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Meerjungfrauen küssen besser?

Neue Seeräuberpistole: Auch der 4. Teil von »Fluch der Karibik« unterhält mit säbelrasselnder Clownerie

»Fuffzehn Mann auf des toten Manns Kiste, / Ho ho ho und ’ne Buddel voll Rum! / Fuffzehn Mann schrieb der Teufel auf die Liste, / Schnaps und Teufel brachten alle um!« – Piratenfilme? Das Genre ist doch seit Jahrzehnten fast unberührt und eigentlich fällt einem nur eine einzige gute Produktion der letzten Jahre ein: »Fluch der Karibik« und seine zwei Sequels.

Genau. Und darum erfährt die Geschichte um den galant-lächerlichen Captain Sparrow, um plündernde Piraten, karibische Gefilde und um einen ordentlichem Schuss Rum eine weitere turbulente Fortsetzung.

In »Fremde Gezeiten« steuert Freibeuter Jack Sparrow (wieder ganz er selbst: Johnny Depp) neuen unheimlichen Verstrickungen zu. Sein Verhängnis ist dieses Mal eine Frau aus der Vergangenheit. Die schöne Freibeuterin Angelica (zu bemüht rassig-verführerisch: Penélope Cruz) lotst Sparrow an Bord des legendärsten Piratenkapitäns von allen: Edward Teach alias Blackbeard (fast sympathisch finster: Ian McShane). Auf dessen verfluchtem Schiff muss er seinen einfachen Dienst verrichten. Doch Plankenschrubben erträgt ein Jack Sparrow nur für einen Augenblick. Schon bald legt er sich mit dem Oberschurken an, und wird in dessen Mission eingespannt.

Denn Blackbeard entpuppt sich als Vater von Angelica und der liebestolle Sparrow tut alles, um ihr zu helfen: Es gilt, den Quell ewiger Jugend zu finden. Dazwischen stehen allerdings – wie üblich – nautische Hindernisse und eine Schar von Feinden. Meerjungfrauen küssen besser? Hier erweisen sie sich als blutrünstig-tödliche Sirenen. Doch es braucht ihre Tränen, wer den Jungbrunnen benutzen will. Also muss zuerst ein solches Wesen gefangen werden. Wo verbergen sich die zudem benötigten magischen Kelche? Und dann wollen noch die Spanier aufgehalten werden, die getreu dem katholischen Glauben das Heidenwerk Jungbrunnen zerstören wollen.

Spelunkenkämpfe, Säbelduelle, Seejungfrauen – »Fremde Gezeiten« zeigt vitale Action in bunten und üppigen Bildern. Auf seine Art einzigartig ist erneut Johnny Depp. Meisterlich mimt er den Dreispitz tragenden Rastafari mit Säbel und Kajalstift, einen sympathischen Egomanen, der Jenseits von Gut und Böse steht. Penélope Cruz hingegen nervt als pseudo-toughes Püppchen, dem man weder Charakter noch Charisma abnimmt. Da vermisst man die herrliche Elizabeth Swann aus den ersten drei Teilen. Aber das stellt in diesem auch personell barocken Film nur ein kleineres Manko dar. Die säbelrasselnde Clownerie um die verwunschene Karibik gibt sich als gelingendes Paket toller Actionsequenzen, wilden Slapsticks und aberwitziger Momente. Dies ist gründlich überzogen und dadurch überzeugend gut. Keine Kost für feinfühlige Leichtmatrosen, ist diese Seeräuberpistole für wettergegerbte Genre-Enthusiasten ein irrer Spaß.

»Fluch der Karibik«, ab 19.5., in verschiedenen Leipziger Kinos

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