Startseite / Kultur / »Nichts reimt sich auf Uschi«

»Nichts reimt sich auf Uschi«

Dietmar Wischmeyer schimpft auf seine Mitmenschen

Alle sind bekloppt und bescheuert. Alle, ausnahmslos. Die, die schon immer bekloppt und bescheuert waren, sowieso: Politiker, Bahnfahrer, Wessis. Aber auch die Grünen, die Homos und Migranten. Dietmar Wischmeyer hat sie beobachtet, hat sie alle bloßgestellt in seinem Logbuch der Bekloppten und Bescheuerten. Sein neuestes Programm heißt »Deutsche sehen dich an« und handelt von, genau, der Beklopptheit seiner Mitmenschen. Dietmar Wischmeyer am Samstag in der Theaterfabrik.

Alle sind bekloppt und bescheuert. Alle, ausnahmslos. Die, die schon immer bekloppt und bescheuert waren, sowieso: die Politiker, die Bahnfahrer, die Wessis. Aber auch die Grünen, die Homos und Migranten und die, die immer Volksbegehren wollen oder gesund leben. Dietmar Wischmeyer hat sie beobachtet, hat sie alle bloßgestellt in seinem Logbuch der Bekloppten und Bescheuerten. Gut nur, dass er sich das Recht herausnimmt, andere runterzumachen, und trotzdem nicht verklagt wird. Schließlich ist er, der Held der Schimpftiraden, zum Totlachen.

Lustig ist das, und er ist es sowieso. Damals, als Comedy noch etwas Gutes war, hat er sie quasi miterfunden. »Der kleine Tierfreund« nannte er sich 1988 und erklärte uns die Welt, in der die Tiere es doch so gut haben sollten. Mit mehreren anderen Kollegen, darunter auch Oliver Kalkofe, gründete er die Sendung Frühstyxradio, die nicht nur in Radiosendern wie ffn oder Radio Fritz gefeiert wurde, sondern auch auf der Bühne oder im Fernsehen. Zum Beispiel wegen ihres »Fäkalhumors«, der dafür sorgte, dass die Sendung zwischenzeitlich abgesetzt werden musste und erst durch Proteste wiederaufgenommen wurde. Mit Erfolg. Im Rahmen des Frühstyxradios entstanden neben »Kalkofes Mattscheibe« auch Figuren wie Frieda und Anneliese, Günter der Treckerfahrer oder die Arschkrampen. Überall dabei: Dietmar Wischmeyer. Mal als Landfrau Frieda, die im Ort Plattengülle den Dorftratsch verbreitet, oder als Kurt Krampmeier, der sich mit seinem Freund Gürgen immer in der Ballerbude »Bei Gertrud« Bier mit Tsatsiki bestellt, um über das Leben wortwörtlich abzukotzen.

Inzwischen ist Wischmeyer vor allem mit seinen misanthropischen Logbüchern beschäftigt. Sein neuestes Programm heißt »Deutsche sehen dich an« und handelt von, genau, der Beklopptheit seiner Mitmenschen. Ein aktuelles Beispiel dafür gibt niemand Geringeres als Mario Barth selbst ab. Der hat sich den Spruch »Nichts reimt sich auf Uschi« patentieren lassen, verkauft ihn auf seinen Merchandise-Artikeln. Blöd nur, dass das Frühstyxradio diesen Knaller von einem Witz schon vor 20 Jahren gebracht hat. »Wir hätten damals in unseren schlimmsten Albträumen nicht gedacht, dass die Riesengranate Mario Barth einst den Planeten betritt und mit Uraltwitzen aus dem Mittelalter ganze Stadien zuscheißt«, erklärt Günter der Treckerfahrer. Das allein sei ja gar nicht schlimm, so Wischmeyers Alter Ego, er helfe ja gerne blinden Menschen über die Straße.

»Aber dass er jetzt alle verklagen will, die unseren Witz benutzen? Ich überlege jetzt, mir einfach Mario Barth patentieren zu lassen und dann das ganze Plagiat zu verklagen.« Da kann man ihn nur unterstützen. Oder hingehen, wenn Dietmar Wischmeyer himself mit eigenen Witzen die Theaterfabrik alles andere als zuscheißt.

Dietmar Wischmeyer, live, 14.5., 20 Uhr, Theaterfabrik
http://www.theaterfabrik-leipzig.de
aus dem kreuzer-Heft 05.11

Anzeige

Kommentieren

Dein Kommentar

Kommentare sind deaktiviert.