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Grüner wird’s nicht

Der Film »Green Lantern« ist der der Tod eines ganzen Genres

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Ryan Renolds und Blake Lively schlüpfen in der Comicverfilmung »Green Lantern« in die Rollen des Superhelden und der schönen Geliebten – und scheitern kläglich. Wo ist nur der gute alte Superheld hin? Im All sicher nicht.

Regelmäßig werden ja Klassiker wie Rock’n’Roll, Punk oder Hip Hop für tot erklärt. Aus gegebenem Anlass heute mal etwas ganz anderes: Der Superheldenfilm ist tot!

Als bunter Plastikgrabstein soll uns »Green Lantern« dienen, der ein doch recht vielseitiges Genre mit unglaublichem Selbstverständnis unter Bergen von Klischees und Kitsch begräbt. Die Story, die jeden Harry-Potter-Film zu anspruchsvollem Erwachsenenkino macht, dreht sich um den Militärpiloten Hal Jordan (Ryan Reynolds), ein Frauenheld und Teufelsflieger. Nur mit seiner Jugendliebe und Pilotenkollegin Carol (Blake Lively) will es nicht so richtig klappen. Hal hegt eine ausgeprägte Bindungsangst und fürchtet sich vor Verantwortung, weshalb er auch im Job ständig aneckt. Die unverbrauchte Idee, ihm ein Schuldbewusstsein über den Tod seines Vaters einzugeben, soll dem Hauptcharakter hierbei zusätzliche Tiefe verleihen.

Eines Tages jedoch bekommt Hal die Chance, seinen wirklichen Wert zu beweisen, denn ein Alien stürzt schwer verwundet bei ihm um die Ecke ab. Es ist nicht irgendein Alien, sondern ein Mitglied des Green Lantern Korps, das seit Abermillionen von Jahren das Universum vor dem Bösen beschützt. Eine multiethnische Armee in engen, grünen Anzügen, die ein gelbes Laternensymbol auf der Brust tragen. Hal wird daraufhin in mystischer Weise vom sterbenden Außerirdischen rekrutiert und erhält jenen magischen Ring, der ihm unglaubliche Kräfte verleiht. Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein: ein riesiges, tentakelhaftes Gehirn namens Paralax ist dabei, die Heimatwelt des Korps zu verschlingen.

Ab diesem Moment fliegt Hal Jordan wie viele andere Superhelden lange vor ihm im grasgrünen Kostüm durchs Weltall, prügelt sich mit Aliens, schrottet Sachen, rettet sein Mädchen vor dem unvermeidlichen Bösewicht und Gegenspieler Hector (schauspielerischer Lichtpunkt: Peter Sarsgaard) und  tritt natürlich im ultimativen Showdown dem Monsterhirn Paralax gegenüber, um ein Held der Superlative zu werden.

Die Geschichte hat die Dichte einer Netzstrumpfhose und die Tiefe eines Kaffeeflecks. Die Aliens und die Superkräfte des Green Lantern Korps wirken unfreiwillig komisch, was nicht zuletzt an diesen hautengen Gummidressen liegt, in denen sie durchs All donnern. Selbst Hollywood hätte etwas erfindungsreicher sein können: Selten kam aus dem Filmtempel eine solch vorhersehbare und überflüssige Romanze wie zwischen dem Colin-Farell-Klon Reynolds und der hart aber herzlichen Stereotypin Lively. Sicher gibt es Jugendliche, die jede Ausgabe des DC-Comics im Regal haben und über dessen filmische Umsetzung bei einer Diät-Cola bis Mitternacht fachsimpeln. Für den normalen Zuschauer gibt es leider viel zum Fremdschämen, von Selbstironie ist hier keine Spur. Alles in allem: Flaches Effektkino mit einer so zweidimensionalen Story, dass nicht mal die 3D-Brille weiterhilft.

ab 28.7. Cinestar Leipzig

USA 2011; R: Martin Campbell D: Ryan Reynolds, Blake Lively, Peter Sarsgaard

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