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»Ein Quartier erwacht!«

Das Stadtteilkulturfestival Ostlichter vereint Popmusik und Seniorencafé

Im Schlagwortverzeichnis für Fernsehredakteure wird der Leipziger Osten wohl auch die nächsten zwanzig Jahre unter »Armut«, »Kriminalität« und »Migrationsprobleme« zu finden sein. Die Schwierigkeiten im Viertel sind nicht zu leugnen, aber die ständige Stereotypisierung verpasst dem Quartier ein Stigma, das seine unkonventionelle Schönheit und Lebendigkeit überschattet. Noch bis zum 24. Oktober zeigt „Ostlichter“ die Vielfalt des Leipziger Ostens – mit Konzerten, Filmen und Ausstellungen an verschiedenen Orten.

Im Schlagwortverzeichnis für Fernsehredakteure wird der Leipziger Osten wohl auch die nächsten zwanzig Jahre unter »Armut«, »Kriminalität« und »Migrationsprobleme« zu finden sein. Selbst ein Gerd Scobel tappte neulich in die Klischeefalle, als der Moderator in einer 3sat-Sendung den Leipziger Osten als Paradebeispiel für Deutschlands Armut herauf­beschwor. Die Probleme im Viertel sind nicht zu leugnen, aber die ständige Stereotypisierung verpasst dem Quartier ein Stigma, das seine unkonventionelle Schönheit und Lebendigkeit überschattet.

In seinen Fotoarbeiten hat der studierte Landschaftsgestalter und Stadtplaner Christian Langer hierfür ein besonderes Auge entwickelt. »Left places« nennt er die maroden, verlasse­nen Gebäude, die für ihn den Charme dieser Gegend ausmachen. Auf einem seiner Fotos ist eine morbide Geisterstadt zu sehen, hinter deren Häuserzeilen die grelle Sonne aufgeht, während ein Plakat der LWB mit dem prophetischen Slogan wirbt: »Ein Quartier erwacht! Sind Sie dabei?«
Das Quartier ist längst erwacht, anders aber, als es sich jene Stadtplaner wünschen, die alles neu, hübsch und geordnet machen wollen.

Das beweist das zehnte Stadtteilkulturfestival Ostlichter, in dessen Rahmen auch Street-Art-Fotos von Christian Langer zu sehen sind, und zwar in der Galerie Stephan Lübke intermediaire. Ostlichter ist eine kunterbunte, überwiegend kostenlose Veranstaltungsreihe, die bis zum 24. Oktober Jazzkonzert und Familienfest genauso unter einen Hut bringt wie IG-Pop-­Aktion und Seniorencafé.

Und das hat seinen guten Grund: »Uns geht es um die Vielfalt«, sagt Karin Hörning von der Begegnungsstätte Mühlstraße, die gemeinsam mit dem Kulturamt die Ostlichter organisiert und dabei zahlreiche Kultureinrichtungen und Bürgerinitiativen vereint. »Genauso wichtig wie die kleinen, feinen Kulturveranstaltungen sind breite Angebote wie das Volkmarsdorfer Stadtteilfest, weil es die Leute aus dem Viertel zusammenbringt. Eigentlich braucht es hier so was jeden Monat«, sagt Hörning, die genau weiß, dass man die Probleme des Leipziger Ostens nur durch großes Engagement in den Griff bekommt. An seinem überregionalen Image dürfte das zunächst nichts ändern.

Infos unter: http://www.leipzig.de/de/buerger/kultur/stadtteil/ostlicht
aus dem kreuzer-Heft 10.10

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