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Böser Hund!

Rotkäppchen zwischen zwei Männern in Red Riding Hood

Die großen Volksmärchen sind in unserem Kulturkreis Teil des kollektiven Bewusstseins. Wenn Hollywood sich allerdings einer dieser Erzählungen annimmt, stehen die Filmemacher vor der Frage, ob sie möglichst nah am Original bleiben oder sich an einer zeitgemäßen Interpretation des Themas versuchen sollen. Im Fall von »Red Riding Hood« lässt sich diese Frage nicht eindeutig beantworten: Den neuen Film der »Twilight«-Regisseurin Catherine Hardwicke als Adaption – selbst als moderne Adaption – des klassischen Grimm-Märchens »Rotkäppchen« zu bezeichnen, ginge entschieden zu weit.

Die großen Volksmärchen sind in unserem Kulturkreis ebenso Teil des kollektiven Bewusstseins wie die Geschichten der Bibel oder die Sagen der griechischen Mythologie. Wenn Hollywood sich einer dieser Erzählungen annimmt, stehen die Filmemacher prinzipiell vor der Frage, ob sie möglichst nah am Original bleiben oder sich an einer zeitgemäßen Interpretation des Themas versuchen sollen.

Im Fall von »Red Riding Hood« lässt sich diese Frage nicht eindeutig beantworten: Den neuen Film der »Twilight«-Regisseurin Catherine Hardwicke als Adaption – selbst als moderne Adaption – des klassischen Grimm-Märchens »Rotkäppchen« zu bezeichnen, ginge entschieden zu weit. Stattdessen bewegt er sich irgendwo zwischen Märchenverfilmung, Gothic Horror und Fantasy-Thriller, zitiert recht beliebig eine handvoll Motive aus der Vorlage und ergeht sich ansonsten in düster-romantischen Bildern und einem nie wirklich packenden Paranoia-Plot.

Der große, böse Wolf aus der Grimmschen Version ist in »Red Riding Hood« ein Werwolf, der seit Jahren das abgeschiedene Dorf Daggerhorn terrorisiert. Um der Bestie Herr zu werden, engagieren die Bewohner den Werwolfjäger Pater Solomon (Gary Oldman) – und erfahren von dem fanatischen Geistlichen, dass der Wolf tagsüber menschliche Gestalt annimmt. Folglich könnte jeder aus dem Dorf die Bestie sein.

So wird aus der Jagd nach dem Monster eine Hexenjagd in den eigenen Reihen, angeführt von Solomon und seiner Entourage exotischer Krieger. Die schwerbewaffnete Quasi-Inquisition, die gleich nach ihrer Ankunft die Kontrolle über Daggerhorn übernimmt, wirkt im Märchen-Kontext allerdings reichlich deplatziert. Außerdem ignoriert der Film konsequent die psychologische Dimension dieser Besatzungssituation und lässt nicht die Spur von beklemmender Atmosphäre aufkommen.

Stattdessen reiht Catherine Hardwicke Actionsequenzen aneinander und verplempert zu viel Zeit mit einer unnötigen Liebesgeschichte zwischen Valerie (Amanda Seyfried), dem »Rotkäppchen«, und zwei jungen Männern aus dem Dorf, zwischen denen sie sich entscheiden muss. Warum sie ausgerechnet den einen liebt, bleibt dem Zuschauer ein Rätsel – und weil nicht einmal die beiden Hauptfiguren nachvollziehbar charakterisiert werden, wird es auch viel zu schnell uninteressant, wer sich denn nun hinter dem Werwolf von Daggerhorn verbirgt.

ab 21.4. im CineStar
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