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Mehr Platz, mehr Architektur

Der vierte Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek steht kurz vor der Fertigstellung

140 Kilometer Regalflächen in neuen Magazinen, das Buch- und Schriftmuseum und das Musikarchiv – all das wird demnächst in der vierten baulichen Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek seinen Platz finden. Die Stuttgarter Architektin Gabriele Glöckler, die 2002 den Architekturwettbewerb gewann, entwarf einen dynamischen Baukörper, den sie mit den Begriffen Inhalt, Hülle und Umschlag beschrieb.

140 Kilometer Regalflächen in neuen Magazinen, das Buch- und Schriftmuseum und das Musikarchiv – all das wird demnächst in der vierten baulichen Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek zwischen Deutschem Platz und Semmelweisstraße seinen Platz finden. Die Stuttgarter Architektin Gabriele Glöckler, die 2002 den Architekturwettbewerb gewann, entwarf einen dynamischen Baukörper, den sie mit den Begriffen Inhalt, Hülle und Umschlag beschrieb.

Auch wenn die Ausführung des Projektes mehrmals umgeplant wurde – unter anderem sollte nun auch das in Berlin ansässige Musikarchiv in Leipzig untergebracht werden –, blieben die Intentionen des Entwurfs erhalten. Über dem verglasten Erdgeschoss für das Museum wölbt sich ein silberglänzender »Umschlag« nach oben und umschließt den Magazinbereich von außen. Die Frontseiten wiederum werden von Glasflächen geprägt, die in einzelne rötliche Farbfelder aufgeteilt sind und so Assoziationen an Buchrücken wachrufen, also den »Inhalt« des Hauses abbilden.

Mit großer Eigenständigkeit setzt sich der Erweiterungsbau vom unmittelbar anschließenden Hauptgebäude von 1916 ab, das in seinem Grundriss dem Oval des Platzes folgt. Der konkave Schwung des alten Hauses wird in der Kontur des Neubaus aufgenommen und gleich in eine konvexe Wölbung übersetzt. Keine der üblichen strengen Bezugnahmen auf die städtebauliche Situation also, und doch erreicht Glöckler so eine sensible Beziehung zu dieser.

Im Inneren des Hauses fällt zuerst die bruchlose Weiterführung der silbernen Außenhaut als Decke im Museumsbereich auf. Geradezu in ein Raumschiff versetzt fühlt man sich im Lesesaal des Buchmuseums. Geschwungene weiße Tische und Regale lassen an die Enterprise denken und nicht an verstaubte Bücher des letzten Jahrhunderts. Farbliche und stoffliche Vielfalt prägt die anderen Räume. Treppen und Türen sind in einem warmen Holzton gehalten, als
sichere »Hülle« umschließt Sichtbeton die Magazine. Und die ehemaligen Außenwände des Hauptgebäudes und des Bücherturms, die nun im Inneren liegen, blieben in ihrer alten Materialität erhalten – eine weitere intelligente
Bezugnahme auf den alten Baubestand.

Schaut man sich die vielen durchschnittlichen Leipziger Bauprojekte der letzten Jahre an, dann kann man nur sagen: Mehr davon! Die Nationalbibliothek selbst hat schon bald die Chance, sich erneut unter Beweis zu stellen. Denn nach der Einweihung im Frühjahr beginnen die Vorarbeiten für den nächsten Erweiterungsbau.

http://www.d-nb.de
aus dem kreuzer-Heft 01.11

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