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Augen zu, Ohren auf!

Der Hörspielsommer beschallt zum neunten Mal die Wiese am Elsterflutbecken

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Das nennt man wohl Tradition: So wie der kulturbewusste Leipziger sich im Dezember das Weihnachtsoratorium reinzieht, breitet er im Juli die Picknickdecke aus, um in freier Natur den Darbietungen des Hörspielsommers zu lauschen.

Im Gegensatz zum WO bekommt jedoch der audiophile Fan im Richard-Wagner-Hain jedes Jahr etwas Neues zu hören, und das satte zehn Tage lang, von morgens bis abends – und wohlgemerkt kostenfrei. Dieses Jahr geht das Festival in seine neunte Ausgabe – mit Hörspielen, Live-Acts und Aktionen, bis die Lauscher glühen.

Wieder einmal beweist das größte Hörspielfestival Deutschlands, dass sich die altehrwürdige Gattung Hörspiel eben nicht nur auf Krimis und Märchen beschränkt – obwohl auch die selbstverständlich dabei sind –, sondern auch kontroverse Themen aufgreift und experimentelle Formate zu bieten hat, und das für jeden Geschmack und alle Altersklassen. So gibt es ein Kinderprogramm mit Märchen, Theater, Zaubershow und einer Hörspielwerkstatt mit Radio Blau. Abends kommen die Freunde des anspruchsvollen Hörspiels auf ihre Kosten – mit vielversprechenden Titeln wie »Der wunderbare Massenselbstmord« oder »Variationen über das Kraeplin Modell oder Das semantische Feld des Kaninchenschmorbratens«, um nur zwei zu nennen.

Welche Neuheiten gibt es in diesem Jahr? Erstmals wird die allseits bekannte »Tippgemeinschaft«, eine Gruppe Studierender des Deutschen Literaturinstituts, in einer Live-Show brandneue Texte lesen. Besonders stolz sind die Veranstalter, dass sie den bekannten Experimentalmusiker und Hörspielmacher Felix Kubin zur Teilnahme bewegen konnten. Er wird sein Live-Hörspiel »Paralektronoia« vorstellen. Kubin ist außerdem Jury-Mitglied beim Hörspielwettbewerb, mit dem es erfreulicherweise wieder aufwärts geht. »Nach Jahren der Flaute haben wir dieses Jahr über hundert Einsendungen bekommen«, freut sich die Organisatorin des Hörspielsommers, Sophia Littkopf. Darüber, wer mit einem Preis nach Hause geht, entscheidet nach einer Vorauswahl durch die Jury übrigens das Auditorium.

Wer Ohren hat zu hören – der pilgere also auf die Wiese am Elsterflutbecken und gebe sich dem allsommerlichen Hörspielgenuss hin. Einfach Augen zu und Ohren auf!

8.–17.7., Richard-Wagner-Hain, http://www.hoerspielsommer.de

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