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Tribalistischer Schmelztiegel

Freiform-Punk-Ethnodelic-Anarcho-Jazz-Band »The Ex« gibt ihr Leipzig-Debüt

Leipzig wird, zumindest von außen und in den entsprechenden Kreisen, oft als Hochburg linker Subkultur angesehen. Dass es allerdings vom Mauerfall noch einmal über 20 Jahre brauchte, um die legendäre linke Band »The Ex« in die Stadt zu holen, kratzt ein wenig am Ruf. Aber Image hin oder her: Grandios, dass es den hiesigen Veranstaltern von Schubladenkonsortium und Radio Globalistic nunmehr gelungen ist. Am Samstag spielen »The Ex« in der naTo.

Leipzig wird, zumindest von außen und in den entsprechenden Kreisen, oft als Hochburg linker Subkultur angesehen. Dass es allerdings vom Mauerfall noch einmal über 20 Jahre brauchte, um die legendäre linke Band »The Ex« in die Stadt zu holen, kratzt ein wenig am Ruf. Aber Image hin oder her: Grandios, dass es den hiesigen Veranstaltern von Schubladenkonsortium und Radio Globalistic nunmehr gelungen ist.

Formiert haben sich The Ex 1979 im Umfeld der agilen Amsterdamer Hausbesetzer-Szene, von Anfang an waren sie auf der undogmatischen Seite des Punk unterwegs. Als No Wave-Neutöner mit radikalem Hang zum Experiment gestartet, hat die Band seitdem konsequent das Prinzip permanenter Erneuerung beibehalten – abseits von Trends oder gar kommerziellen Überlegungen und getrieben von einem unermüdlichen Do-it-yourself-Spirit mit offensivem anarchistisch-internationalistischem Bewusstsein. Was sich neben der grundsätzlich unabhängigen Arbeitsweise als Gruppe und Label auch in der Kooperation mit dem irakisch-kurdischen Ensemble Awara im Jahr 1984 oder zwei Jahre später in der berühmten Doppel-Single mit Fotobuch zum 50. Jahrestag der Spanischen Revolution ausdrückte.

Dieser Geist setzt sich bis heute unter anderem in der langjährigen Zusammenarbeit mit äthiopischen Musikern wie dem Saxofonisten Getatchew Mekuria fort. Dessen Musik erscheint zudem auch auf dem Label Terp Records von Terrie Hessels, dem einzig verbliebenen Originalmitglied. Der kann inzwischen auf über 1.400 Konzerte und mehr als 20 Alben zurückblicken. Diese lange Geschichte brachte ihn mit dem New Yorker Knitting Factory-Cellisten Tom Cora und den Post-Rockern Tortoise zusammen, ließ ihn mit dem 20-köpfigen Ex Orkest, auf John Peel-Sessions und auf den »In the Fishtank«-Aufnahmen mit Sonic Youth spielen und führte ihn auf Touren mit Fugazi, The Mekons, Lanaya aus Mali oder Konono No.1 aus dem Kongo.

Mit neuem Sänger und Langzeit-Mitgliedern wie dem Gitarristen Andy Moor, einem gefragten Impro-Musiker, der mit Bands wie Kletka Red und Dog Faced Hermans oder dem Mixologen DJ/Rupture arbeitete, werden The Ex in Leipzig ihre Musik in einem ganz eigenen Schmelztiegel zum Kochen bringen. In dem finden sich post-punkige Versionen äthiopischer Musik genauso wie krachverliebte Improvisationen – dynamisch befeuert von tribalistisch rollenden Drums, angerührt mit unerbittlich mitreißender Energie und gekrönt von intelligent-bissigen Texten. Ein Höhepunkt – und besser spät als nie!

The Ex, 9.4., 21 Uhr
http://www.nato-leipzig.de
http://www.theex.nl
aus dem kreuzer-Heft 04.11

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