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»Wir geben den Kampf nicht auf«

Interview mit Ronald Schubert, dem Geschäftsführer des Leipziger Tanztheaters

Nach dem Weggang von Irina Pauls als künstlerische Leiterin des Leipziger Tanztheaters (LTT) ist einiges in Bewegung in der Compagnie. Mit Alessio Trevisani steht ein neuer Leiter an der Spitze des LTT. Im Interview erklärt dessen Geschäftsführer, Ronald Schubert, warum Irina Pauls trotzdem weiter in seinem Haus ein und aus geht, wie es um die hiesige Tanzszene steht und warum er gegen Windmühlen kämpfen muss.

Nach dem Weggang von Irina Pauls als künstlerische Leiterin des Leipziger Tanztheaters (LTT) ist einiges in Bewegung in der Compagnie. Mit Alessio Trevisani steht ein neuer Leiter an der Spitze des LTT. Im Interview erklärt dessen Geschäftsführer, Ronald Schubert, warum Irina Pauls trotzdem weiter in seinem Haus ein und aus geht, wie es um die hiesige Tanzszene steht und warum er gegen Windmühlen kämpfen muss.

kreuzer: Die Meldung, dass Irina Pauls am LTT aufhört, klang wie ein Schock. Sie verlagert ihr Engagement aber nur. Was hat es damit auf sich?

RONALD SCHUBERT: Irina hat die Arbeit im Amateurbereich beendet und die Leitung an Alessio Trevisani abgegeben, bleibt aber im Vorstand. An der Zukunftsvision, mit der wir vor drei Jahren angefangen haben, wird sie in der Initiative »!mehrTANZ« entschlossen weiterarbeiten. Diese hat die Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes in Mitteldeutschland zum Ziel.

kreuzer: Warum war dieser Schritt notwendig?

SCHUBERT: Zum einen bedeutet er eine Profilschärfung für das LTT. Das ist seit Jahrzehnten bekannt für seine Company und Kinder- und Jugendarbeit und soll so auch weiter wahrgenommen werden. Daher wurde die Arbeit professioneller Tänzer in die neue Initiative integriert, um so auch gezielter an der Entwicklung des Profibereichs arbeiten zu können. »!mehrTANZ« soll durch Koproduktionen, Partnerschaften und Residenzen die mitteldeutsche Tanzszene aufbauen.

kreuzer: Wie steht es um die hiesige Tanzszene?

SCHUBERT: In Sachsen ist die Szene übersichtlich, neben Leipzig und Dresden gibt es nicht viel. Leipzig verzeichnete leider eine Entwicklung rückwärts. Die Außenstelle der Paluccaschule hat Leipzig verlassen, die Ballettschule der Oper und die Tanzsparte am Schauspiel existieren nicht mehr, und das Tanzarchiv steht auf der Kippe.

kreuzer: Da hat man es als eine der letzten Bastionen nicht leicht…

SCHUBERT: Es fühlt sich zum Teil wie ein Kampf gegen Windmühlen an. Man wird geschätzt, bekommt das zumindest gesagt. Aber wie dann manchmal mit uns kommuniziert wird, können wir nicht nachvollziehen, speziell wenn es um unsere Bemühungen um neue Räume geht.

kreuzer: Sie meinen den Lokschuppen in Reudnitz, wo Sie ein eigenes Tanztheater planten…

SCHUBERT: Es geht zunächst gar nicht nur um eine Aufführungsstätte, sondern um geeignete Studioräume. Tanz braucht Raum, und die zwei Säle im Tanzhaus Lößnig sind einfach zu eng. Ein Studio darf wegen der Verletzungsgefahr keine Säulen haben, und in maroden Fabrikhallen können keine Vierjährigen üben. Gerade für die Kinder- und Jugendarbeit war der Lokschuppen gut geeignet wegen der Größe, der Erreichbarkeit und des umliegenden Parks. Bei einem Fußballplatz weiß jeder, wie groß er sein muss. Die Mindestanforderungen an ein Tanzstudio muss ich oft erklären.

kreuzer: Und dem Viertel hätte eine Kultureinrichtung mehr auch genutzt?

SCHUBERT: Das hat die Stadt ja auch hervorgehoben und das Lokschuppen-Projekt unterstützt. Es wurde Mitte 2009 im Konjunkturpaket mit eingeplant, und wir hätten den Studioteil gleich nutzen können. Als das Projekt im Herbst aus dem Paket herausfiel, brauchten wir eine schnelle Interimslösung und mieteten einen Saal im Josephkonsum an. Und doch hielt die Stadt fest am Vorhaben. Es gab Gespräche mit dem Oberbürgermeister, dem Kulturbürgermeister und positive Signale vom Amt für Stadterneuerung. Als wir dann im Dezember 2010 telefonisch die Absage erhielten, waren wir geschockt. Zudem wurden wir nicht schlau daraus, warum das Objekt bereits zuvor zum Verkauf ausgeschrieben wurde. So übergangen, konnten wir nicht mehr reagieren. Auch wenn wir die allgemeine Sparhaltung nachvollziehen können: So geht man nicht miteinander um.

kreuzer: Nun beginnt die Suche von vorn?

SCHUBERT: Ja, wir bekommen immer wieder Vorschläge. Ich kenne mittlerweile unzählige Gebäude in Leipzig. Aber es ist nicht einfach, wie gesagt, es scheitert oft schon an vorhandenen Säulen. Den Kampf gegen die Windmühlen geben wir aber nicht auf.

kreuzer: Was steht künstlerisch in der näheren Zukunft an?

SCHUBERT: Da wir quantitativ nicht wachsen können – rund 350 Menschen sind bei uns aktiv – werden wir uns darauf konzentrieren, die Qualität zu halten. Das hohe Niveau wird dem LTT ja immer wieder bescheinigt, etwa mit dem Deutschen Amateurtheaterpreis 2010 für die Produktion »Verschränkungen«. So wird die Juniorcompany im April zusammen mit dem Theater der Jungen Welt »Die wilden Schwäne« auf die Bühne bringen – eine Kooperation, auf die wir uns sehr freuen. Alessio Trevisani gibt mit seiner ersten LTT-Produktion einen Eindruck von seiner Arbeit mit der Company. Er lädt auch wöchentlich zur Open Class, wo Tänzer aller Niveaus gemeinsam trainieren können. Auf dem Entwicklungsfeld Tanz gibt es genügend Chancen, und wir werden daran weiter im Rahmen unserer Möglichkeiten arbeiten. Und die ergeben sich halt aus den räumlichen und finanziellen Bedingungen.

http://www.leipzigertanztheater.de
aus dem kreuzer-Heft 02.11

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