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Fackel des Fortschritts

Mit dem »Zahnradhaus« ist der letzte der 30 Plagwitz-Towers fertiggestellt

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Ereignisse, die wir uns gewünscht haben: Zum 20-jährigen kreuzer-Jubiläum haben wir Meldungen geschrieben, die wir immer schon mal schreiben wollten.

Manfred Rübesam träumt nicht mehr – er fliegt jetzt. Pünktlich zur Einweihung des letzten der insgesamt 30 Plagwitz-Towers landete der bayerische Immobilien-Magnat Anfang Juli mit seiner Iljuschin IL-18 auf dem Dach des Da Capo in der Karl-Heine-Straße. Dort blinken seit wenigen Wochen die Landefeuer von Rübesams Privatflugplatz.

Der Unternehmer hatte nach der Wende rund 15 Hektar ehemalige Industrieflächen in Plagwitz gekauft. Seit Anfang der neunziger Jahre verfolgte er den Plan, auf den Grundstücken insgesamt 30 bis zu 180 Meter hohe Wolkenkratzer zu errichten, was ihm wahlweise den Ruf eines Visionärs oder Spinners einbrachte. Ex-Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube (SPD) schrieb Rübesam schmallippig: »Ich kann Sie nicht daran hindern, solchen Visionen nachzuhängen, bitte Sie aber, mich nicht weiter daran teilhaben zu lassen.«

Auch OBM Werner Schulz (Bündnis 90/Die Grünen) hatte seit seinem Amtsantritt immer wieder mit Rübesams hochfliegenden Plänen gehadert. Als er im September 2001 aus Angst vor Terroranschlägen einen Baustopp auf dem Rübesam-Areal durchsetzen wollte, bremste ihn der Stadtrat aus. CDU-Fraktionschef Alexander Achminow seinerzeit: »Die freie Welt muss doch jetzt zusammenhalten.«

Schulz’ Ablehnung ist mittlerweile vergessen: Zur Fertigstellung des zahnradförmigen Bürobaus, der das Jahrtausendfeld überspannt, zeigt sich der OBM versöhnlich. Die Energiebilanz der Bauten sehe er zwar noch immer äußerst kritisch, sagt er. »Aber eine Fackel des Fortschritts wie das Zahnradhaus, dessen Form zudem an die industrielle Vergangenheit des Stadtteils gemahnt, kann ich nur begrüßen.«

Während in Plagwitz die Zeichen auf Aufschwung stehen, ist das angrenzende Schleußig der große Verlierer des von Rübesam angestoßenen Umbaus im Leipziger Westen. Seit der Umleitung der Weißen Elster zur Rübesam-Marina auf dem Jahrtausendfeld und dem Bau von Unterkünften für knapp 2.000 Bauarbeiter haben sich die Zustände im kinderreichsten und einkommensschwächsten Leipziger Stadtteil verschärft. Sozialbürgermeisterin Gunda Röstel (Bündnis 90/Die Grünen) spricht inzwischen unverblümt von einem »echten Problem«.

Rübesam plant indes weiter. In den letzten Jahren sind die Grundstückspreise in Plagwitz in Höhe geschossen. Der Bayer nutzt das: Nach kreuzer-Informationen verkauft er das Filetgrundstück Baumwollspinnerei, das er erst vor zwei Jahren vom Besitzer MIB erstanden hatte, gewinnbringend an einen stadtbekannten Immobilienentwickler weiter. Sein Name: Jürgen Schneider.

Robert Schimke

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