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»Wir müssen am Zeitgeist lauschen«

Das Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig wird 20 Jahre alt und feiert im Centraltheater und der Skala

Der große Sohn der Stadt bleibt ausgeladen. »Kein Bach« – so prangt es auf den in der Stadt verteilten Plakaten des Forums Zeitgenössischer Musik Leipzig (FZML), das diesen Monat seinen 20. Geburtstag feiert. Drei Tage lang laden Thomas Christoph Heyde und Alexander Dreyhaupt zum Jubiläumsfestival, einem „Best Of“ aus 20 Jahren FZML. Vom 14. bis 16. Oktober.

Der große Sohn der Stadt bleibt ausgeladen. »Kein Bach« – so prangt es auf den in der Stadt verteilten Plakaten des Forums Zeitgenössischer Musik Leipzig (FZML), das vom 14. bis 16. Oktober seinen 20. Geburtstag feiert. »Es gibt neben Bach einfach noch so viele andere Komponisten unserer Zeit, die wir genauso wichtig finden«, sagt Thomas Christoph Heyde, der künstlerische Leiter des FZML. Diese zeitgenössischen Komponisten aufzuführen und zu beweisen, dass auch Neue Musik ein Publikum begeistern kann, das ist sein erklärtes Ziel – und das seit 20 Jahren.

Nachdem der Fortbestand des Zentrums zu Jahresbeginn wegen der drohenden Streichung von Fördermitteln gefährdet war, hat das FZML nun eine institutionelle Förderung durch die Stadt Leipzig erwirken können. Die dient jedoch zunächst nur dazu, die Infrastruktur des FZML zu erhalten. Um künstlerische Inhalte umzusetzen, ist Heyde auf zusätzliche Geldgeber angewiesen. Leider, sagt der Forums-Kopf, hätten aber die Kontroversen um das Bordell-Konzert, das vom FZML im vergangenen Dezember veranstaltet wurde, zu Sanktionen durch die Landespolitik
geführt.

Der Vorwurf, den unter anderem BILD und die sächsische NPD-Landtagsfraktion erhoben hatten, lautete: Steuergeldverschwendung für Vulgäres. »Wir stehen unter Beobachtung«, sagt Heyde und leitet daraus die Begründung ab, warum das für November geplante Fortsetzungsfestival Krieg.Macht.Musik nicht zustande kommt: Die Landesmittel dafür wurden gestrichen.

Trotzdem erhellen sich die Gesichter von Heyde und seinem Mitstreiter Alexander Dreyhaupt, als sie über das Jubiläumsprogramm sprechen. Die Geburtstagsveranstaltung bezeichnen sie als »Best of«, als eine persönliche Zusammenfassung der Bandbreite dessen, was Neue Musik sein kann und wofür das FZML einsteht. »Klassiker« wie Steve Reich und Luciano Berio mit Stücken aus den Sechzigern werden während des dreitägigen Jubiläumsfestivals im Centraltheater ebenso zu hören sein wie die jüngeren Komponisten Mela Meierhans und Peter Köszeghy. Musikalische Grenzgänge versprechen nicht zuletzt die Bolschewistische Kur­kapelle Schwarz-Rot mit ihrem Agitprop-Bigband-Sound, FM Nation sowie Kid606, der schon früh mit Karl-Heinz-Stockhausen-Anleihen und HipHop experimentierte.

Für November hat das FZML eine neue Konzertreihe geplant, in der insbesondere junge Künstler gefördert werden sollen. Heyde: »Auch Bach war damals ein zeitgenössischer Komponist. Wir müssen am Zeitgeist lauschen.«

Infos unter: http://www.fzml.de
aus dem kreuzer-Heft 10.10

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