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Das Pony in der armen Stadt

David Amann hat ein Traumauto zu vermieten – aber keiner will es haben

So was wird heutzutage ja gar nicht mehr gebaut: Ford Mustang, acht Zylinder in V-Form, 4,7 Liter Hubraum, 200 PS, unglaubliches Drehmoment, direkte Kraftübertragung – ein Auto, das aus nicht viel mehr besteht als Motor, Gaspedal und Lenkrad. »Die Amis haben das ganz simpel gebaut«, sagt David Amann. »Hinten kurz, vorne lang, Motor rein, fertig.« Der Autonarr will das Gefährt gern professionell vermieten, nur damit hat er im armen Leipzig bislang wenig Erfolg.

So was wird heutzutage ja gar nicht mehr gebaut: Ford Mustang, acht Zylinder in V-Form, 4,7 Liter Hubraum, 200 PS, unglaubliches Drehmoment, direkte Kraftübertragung – ein Auto, das aus nicht viel mehr besteht als Motor, Gaspedal und Lenkrad. »Die Amis haben das ganz simpel gebaut«, sagt David Amann. »Hinten kurz, vorne lang, Motor rein, fertig.«

Amann ist 31 Jahre alt, hat eine kleine Tochter, eine schwarz gefärbte Rockabilly-Frisur und einen roten Ford Mustang vor dem Fenster seiner Wohnung in Connewitz stehen. Autonarr ist Amann »schon immer«, wie er sagt. Seit eineinhalb Jahren wohnt er in Leipzig, Bamberg in Oberfranken ist seine Heimat und dort gibt es eine große Kaserne der US-Army. Irgendwie hatten die GIs mit ihren dicken Schlitten wohl Einfluss auf den kleinen David, damals in den achtziger Jahren.

Jetzt ist er erwachsen, sitzt in seinem 1966er Mustang und dreht den Zündschlüssel. Wie ein angestochenes Raubtier brüllt der Motor seine Kraft heraus. Dieses Brüllen ist beängstigend, es ist der Prototyp des Motorengeräu-sches, das, was kleine Jungs meinen, wenn sie auf ihrem Öko-Laufrad sitzen und »Wrumm wrumm« rufen. Es riecht nach Benzin im Fahrgastraum und die nächste Ampel ist noch gut 200 Meter entfernt. Sie schaltet gerade auf Rot. Amann drückt aufs Gas, und da gibt es wieder ein tiefes Gebrüll unter der riesigen Motorhaube. Ein animalischer Schub katapultiert den Wagen nach vorn, dass einem angst und bange wird. Mustangfahren macht Spaß, keine Frage.

Der Wagen mit dem galoppierenden Pony auf dem Kühlergrill ist Amanns Traum. Acht Jahre lang hat er für die amerikanische Wuchtbrumme gespart, diesen unvergleichlichen Klassiker, Star in über 500 Kinofilmen. Serge Gainsbourg singt gar genüsslich davon, wie er mit seinem Ford Mustang gegen einen Baum kracht. Der Job als Altenpfleger macht David Amann nicht gerade reich und eigentlich ist so ein Auto ein wenig zu teuer für ihn. Darum, hat er sich gedacht, vermietet er den Wagen ab und zu. Das Problem dabei: Niemand will seinen Mustang ausleihen. »Seit einem Jahr versuche ich es nun schon, und alles, was dabei herausgekommen ist, sind zwei Hochzeitsfahrten«, sagt er ein wenig ratlos.

Manchmal, da versteht er diese Stadt nicht: Sind die Leipziger geizig? Haben sie keinen Sinn für richtige Autos? Oder sind sie nur zu schüchtern für ein Gefährt, das sich anhört wie der Donner persönlich? Vielleicht liegt es ja an den 450 Euro Tagesmiete, die so eine Ausfahrt kostet. Das ist immerhin die Hälfte des durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommens in Leipzig (laut Sozialreport 2010: 977 Euro). Der Preis sei üblich, sagt Amann, man könne das Auto auch für 99 Euro die Stunde mieten und: »Ich will ja nicht, dass jeder darauf rumrutscht – was billig ist, ist auch nichts wert.« Dann gibt er zu, dass er sich selbst derzeit so eine Tagestour auch nicht leisten könnte. Arme Stadt, armes Pony.


Aus dem kreuzer-Heft 05.11

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