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Fische unter den Füßen

Der Citytunnel wird zum Aquarium umgebaut

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Ereignisse, die wir uns gewünscht haben: Zum 20-jährigen kreuzer-Jubiläum haben wir Meldungen geschrieben, die wir immer schon mal schreiben wollten.

Rund acht Jahre treibt die Causa Citytunnel Leipzig nicht nur Bauherren und sächsische Finanzminister in den Wahnsinn, seit Kurzem müssen sich auch Umweltschützer damit beschäftigen, was aus den Stadtkatakomben werden soll. Denn statt voll besetzter Fernverkehrszüge staut sich in der unterirdischen Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Bayrischem Bahnhof Wasser, in dem nun Fische unterwegs sind und keine Zugpassagiere.

Am 15. Februar verkündete die Bauherrenvertretung Deges das endgültige Aus für das sächsische Stuttgart 21. Seit Wochen hatte es in Strömen geregnet, Pleiße, Elster und Parthe waren über die Ufer getreten und gestiegenes Grundwasser über die noch nicht betonierten Stellen in den Citytunnel gelangt. Geschätzter Schaden: 350 Millionen Euro. Zum großen Erstaunen aller sichteten Bauarbeiter Fische in dem neuen Gewässer, die sonst in Elbe und Spree zu Hause sind. »Wir haben uns sehr gewundert, als wir Teile des Tunnels von oben öffnen mussten, um das Ausmaß der Katastrophe zu überblicken«, sagt Bernd Häuser vom Baudezernat der Stadt. »Da wimmelte es nur so von Wassertieren, und sie schienen sich wohlzufühlen.« Umweltschützer von Greenpeace gehen davon, dass die Tiere über die Kanalisation in den Tunnel gelangt sind. Sie umzusiedeln wäre erneut mit enormen Kosten verbunden, zudem bietet das ruhige Gewässer eine ideale Lebensgrund-lage für einheimische Tiere und Pflanzen.

Der Traum von der innerstädtischen Zugverbindung war buchstäblich ins Wasser gefallen, und der Leipziger Stadtrat reagierte prompt: In einer Sondersitzung wurde beschlossen, dass der Tunnel bis 2015 zum begehbaren Aquarium umgebaut wird.
»Wir begrüßen die Entscheidung sehr«, sagt Klaus Kahnel, Sprecher der Grünen-Fraktion im Sächsischen Landtag. »Die Kosten für das Tunnelprojekt waren längst zu hoch. Die Verantwortung für die Verzögerung und Fehleinschätzungen bei Baumaßnahmen und Zeitablauf wollte einfach keiner übernehmen. Nun profitieren die Bürger von dem Debakel.« Bis 2013 nun sollen Plankton und weitere Algenarten in dem künstlichen Wasserkanal angesiedelt und die Decke des Tunnels verglast werden. Dann können Leipziger beim Stadtspaziergang die Unterwasserwelt von oben genießen. Auch wird die gläserne Wasserstraße mit Mitteln aus dem europäischen Nahverkehrsfonds vom Hauptbahnhof bis zum Zoo verlängert. Von dort aus geht es dann direkt in den tropischen Regenwald.

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