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Der Zielstrebige

Chris Rohde führt seine Fußballmannschaft TuS Leutzsch III zum Kreisklassensieg

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Chris Rohde sieht übernächtigt aus. Es ist noch nicht lange her, da hat der 29-Jährige mit der dritten Herrenmannschaft des TuS Leutzsch den Sieg als Kreisklassenmeister heimgeholt. Gerne ließ Rohde sich eine Sektdusche seiner Mannschaft gefallen, allerdings hinterließ die ausgelassene Feier sichtbare Spuren der Müdigkeit in seinem Gesicht.

Rohde ist Trainer von TuS Leutzsch III – in seiner Freizeit wohlgemerkt, was einen weiteren Teil seiner Erschöpfung erklärt. Denn der junge Mann mit den brauen Haaren und dem Dreitagebart studiert Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur. Der Sieg als Klassenmeister ist der Erfolg einer Mannschaft, die seit drei Jahren etwas tut, das im Leipziger Fußball nicht selbstverständlich ist. Rohde und seine Spieler engagieren sich gegen Rassismus und setzen auf eine multinationale Mannschaft. Der kreuzer honorierte das gesellschaftliche und soziale Engagement der Mannschaft 2008 mit dem Sponsoring von Mannschafts-Trikots.

Im Alter von 13 Jahren begann Rohde, der in Grünau aufgewachsen ist, in einer Fußballmannschaft zu spielen, in der Ausländer diskriminiert wurden. Nachdenklich erzählt er: »Ich habe zwar ein paar Mal mittrainiert, aber für mich war der Ausländerhass einfach nicht mehr zu ertragen. Das Schlimmste war, dass der Trainer die Fußballer in ihren ausländerfeindlichen Einstellungen bestätigte.« Rohde war fürs Erste desillusioniert und verließ die Mannschaft wieder.

Doch seine Leidenschaft für den Fußball war zu groß, als dass er sich von dieser Erfahrung auf ewig hätte abschrecken lassen. Er ließ sich zum Trainer ausbilden und gründete vor drei Jahren seine eigene Mannschaft, die sich gegen Diskriminierung wendet. Die Initiative rief er damals ins Leben, um Fußballbegeisterten mit Migrationshintergrund gezielt eine Alternative zu bieten: »Leider gibt es nicht so viele Mannschaften mit der gleichen Einstellung in Leipzig«, bedauert Rohde.

Seine Initiative »Fußball ohne Grenzen« hat sich von der dritten Herrenmannschaft auf den ganzen Verein übertragen. Dieser hat inzwischen in seiner Satzung festgelegt, dass diskriminierende Aussagen auf dem Vereinsgelände verboten sind. Mittlerweile kicken Mitspieler aus insgesamt sieben Nationen bei TuS Leutzsch III mit, darunter aus Zypern, Angola, Vietnam, Amerika, Kanada, Spanien und Deutschland. »Aber darauf kommt es nicht an, denn die Initiative ist genauso aktuell, wenn kein Mitbürger aus dem Ausland vertreten ist«, sagt Rohde. »Es geht um die antidiskriminierende Haltung unserer Mitspieler gegenüber Ausländerfeindlichkeit, aber auch gegenüber Homophobie und Frauenfeindlichkeit.«

http://www.tusleutzsch.de

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