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»Diese Typen sprechen mir aus tiefster Seele«

Altstar Nick Cave und sein Kollege Warren Ellis über Visionen, Songwriting und Chaos

Mit seiner Band The Bad Seeds ist Nick Cave seit Jahren in den Fahrwassern des gepflegten und anspruchsvollen Songwriting unterwegs. In seinem Projekt Grinderman hingegen experimentierte er mit Noise-Strukturen und wildem, ungezügeltem Rock. Nun ist der Nachfolger »Grinderman 2« erschienen, Cave stellte die neuen Songs am Mittwoch im Haus Auensee vor.

Mit seiner Band The Bad Seeds ist Nick Cave seit Jahren in den Fahrwassern des gepflegten und anspruchsvollen Songwriting unterwegs. In seinem Projekt Grinderman hingegen experimentierte er mit Noise-Strukturen und wildem, ungezügeltem Rock. Nun ist der Nachfolger »Grinderman 2« erschienen, Cave stellt die neuen Songs am Mittwoch im Haus Auensee vor.



kreuzer: Ich habe bei »G2« das Gefühl, dass Sie ein wenig im Geiste zum Bad Seeds-Album »Murder Ballads« zurückkehren. Sie singen viel über menschliche Monster.

NICK CAVE: Das mache ich doch immer.

WARREN ELLIS: Ja, tust du, aber ich glaube, diesmal liegt es in den Charakteren.

CAVE: Ach so, na ja. Ich habe das Gefühl, diese Typen sprechen mir aus der tiefsten Seele: diese Visionen, die aus dem Unterbewussten hervorquellen und rauswollen. Es ist diesmal nur anders, weil es aus einem anderen Teil von mir kommt. Es ist spontaner und intuitiver.

ELLIS: Nicht intuitiv – instinktiv. Nick kommt nicht vorbereitet ins Studio. Die Songs entstehen in dem Moment im Studio. Alles passiert gleichzeitig. Nick hat eine Idee, stellt sie vor und wir anderen fahren voll drauf ab. Dann spielt einer was dazu, und Nick geht drauf ab.

kreuzer: Bei den Bad Seeds ist das also viel geplanter?

CAVE: Ein wenig schon. Bei Grinderman passiert alles im Studio – quasi intern. Bei den Seeds ist das eher externalisiert. Da sitze ich lange Zeit zu Hause, bereite die Songs vor und komme mit bestimmten Ideen und Konzepten ins Studio. Das eigentliche Songwriting aber passiert schon lange vorher in meinem Kopf.

ELLIS: Aus deiner Perspektive ist da ein Unterschied. Aber keiner von uns kennt ja die Songs, wenn du ins Studio kommst. Für uns ist das trotzdem spontan. Das ist meiner Meinung nach der Grund, warum die Bad Seeds-Songs dennoch dieses Gefühl von Dringlichkeit zum Ausdruck bringen. Weil wir spontan reagieren können.

kreuzer: Aber selbst innerhalb dieses sehr spontanen Konzeptes wirkt »G2« deutlich zielstrebiger und klarer auf ein Ziel ausgerichtet. Wie kommt das?

ELLIS: Das ist unausweichlich, schließlich ist es unser zweites Album.

CAVE: Wir mussten nicht mehr über Ziele diskutieren, es ist als Konzept klar vorhanden, wenn es das ist, was Sie damit meinen. Aber es ist definitiv ein noch wilderes und chaotische­res Album. Es ist viel dichter gepackt, und das in jeder Hinsicht, musikalisch und textlich.

ELLIS: Stimmt, es fühlt sich an wie der Schritt über den Rand der Klippen. Teilweise weiß ich nicht mal mehr, wo wir damit eigentlich hinwollten und wo wir tatsächlich gelandet sind.

am 13.10., Haus Auensee, http://www.grinderman.com
aus dem kreuzer-Heft 10.10

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