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»In diesem Jahr muss die Ernte ausfallen«

Ökolöwe Tobias Rieprecht über Streuobstwiesen, Apfelernte und Umweltbildung

Wo früher eine Brache war, gedeiht heute mitten in Leutzsch eine Streuobstwiese. Zwischen Wohnblöcken und Kleingartenanlage liegt ein Biotop mit hohem Gras, Fröschen und über 30 verschiedenen Apfelsorten. Tobias Rieprecht betreut das Projekt für den Umweltschutzverein Ökolöwe und legt auch mal selbst Hand an die Sense, wenn es an die Wiesenmahd geht.

Wo früher eine Brache war, gedeiht heute mitten in Leutzsch eine Streuobstwiese. Zwischen Wohnblöcken und Kleingartenanlage liegt ein Biotop mit hohem Gras, Fröschen und über 30 verschiedenen Apfelsorten. Tobias Rieprecht betreut das Projekt für den Umweltschutzverein Ökolöwe und legt auch mal selbst Hand an die Sense, wenn es an die Wiesenmahd geht.

kreuzer: Der Ökolöwe unterhält zwei Streuobstwiesen, eine kleine in Leutzsch und eine große in Pönitz bei Taucha. Was machen Sie mit dem ganzen Obst?

RIEPRECHT: Auf der großen Wiese in Pönitz stehen knapp 500 große Apfel-, Kirsch-. Pflaumen- und Mirabellenbäume. Im letzten Jahr hatten wir dort eine Ernte von 8,5 Tonnen Äpfeln, daraus konnten dann ungefähr 6000 Flaschen Apfelsaft gemacht werden. Unsere vielen Erntehelfer bekamen anschließend den Saft, für den sie selbst die Früchte geerntet hatten.

kreuzer: Die neue Erntezeit steht an. Erwarten Sie wieder so viele Äpfel?

RIEPRECHT: In diesem Jahr sieht es leider allgemein sehr schlecht aus mit den Äpfeln. Das Wetter war Anfang des Jahres zu nass, so dass die Ernte ausfallen muss. Das ist ein großes Problem für uns, weil wir von dem Erlös normalerweise das gesamte Naturschutzprojekt finanzieren, zum Beispiel Nistkästen und neue Bäume.

kreuzer: Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie mitten in der Stadt eine Streuobstwiese angelegt haben?

TOBIAS RIEPRECHT: Es ist Aufgabe unseres Vereins, Natur und Umwelt zu erhalten. Die Streuobstwiese ist ein Biotop, das besonders vielen Tieren und Pflanzen Lebensraum bietet. Das Gelände hier war bis März letzten Jahres eine zugemüllte Brachfläche. Wir haben dann aufgeräumt, die Wiese gemäht und 30 neue Bäume gepflanzt, so dass hier mittlerweile über 30 verschiedene Apfelsorten stehen. Bis wir hier Äpfel ernten können, kann es jedoch noch acht bis zehn Jahre dauern. Für die Pflege, also Wiesenmahd und Baumverschneiden, sind wir immer auf der Suche nach Freiwilligen. Denn wir pflegen die Streuobstwiese nicht für uns, sondern unser Ziel ist Umweltbildung. Wir wollen den Menschen in Leipzig vermitteln, dass diese Wiesen auch für sie einen Wert haben und dass sie damit Natur vor der eigenen Haustür erhalten.

kreuzer: Wie reagierten denn die Anwohner auf die Streuobstwiese?

RIEPRECHT: Die Leute waren anfangs unsicher, was hier eigentlich passieren soll. Mittlerweile hat es sich aber ganz gut entwickelt, weil wir hier nicht bauen wollen und die Wiese pflegen, auch wenn einige nicht verstehen, dass die Wiese zur Förderung der Artenvielfalt nur zweimal im Jahr gemäht wird.

kreuzer: Artenvielfalt ist das Stichwort: Was für Tiere leben auf der Leutzscher Wiese?

RIEPRECHT: Ich habe vorhin einen Frosch gesehen. Ansonsten gibt es hier viele Insekten – von Schmetterlingen, Faltern bis hin zu zahlreichen Käfern. Die Wiese ist durch die offene Struktur mit den Bäumen und dem hohen Gras auch ein guter Brutplatz für Vögel. Schon bald werden Meisen, Zaunkönige, Gartenrotschwänzw und andere bedrohte Arten sich hier wohl fühlen.


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