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Auf den Spuren der Einheit

Vier mephisto 97.6-Reporter wandern auf dem Weg des vereinten Deutschlands.

Die Deutsche Einheit. Auch heute noch kursieren mehr Fragen als Antworten zu diesem Thema – und das, obwohl das Ganze mittlerweile 20 Jahre her ist. Vier Leipziger Studenten machten sich für das Uniradio mephisto auf den Weg, um nach Antworten zu suchen und wandern seit dem 1. September den Wanderweg der Deutschen Einheit, der sich zwischen Aachen und Görlitz auf 1080 Kilometern Länge erstreckt.

Die Deutsche Einheit. Auch heute noch kursieren mehr Fragen als Antworten zu diesem Thema – und das, obwohl das Ganze mittlerweile 20 Jahre her ist. Vier Leipziger Studenten machten sich für das Uniradio mephisto auf den Weg, um nach Antworten zu suchen und wandern seit dem 1. September den Wanderweg der Deutschen Einheit, der sich zwischen Aachen und Görlitz auf 1080 Kilometern Länge erstreckt.

Mit Mikrofon und Kamera halten die jungen Radiomacher fest, wie die Menschen die Zeit vor und nach der Wende erlebt haben. Im Bergischen Land treffen sie in einer Gastwirtschaft Frank Tauscher (44). Gebürtiger Nordrhein-Westfale ist Tauscher jedoch nicht. Bei Bratkartoffeln und einem Bier erzählte er ihnen von seiner Ausreise aus der DDR. In Bezug auf sein Heimatland erinnert er sich vor allem daran, dass man »mit allem, was man täglich brauchte, nur Stress hatte«. Seine Eltern waren Gastwirte in der DDR und kämpften als Selbstständige mit der staatlichen Reglementierung. In der Mangelwirtschaft habe Geld nun mal nichts genützt, erklärt der sympathische Wirt. Die Besuche der Großeltern aus dem Westen seien wie ein Fenster in eine andere Welt gewesen: »Wir waren die ersten, die einen Videorekorder hatten. Der Rest im Ort wusste nicht einmal, dass es so was gibt!«

1988 beschlossen Tauschers Eltern, aus der DDR zu fliehen. Die Familie plante alles bis ins kleinste Detail. Die Eltern schrieben Vollmachten für ihre Konten und Kaufverträge für die Autos auf den Namen ihres Sohnes, damit die Staatssicherheit weder ihr Vermögen noch ihr Eigentum konfiszieren konnte. Die Flucht gelang und keine zwei Monate später stellte Tauscher selbst einen Antrag auf Familienzusammenführung. Ein Jahr später, wenige Monate vor dem Fall der Mauer, durfte er mit seiner Frau das Land verlassen.

Den Moment, in dem Frank Tauscher die Grenze überquerte, wird er nie vergessen: »Ich könnte jetzt noch heulen!« Der Grenzbeamte auf der Westseite habe ihm und seiner Frau noch alles Gute für ihr weiteres Leben gewünscht, dann war er im ersehnten Westen angekommen. Im Rückblick ist es für den Gastwirt selbstverständlich, dass die Wiedervereinigung kommen musste: »Es kann nicht gut gehen, wenn ein Volk, das zusammengehört, durch eine Mauer getrennt ist.«

Jung und alt auf den Spuren der Einheit: Gesprächsrunde in Bad Elster

In Bad Elster hingegen trafen die mephistos ehemalige Mitglieder einer Bürgerinitiative, die sich für Veränderungen in der DDR einsetzte. In dem Kurort wurden vor der Wende Luxus-Sanatorien für die Armee, das Zentralkomitee der SED oder die Staatssicherheit gebaut. »Da waren die Leute im Ort jedes Mal richtig sauer, weil dort auf einmal Fliesen und Armaturen verbaut wurden, von denen unsereins nur träumen konnte«, erinnert sich Heinrich Drechsler, der sich damals engagierte. Die Unzufriedenheit im Ort habe sich laut Drechsler Ende der Achtziger immer weiter hochgeschaukelt. Aus der Stadt wären so viele Menschen über Tschechien aus der DDR geflohen, dass die SED den Kurort für 14 Tage sperren ließ. Doch Heinreich Drechsler blieb. »Es gab damals solche Plaketten mit dem Aufdruck ‚Wir bleiben hier’«. Mit Diskussionsrunden sollten die Missstände in ihrem Land angestoßen werden, man wollte eine andere DDR. An eine Wiedervereinigung wagten wir nicht zu denken.

Doch die Mauer fiel und Bürgermeister Christoph Flämig wurde plötzlich mit ganz anderen Problemen konfrontiert. Es galt, undurchsichtige Investoren abzuwehren und abenteuerliche Bauvorhaben im Kurort zu verhindern. Aber Flämig berichtet auch, dass sich die Einwohner von Bad Elster Anfang der Neunziger erfolgreich gegen den neuen Landrat aus Bayern gewehrt haben, der das historische Albertbad verkaufen wollte. »Als er zur Unterzeichnung des Kaufvertrages zum Direktor des Bades kam, haben die Mitarbeiter den Landrat nicht wieder aus dem Gebäude gelassen.« So blieb das Kurhaus erhalten.

{bild} Noch einige Kilometer und etliche weitere Geschichten liegen vor den beiden Wanderteams, bis sie sich am Tag der Deutschen Einheit am Turm der Einheit bei Heldra wieder treffen. Bis dahin berichten sie im laufenden Programm von mephisto97.6 von ihren Erlebnissen und auf ihrem Blog einheitswandern.de.

Team West: Katja Schmidt (23) und Sebastian Rumberg (24), beide in der ehemaligen DDR geboren. Sie begannen die Wanderung in Aachen.
Team Ost: Hannah Kappes (22) und Jan Schilling (34) sind im Westen Deutschlands groß geworden. Sie haben sich von Görlitz aus auf den Weg gemacht.

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