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Kluge Köpfe braucht das Land

Ein neues Netzwerk will Sachsens Hochschulabsolventen zum Hierbleiben überreden

»Mentosa« heißt das Elite-Netzwerk in Sachsen, das zukünftig Fachkräfte im Freistaat halten soll. Seine Macher wollen Verbindungen zwischen den Studierenden und der sächsischen Wirtschaft herstellen und so dauerhafte Netzwerke knüpfen. Sechs Hochschulen und Universitäten sind beteiligt, 270 Nachwuchskräfte aus allen Fachrichtungen sollen in den kommenden drei Jahren gezielt gefördert werden.

Arztserien sind der Renner, nicht erst seit »Grey’s Anatomy«. Da gibt es Herzschmerz am Morgen, die Operation am offenen Herzen um Mitternacht, dazwischen sexy gestylte Ärzte, die auch nach einer misslungenen Blinddarm-OP noch frisch aussehen. Dass es im Leipziger Gesundheitsamt nicht ganz so aufregend zugeht wie im Seattle Grace Hospital, ist unter Medizinstudenten ein offenes Geheimnis. Deswegen rennen sie dem öffentlichen Gesundheitsdienst in Sachsen auch nicht eben die Türen ein.

Regine Krause-Döring kennt das Problem. Sie ist die Leiterin des Leipziger Gesundheitsamtes und immer auf der Suche nach gutem Personal. Seit Jahren mangele es an potenten Nachwuchskräften, weil »viele angehende Ärzte kaum eine Vorstellung davon haben, welche Vorteile ihnen der Gesundheitsdienst bieten kann.« Keine Nachtdienste etwa, Gleitarbeitszeiten, beste Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Klingt gut, nur wollen Mediziner allzu oft lieber therapieren als beraten, und das am liebsten in Bayern, Baden-Württemberg oder in der Schweiz. Und es ist nicht nur die gute Bergluft, die sie ruft, sondern auch das gute Geld.

»Mentosa« heißt nun ein neues Elite-Netzwerk in Sachsen, das die Fachkräfte im Freistaat halten soll. Seine Macher wollen Verbindungen zwischen den Studierenden und der sächsischen Wirtschaft herstellen und Netzwerke knüpfen. Sechs Hochschulen und Universitäten sind beteiligt. 270 Nachwuchskräfte, sogenannte Mentees, aus allen Fachrichtungen – Musiker, Ingenieure, Medienmanager, Ärzte – sollen in den kommenden drei Jahren gezielt gefördert werden. Zwei Millionen Euro kostet das Programm, bezahlt wird es vom Europäischen Sozialfond. Jeder Teilnehmer bekommt einen Mentor an die Seite gestellt, der ihn näher ans Berufsleben heranführen soll.

Nina Ritter ist eine der 90 Mentees, die im ersten Jahr dabei sind. In wenigen Monaten wird die 25-Jährige ihr Medizinstudium abschließen und nach einem Job suchen. »Ich möchte Beruf und Familie unter einen Hut bringen«, erklärt die junge Mutter, »und wer mir das in Aussicht stellen kann, bei dem fange ich gern an.« Regine Krause-Döring kann ihr das bieten, und in den nächsten zwölf Monaten ist sie nun Nina Ritters Mentorin. Ein Jahr hat die Amtsleiterin Zeit, der Medizinerin den Berufsalltag im Gesundheitsamt schmackhaft zu machen und sie davon zu überzeugen, nach dem Studium tatsächlich in ihrem Haus anzufangen – damit die künftige Absolventin Ritter dem Freistaat Sachsen erhalten bleibt.

http://www.hs-mittweida.de/en/webs/mentosa.html
aus dem kreuzer-Heft 12.10

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