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Die Angst an der Hauswand

Die Polizei räumt den alternativen Club Superkronik

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»Angst« prangt in leuchtenden Lettern am Superkronik. Oder dort, wo einst das Superkronik war. Die »Hohen Worte«, das Lichtinstallations-Kunstprojekt in Plagwitz, scheinen diesmal dem Orakel von Delphi nahe zu kommen, denn Angst war auch das Gefühl, das Betreiber André Sieg in Bezug auf seinen Club hatte.

Die Probleme fingen damit an, als  Sieg 2006 von Seiten des Vermieters aus der Markranstädter Straße ausziehen und sich einen neuen Veranstaltungsort suchen musste. Mit diesem Umzug des Superkronik in die Karl-Heine-Straße dachte er, einen neuen Anfang ohne Schwierigkeiten starten zu können. Doch damit fing seine Odyssee erst richtig an. Erst beschwerten sich die Nachbarn im Haus gegenüber, sie riefen jedes Wochenende bei der Polizei an und klagten über häufige Lärmbelästigung. Die Beschwerdeführer machten die Behörden der Stadt auf den Veranstaltungsort aufmerksam. Dann kamen die Prüfer des Bauordnungsamtes hinzu, die die unzureichende Bauweise des Gebäudes im Bezug auf die Lärmstörung und die Sicherheit bemängelten.

Daraufhin musste der Nachtclub monatelang schließen und konnte in dieser Zeit keine Gelder einspielen. Dennoch investierte Sieg in das angemietete Haus, um es umzubauen, er konnte sein Vorhaben aber nicht abschließen, da das Superkronik schließlich am 6. Mai auf Anweisung des Vermieters und der Verwaltung geräumt wurde. Sieg erhob Einspruch, die Räumung wurde abgebrochen, aber das half nicht viel, Ende Mai wurde endgültig geräumt. Die Anwältin Zeugner, die den Vermieter Albany & SIAG Gewerbe vertritt, meint: „Nach dem Vollstreckungstitelvergleich war Herr Sieg verpflichtet, die Raten und die Miete zu bezahlen und bestimmte Unterlagen an das Ordnungsamt zu schicken, was Herr Sieg nicht getan hat. Deshalb musste die Räumung stattfinden.“ Der beschuldigte Sieg meint dagegen „Ich bin zwar im Mietrückstand gewesen, das reicht als Grund für eine Räumung aber nicht aus.“

Auch wenn es in diesem Fall noch einige Ungereimtheiten gibt, Fakt ist, dass Leipzig wieder einen alternativen Club verloren hat. Noch im April waren die Schwerpunkte Südamerika und Afrika geplant. Im Programm stand eine Themenveranstaltung mit afrikanischem Essen, Kurzfilmen und afrikanischen Künstlern, eingeladen war die afrikanische Band „Spoek Mathambo“. Mit Unterstützung der ethnografischen Sammlung des Grassi-Museums sollte auch eine Zusammenarbeit mit dem Superkronik stattfinden. Doch daraus wurde nichts. Sieg bedauert die Entwicklung.

„Das ist schade, gerade jetzt hat sich der Club zu dem entwickelt, was er werden sollte“, meint der Clubbetreiber. „Es ist eher ein internationales Booking. Da war einiges geplant, das habe ich jetzt alles abgesagt. Ich habe mit all den Leuten auch Verträge. Da wird noch einiges auf uns zukommen.“ In seinen Worten schwingt Angst mit.

 

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Dein Kommentar

4 Kommentare

  1. Angsthase | 5. Juli 2011 | um 23:49 Uhr

    Der ganze Duktus dieses Artikels ist doch lächerlich. Anwohner haben auch Rechte. Wenn jedes Wochenende Anwohner belästigt werden, ist das inakzeptabel. Außerdem muss der Betreiber seine Miete natürlich zahlen. Wo kommen wir denn hin, wenn hier jeder irgendwo Party macht, keine Rücksicht nimmt und dann auch seine Schulden nicht zahlt?!
    Ich kriege auch Angst, wenn ich sowas wie diesen Artikel hier lesen muss..

  2. Rasenlatscher | 6. Juli 2011 | um 22:29 Uhr

    Immer schön die Vielfalt plattmachen…schließt euch ein, steckt euch Stöpsel in die Ohren,empört euch wenn jemand über die Wiese läuft und nicht über den tollen Asphalt und lest Bildzeitung die euch diktiert was gut und recht ist-schön geregelter, ’sicher‘ flacher Scheuklappenalltag-Das Leben ist schön!

  3. vee | 8. Juli 2011 | um 12:02 Uhr

    @ angsthase. Die Anwohner hatten allerdings auch ungeachtet der eingehaltenen Lärmschutzgrenze angerufen, soweit mir das noch in Erinnerung ist. Die fühlten sich generell vom Dasein des Clubs angepisst.