ein Mann sein?

Mit Esprit bewegt sich die Geschichte durch alle Disziplinen, wirbelt Ontologie und Theodizee durcheinander und konterkariert zahlreiche Gottesbeweise. Da hagelt es Schmerzensgeldforderungen von Lebensmüden und der Schöpfer benötigt PR-Berater, bis schließlich Anklage und Verteidigung um dessen Exis­tenz ringen. Eine seltsame Ökumene versammelt Autor und Zeichner Mathieu mit feinem Strich in ruhigen, oft fast statischen Bildern. Wie in Momentaufnahmen zeigt er, was passieren kann, wenn Gott zum Idol wird. Wunderbar poetisch verpackt werden die Dilemmata um den letzten Grund des Seins in diesem agnostischen Bildessay umspielt. So gedeiht der Comic zur göttlichen Komödie. Fürwahr: Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein.

Marc-Antoine Mathieu: Gott höchstselbst. Berlin: Reprodukt 2010. 125 S., 20,00 €
Literatur | aus dem kreuzer-Heft 09.10

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