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Monomanisch und mutig

Gänzlich uneitel: Thalias Kompagnons gastieren mit Figuren- und Maltheater im Lindenfels Westflügel

Thalias Kompagnons ist ein seit 1990 erprobtes Figurentheater-Duo, das mittlerweile als ein reines Tourneetheater auf Gastspielreisen geht. Vom 3. bis 6. Februar geben sie mit »Kafkas Schloss« im Lindenfels Westflügel ein Machtspielchen und führen das märchenhafte Maltheater »Kobold, Hans und Ballerina« auf. Der kreuzer sprach mit dem Kompagnon Tristan Vogt.

Thalias Kompagnons ist ein seit 1990 erprobtes Figurentheater-Duo, das mittlerweile als ein reines Tourneetheater auf Gastspielreisen geht. Vom 3. bis 6. Februar geben sie mit »Kafkas Schloss« ein Machtspielchen und führen das märchenhafte Maltheater »Kobold, Hans und Ballerina« auf. Der kreuzer sprach mit dem Kompagnon Tristan Vogt.

kreuzer: Wie wählen Sie Ihre Stoffe aus?

TRISTAN VOGT: Das ist ein langer Prozess und entsteht immer vor dem Hintergrund des eigenen Lebens und des aktuellen Zeitgeists. Der Stoff muss zwangsläufig etwas mit einem zu tun haben, um auch den notwendigen existentiellen Schwung zu entwickeln.

kreuzer: Wie autonom sind Ihre Figuren?

VOGT: Die Autonomie der Figur hängt vom Spiel ab, denn dort lässt man sich von der Figur anrühren. Das Spiel darf aber nie zu naturalistisch sein, weil die Figuren Chiffren für Zustände darstellen. »Kafkas Schloss« etwa muss man alleine spielen, da darf kein Kollege mit auf die Bühne. Der Grund ist, dass Kafka gegen sich selbst spielt, die Figuren sind monomanisch. Während der Vorbereitungen werden die Figuren ständig weiter entwickelt, bis man irgendwann merkt, dass man die fertige Puppe in Händen hält.

kreuzer: Was ist der Vorteil Ihrer minimalistischen Theaterform gegenüber der großen Bühne?

VOGT: Im kleinen Raum gibt es mehr Möglichkeiten als auf der großen Bühne. Man kann schnell sein und tricksen, die Bühne ist schneller veränderbar. Durch das Understatement im Minimalismus wird großes Theater mit kleinen Mitteln möglich, die Metaphern werden genauer. Figurentheater ist ja eine Form, in der der Spieler nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Die Leute auf der Bühne arbeiten für die Figuren, niemand ist der Held: Die Figuren sind Figuren im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist vielleicht die ehrlichste Form des Theaters, weil sie uneitel ist.

kreuzer: Was ist Maltheater?

VOGT: Dabei stehen die Malprozesse im Mittelpunkt, es wird sozusagen live gemalt. Mein Kompagnon Joachim Torbahn ist ja von Haus aus Maler und ich schaue ihm gerne dabei zu. Aus dieser Faszination des Zusehens ist das Maltheater entstanden. Wenn man vor dem fertigen Bild steht, ist man eigentlich schon um diesen Genuss betrogen, weil man die Veränderung, die Weiterentwicklung nicht sieht, dabei sind genau diese Prozesse so interessant. Insbesondere Kinder verstehen das sehr gut und wissen etwa den Mut des Kobolds im Stück nach Hans Christian Andersen zu honorieren.

»Kafkas Schloss – Ein Machtspielchen«, 3./4.2., 20 Uhr
»Kobold, Hans und Ballerina«, 5./6.2., 16 Uhr, Lindenfels Westflügel
http://www.westfluegel.de
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