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Ein Fall für Vogel

Die neu berufene MDR-Intendantin krempelt den Sender um

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Ereignisse, die wir uns gewünscht haben: Zum 20-jährigen kreuzer-Jubiläum haben wir Meldungen geschrieben, die wir immer schon mal schreiben wollten.

Wir wollen die Zukunft mitgestalten, anstatt die Vergangenheit zu beschwören.« Mit diesem Satz debütierte Henriette Vogel, die neu berufene Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Anfang Mai vor den Altherren-Gremien des Senders. Die erst 38-Jährige hat umfassende Veränderungen im Haus angekündigt: Anstatt in der Mediacity, wo ihr Vorgänger Udo Reiter saß, hat Vogel ihr Büro im Uni-Riesen eingerichtet. Das Gebäude enthält auch ein großes Ausbildungsstudio, das der MDR gemeinsam mit dem Institut für Journalistik betreibt. »Die Nähe zur Uni, die Lage mitten in der Stadt – das passt besser zu unserem neuen Konzept.«

Vogel hat das Programmschema gänzlich überarbeitet. Der MDR setzt seine Zielgruppe nun bei Zuschauern zwischen 15 und 45 an. Vogel: »Die junge Generation in Mitteldeutschland interessiert sich nicht mehr für FKK in der DDR.«

Auf einem festen Dokumentarfilmplatz am Sonntagabend um 20.15 Uhr laufen ab Juni die Arbeiten regionaler Nachwuchsregisseure. Und anstatt wie bisher ein Heer an freien Mitarbeitern zu beschäftigen, wird es im Sender mehr Festanstellungen geben. »Der Arbeitsplatz der Zukunft«, sagt Vogel, »hat bei uns Gleitzeit und selten mehr als 30 Stunden pro Woche.« Außerdem führt die neue Intendantin eine verbindliche Geschlechterquote ein: In allen Ebenen des Senders sollen künftig je 50 Prozent Frauen und Männer beschäftigt sein.

Der erst im März zum Chefredakteur des Senders berufene Stefan Raue warf direkt nach Vogels Berufung mit den Worten »Ich fühle mich übergangen« die Brocken hin. Er kündigte an, mit prominenten MDR-Gesichtern einen Spartensender im mitteldeutschen Kabelnetz zu starten. Arbeitstitel: Damals-TV. Anchorman des Senders soll Peter Escher werden.

Die neue Intendantin Vogel ließ Raues Weggang unkommentiert und gab die Einrichtung einer Anti-Korruptions-Einheit für den Sender bekannt. Deren Sitz ist Erfurt – dort, wo bislang der vom MDR betriebene KiKa beheimatet ist.

Johanna Lemke

Die Autorin war Theaterredakteurin des kreuzer und von Mai 2009 bis zu ihrem Wechsel ins Kulturressort der Sächsischen Zeitung im Juni 2010 kreuzer-Chefredakteurin.

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