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»Ich suche poetische Bilder«

Interview mit Birgit Eckenweber zur neuen Märchenoper »Hänsel und Gretel« an der Oper Leipzig

Vor zwei Jahre inszenierte Birgit Eckenweber die Märchenoper »Hänsel und Gretel« am Theater Plauen-Zwickau – und das überaus erfolgreich. Peter Konwitzschney sah das Stück und war so begeistert, das er die gebürtige Hamburgerin
einludt, die Oper in Leipzig neu zu inszenieren. Unsere Autorin Claudia Lindner sprach mit Regisseurin Birgit Eckenweber über das poetische an Humperdincks Märchenoper, darüber, was genau sie neu inszenieren will und erfuhr so auch, warum es keine bucklige, alte Hexe geben wird.

Vor zwei Jahre inszenierte Birgit Eckenweber die Märchenoper »Hänsel und Gretel« am Theater Plauen-Zwickau – und das überaus erfolgreich. Peter Konwitzschney sah das Stück und war so begeistert, das er die gebürtige Hamburgerin einludt, die Oper in Leipzig neu zu inszenieren. Unsere Autorin Claudia Lindner sprach mit Regisseurin Birgit Eckenweber über das poetische an Humperdincks Märchenoper, darüber, was genau sie neu inszenieren will und erfuhr so auch, warum es keine bucklige, alte Hexe geben wird.

kreuzer: Frau Eckenweber, was faszieniert sie an »Hänsel und Gretel«?

Birgit Eckenweber: Ich liebe Märchen und in erster Linie wollen wir auch das Märchen, also die Handlung erzählen. Das Faszinierende für mich ist Humperdincks Musik. Da gibt es zum Einen die Kinderlieder, zum anderen aber große sinfonische Bilder, wie die Overtüre oder das Vorspiel zum zweiten Akt. Diese Musik berührt eine Ebene, die weit über die eigentliche Märchenhandlung hinaus weist. Diese Gegensätze möchte ich inszenieren.

kreuzer: Welche musikalischen Motive sind dabei besonders wichtig für Sie?

Eckenweber: Ausgegangen bin ich vom Motiv des »Abendsegens«, denn das ist das einzige Motiv, das werkumspannend ist. Zuerst in der Overtüre, dann in der Traumpantomime und am Schluss im Choral. Immer, wenn dieses Motiv zu hören ist, taucht ein Engel auf, nicht vierzehn wie im Text, sondern nur einer.

kreuzer: Das ist interessant, die meisten Inszenierungen haben 14.

Eckenweber: Ich glaube, ein Engel kann stärker wirken als vierzehn. Und bei uns ist das ein ganz kleiner Engel, eine Sechsjährige spielt ihn.

kreuzer: Bleiben wird doch gleich bei Ihrer Inszenierung. Wenn man Probenfotos sieht, dann sieht Hänsel aus wie Pumuckel und Gretel wie Pippi Langstrumpf, also eher selbstbewußte Kinder.

Eckenweber: Das ist Zufall, aber frech sind sie schon.

kreuzer: Nun hat ja Humperdincks Oper eine sehr poetische Musiksprache, inwieweit fließt diese in ihre Bildsprache auf der Bühne ein?

Eckenweber: Ich suche nach poetischen, assoziativen Bildern, die in eine Fantasiewelt führen. Also ich kann einen Tisch und einen Stuhl als solchen bespielen, der Tisch kann aber auch der Turm von Rapunzel sein, so spielen ja Kinder.
Und dort möchte ich ansetzen.

kreuzer: Das ist nicht neu, so funktioniert ja Kindertheater. Was genau ist denn an Ihrem »Hänsel und Gretel« neu?

Eckenweber: Schwere Frage, ich kann sagen, was mir wichtig ist, nämlich, in erster Linie das poetische und das spielerisch-leichte.

kreuzer: Was denken Sie, inwieweit sind Kinder in Zeiten von Harry Potter und Fantasieliteratur überhaupt noch für poetische Bilder empfänglich?

Eckenweber: Also ich finde Harry Potter ist poetisch. Und was dort passiert und was auch ich mache, ist wegzukommen vom Bild der buckligen Hexe.

kreuzer: Warum nicht klassisch, das ist doch auch ein poetisches Bild, die zahnlose, bucklige Frau mit Katze auf dem Buckel?

Eckenweber: Nein, Hexen sehen heute anders aus. Bei Bibi Blocksberg oder eben Harry Potter sind die Hexen eher moderne Wesen. Bei Humperdinck werden in der Overtüre der Engel als Prinzip des Guten und die Hexe als Prinzip des Bösen musikalsich gegenüber gestellt, das will ich auf die Bühne bringen. So hat unsere Hexe z.B. auch einen schwarzen Flügel, mit dem sie die Kinder einfängt.

kreuzer: Inwieweit transportieren Sie denn die Handlung noch in die Gegenwart? Ist der Wald ein Wald?

Eckenweber: Natürlich, er ist ein Märchenwald. Die Kostüme sind auch märchenhaft, aber angelehnt an die Gegenwart. Was mir wichtig ist, sind die Symbole der Oper und die Bilder hinter den Bildern.

kreuzer: Zum Beispiel?

Eckenweber: Die Lebkuchenkinder. Die Hexe hat wahrscheinlich schon immer mal Kinder eingesammelt und zu Lebkuchen verbacken. Bei mir tauchen diese Lebkuchenkinder nicht erst am Ende auf. Sie werden z.B. das Echo im Wald sein, wenn Hänsel und Gretel sich fürchten. Mehr will ich aber noch nicht verraten.

»Hänsel und Gretel«, ab 4. Dezember in der Leipziger Oper
http://www.oper-leipzig.de
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