Startseite / Kultur / Der Therapeut und sein Multi-Instrumentalist

Der Therapeut und sein Multi-Instrumentalist

Scott Matthew und Spencer Cobrin mit “Elva Snow” in der Schaubühne Lindenfels

„Elva Snow“ sind ergreifend, herzzerreißend, aufwühlend, dramatisch – und irgendwie auch wunderbar heilend. Selbstzweifel, Zorn, Einsamkeit, Wut, Hilflosigkeit – in diesem Duo steckt einfach alles drin. „Elva Snow“ werden greifbarer, wenn man die beiden Köpfe dahinter nennt: der eine heißt Spencer Cobrin und war lange der Schlagzeuger von Morrissey. Der andere heißt Scott Matthew und gilt seit dem Film „Shortbus“ als Therapeut im Singer-Songwriter-Gewand. Heute starten die beiden Musiker in Dresden ihre Deutschland-Tour und am kommenden Samstag sind sie zu Gast in der Schaubühne Lindenfels.

„Elva Snow“ sind ergreifend, herzzerreißend, aufwühlend, dramatisch – und irgendwie auch wunderbar heilend. Selbstzweifel, Zorn, Einsamkeit, Wut, Hilflosigkeit – da steckt einfach alles drin. Die Platte von „Elva Snow“ ist keine, die man nur zur Ablenkung hört. Die tut schon weh. Aber: man fühlt sich auch ein bisschen verstanden, wenn man mal wieder so einen Tag hat, wo es tief drinnen rumort.

„Elva Snow“ werden greifbarer, wenn man die beiden Köpfe dahinter nennt: der eine heißt Spencer Cobrin und war lange der Schlagzeuger von Morrissey. Der andere heißt Scott Matthew und gilt seit dem Film „Shortbus“ als Therapeut im Singer-Songwriter-Gewand. Spencer, seit 1991 bei Morrissey, war dort ziemlich wichtig geworden, er schrieb an einigen Songs mit (mit „Lost“ und „Wide to Receive“ sogar zwei der besten Stücke) und prägte den Stil der Band: neben dem Dickkopf Morrissey musste das krachen. Scott Matthew währenddessen hatte das Leben von Australien nach New York gespült.

Und hier beginnt das Klischee: Scott arbeitete nebenher in einem Café, Spencer kam dort immer mal rein, man lernte sich über eine Freundin kennen, Spencer gab Scott ein Tape, Scott schrieb Texte zu den Songs, man verstand sich – und „Elva Snow“ kam auf die Welt. Wie im Film. 2002 veröffentlichten sie eine EP, erweiterten diese drei Jahre später. Dann die Auflösung: Scotts Solo-Karriere begann. Es folgten zwei Solo-Alben und 130 Konzerte auf der ganzen Welt. Viel Jubel, viel Lob, Vergleiche mit dem jungen David Bowie, Elvis Costello und Antony (was den dreien ziemlich schmeichelt) – Scott war zum Vollzeit-Musiker geworden. Im Hintergrund werkelten zwei immer mit: Mike Skinner als Produzent und Spencer Cobrin, der die Streicher-Arrangements schrieb. Dass die drei sich dann zur Reanimation von „Elva Snow“ zusammenrauften, ist keine Riesenüberraschung.

Scott Matthew macht übrigens kein großes Geheimnis daraus, dass dieser Schritt für ihn nichts Übergroßes bedeutet: So wirklich wichtig seien ihm die Songs nicht mehr. Aber es gehe um die Freundschaft und enge Bindung zu Spencer, die er immer noch fühlt. Er genießt es, dass diese Wiederveröffentlichung auch eine Art Hommage an ihre Freundschaft ist. „Ich bin sentimental, und damals bedeutete mir das einfach sehr viel.“

Wie klingt das also bei „Elva Snow“? Gut. Sehr gut sogar. Matthews Stimme ist ein Pflaster, sehnsuchtsvoll, leiderfahren. Cobrin bringt hier nicht nur ein wertvolles Schlagzeugspiel mit, sondern auch ein paar der typischen Smiths- und Morrissey-Klänge. Die Bandbreite ist dementsprechend groß: das geht mal rockiger und ziemlich straight geradeaus („Shimmer“), mal alternativer und schön bassliniengetrieben („Could Ya“) oder ganz einfach ruhig und tröstend („Hollywood Ending“).

14 Konzerte spielen „Elva Snow“ in Deutschland, am kommenden Samstag sind sie in der Schaubühne Lindenfels. Live und unplugged werden alte Songs in neuem akustischen Gewand präsentiert, dazu einige Stücke, die wahrscheinlich auf Scott Matthews nächstem Soloalbum zu finden sein werden.

"Elva Snow", 20. November, Schaubühne Lindenfels
http://www.schaubuehne.com
Online

Anzeige

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.