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Die Antifa legt los

Eine Kundgebung gegen Rassismus in Leipzig geriet zur lautstarken Medienschelte

Am Donnerstagabend demonstrierten in Leipzig etwa 1000 Menschen gegen Rassismus, Anlass war die Ermordung des Leipzigers Kamal K. vor knapp zwei Wochen. Um ihrer »Wut und Trauer« – so die Veranstalter vom Initiativkreis Antirassismus – Ausdruck zu verleihen, zogen sie von der Karl-Liebknecht-Straße aus durch die Innenstadt zum Ort des Verbrechens. Im Verlauf der Demo wurde die Leipziger Volkszeitung von den überwiegend linken Demonstranten für ihre vermeintlich „undifferenzierte Berichterstattung“ an den Pranger gestellt.

Vorsichtshalber blockierten gleich drei Angestellte einer international agierenden Bulettenbude die Tür ihrer Dependance in der Leipziger Fußgängerzone, als am Donnerstagabend etwa 1000 Menschen laut skandierend an ihr vorbeizogen. »Kamal K. das war Mord – Widerstand an jedem Ort«, riefen die Demonstranten draußen auf der Petersstraße. Damit taten sie ihre Sicht auf die Umstände der Tötung des Leipzigers Kamal K. kund, der knapp zwei Wochen zuvor unweit des Hauptbahnhofes erstochen wurde. Um ihrer »Wut und Trauer« – so die Veranstalter vom Initiativkreis Antirassismus – Ausdruck zu verleihen, zogen sie die Karl-Liebknecht-Straße hinunter und durch die Innenstadt zum Ort des Verbrechens.

Polizei und Staatsanwaltschaft konnten bislang ein eindeutiges Motiv für die Tat nicht feststellen. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demonstration jedoch war klar: es handelt sich bei dem Delikt um einen Mord, eindeutig verübt von Rassisten.

Diese Schlussfolgerung liegt nahe. Mindestens einer der beiden Tatverdächtigen war Mitglied einer rechtsextremen Kameradschaft. Zudem veröffentlichte die Bild-Zeitung das Foto eines Beschuldigten, auf dem er sein Gesicht mithilfe eines Pullovers mit der Aufschrift »Kick Off Antifascism« verdeckt. Korrekt übersetzt bedeutet dies zwar soviel wie »Leg los Antifaschismus«, trotzdem ist dieser Slogan bei Neonazis als Kampfansage gegen Antifaschisten beliebt.

Letztere nahmen in Redebeiträgen besonders die Rolle der Leipziger Volkszeitung aufs Korn. »LVZ, Rassistenpack – wir haben euch zum Kotzen satt«, riefen die Demonstranten während eines Zwischenstopps vor dem Verlagsgebäude der LVZ. Durch Verharmlosung rechter Gewalt und gleichzeitige Skandalisierung sogenannter Ausländerkriminalität schaffe die Zeitung ein Klima, in dem der Mord an einem Ausländer bei der Leserschaft nur Schulterzucken und hämische Kommentare hervorriefen, argumentierte einer der Redner. Die Demonstration blieb friedlich und löste sich etwa 20 Uhr ohne Zwischenfälle auf.

Zum Hintergrund: Kamal K. kam vor 15 Jahren mit seiner Familie aus dem Irak nach Deutschland. Am frühen Morgen des 24. Oktober wurde der 19-Jährige in der Nähe des Leipziger Hauptbahnhofs von zwei jungen Männern angegriffen und mit einem Messerstich lebensgefährlich verletzt. Er verstarb wenig später im Krankenhaus, die beiden mutmaßlichen Täter, der 28-Jährige Leipziger Daniel K. und der 32-Jährige Erfurter Markus E., sitzen seitdem in Untersuchungshaft und schweigen zu den genauen Umständen ihrer Tat. Bislang haben weder Staatsanwaltschaft noch die Leipziger Polizei ein rassistisches Motiv der Beiden bestätigen können. Einige Indizien sprechen allerdings für eine rechtsradikale Gesinnung der Täter.


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