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»Ich bin ein Mocker«

Andrea Riseborough über ihren neuen Film »Brighton Rock« und die heutige Jugend

Auf der diesjährigen Berlinale wurde die 29-jährige Engländerin Andrea Riseborough als eine von zehn Schauspielern in der Kategorie Shooting Star ausgezeichnet. In England ist sie bereits eine bekannte Theater- und Fernsehschauspielerin, in Deutschland war sie zuletzt in »We want Sex« auf der Leinwand zu sehen. In »Brighton Rock«, der ab Donnerstag im Kino läuft, spielt sie nun die naive Kellnerin Rose, die sich in Pinkie verliebt, den jungen Boss einer Gangsterbande (Sam Riley). Im Interview erzählt Andrea Riseborough, wonach sie ihre Rollen auswählt, was Rose will und warum es jungen Briten heute an Idealismus fehlt.

Auf der diesjährigen Berlinale wurde die 29-jährige Engländerin Andrea Riseborough als eine von zehn Schauspielern in der Kategorie Shooting Star ausgezeichnet. Im April kommen zwei Filme, »Brighton Rock« und »Alles, was wir geben mussten«, mit Riseborough ins Kino. In England ist sie bereits eine bekannte Theater- und Fernsehschauspielerin, in Deutschland war sie zuletzt in »We want Sex« auf der Leinwand zu sehen. In »Brighton Rock« von Rowan Joffe spielt sie die naive Kellnerin Rose, die sich in Pinkie verliebt, den jungen Boss einer Gangsterbande (Sam Riley). Der Film spielt in den sechziger Jahren zur Zeit der Brighton Riots, als sich Mods und Rocker Wochenendgefechte lieferten und Jugendrevolten England aufschreckten.

kreuzer: In Ihren bisherigen Filmen waren Sie in Rollen zu sehen, die eine Bedrohung für die bestehende Ordnung darstellen. Nun spielen Sie eine schüchterne junge Frau. Wonach suchen Sie Ihre Rollen aus?

ANDREA RISEBOROUGH: Ich bin sehr wählerisch. Es gibt vieles, das gleich in der Mülltonne landet. Aber wenn ich das Gefühl habe, ich weiß, wer der Mensch ist, den ich spielen soll, landet es nicht dort. Wenn ein Thema interessant und gut geschrieben ist und mich emotional berührt, dann folge ich meinem Instinkt. Bei Rose fühlte es sich so an, als würde ich sie bereits kennen. Sie strahlt eine faszinierende Zerbrechlichkeit aus und ist in ihrem Inneren doch so mutig, die Liebe zu Pinkie auszuleben.

kreuzer: Sie scheint eher blind vor Liebe. Pinkie lebt ein Leben auf der Überholspur. Was fasziniert Rose an ihm?

RISEBOROUGH: Ich kann das gar nicht richtig beantworten. Rose weiß anfänglich ja nicht einmal selbst, was sie von ihm will. Sie ist verliebt, sie ist jung und naiv. Pinkie gibt ihr die Möglichkeit, ihrem tristen Alltag zu entkommen.

kreuzer: Die erste große Liebe löst mitunter das Gefühl aus, die ganze Welt drehe sich um einen. Bei Rose und Pinkie ist das anders, sie entstammen einer anderen Zeit…

RISEBOROUGH: Rose ist nicht auf der Höhe ihrer Zeit. Die Welt dreht sich auch nicht um sie. Die 1960er Jahre waren eine Umbruchszeit. Die Idee des Teenagers war gerade erst geboren. Es gab keine allgemeine Wehrpflicht mehr, und die Jungen stellten sich gegen das nihilistische Denken der spröden Nachkriegsgesellschaft. Sie grenzten sich bewusst von der Generation ihrer Eltern ab, glaubten an etwas und setzten sich dafür mit Leib und Seele ein.

kreuzer: Sind heutzutage ähnliche Auseinandersetzungen überhaupt noch möglich? Oder fehlt es den Jugendlichen vielleicht am Idealismus jener Zeit?

RISEBOROUGH: Ich ziehe gerade von London nach Paris. Einer der Gründe dafür ist, dass die Jugend in Paris noch politisiert ist, obwohl sie in einer privilegierten Gesellschaft lebt. Die jungen Franzosen kämpfen noch für das, was sie wollen und woran sie glauben. Es ist faszinierend, wenn sich junge Menschen für die eigenen Ideale einsetzen. Ich denke, den Briten mangelt es daran ganz gewaltig.

kreuzer: Wenn Sie sich entscheiden müssten, was wären Sie lieber: Mod oder Rocker?

RISEBOROUGH: Das ist schwer. Sam Riley und ich haben diese Frage schon so oft gehört. Beide haben etwas Interessantes, und vor allem haben Mods wie Rocker unglaublich gute Musik. Somit sind wir »Mocker«.

ab 21.4. Kinobar Prager Frühling
ab 28.4. Schauburg
aus dem kreuzer-Heft 04.11

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