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»Ich liebte es, Sachen in die Luft zu jagen«

»Super 8«-Regisseur J. J. Abrams über Steven Spielberg, seine Jugend als Nerd und Schießpulver in Modelleisenbahnen

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Ein paar Jugendliche wollen einen Kurzfilm drehen und treffen auf ein Monster. Wohlgemerkt im Jahr 1979. Regiegenie Nummer Eins Steven Spielberg produziert und Regiegenie Nummer Zwei, »Lost«-Erfinder und »Mission Impossible: 3«-Regisseur, J. J. Abrams führt die Regie bei dem Alien-Abenteuer »Super 8«. Das Ganze hebt sich ab von den üblichen Blockbusterfortsetzungen des Sommers und versprüht einen erfrischenden, ganz eigenen Siebziger-Jahre-Kindheitscharme. Der kreuzer sprach mit Regisseur Abrams über seine eigenen Super 8-Erfahrungen und seine Kindheit.

kreuzer: Herr Abrams, wenn heute ein Film im Kino Erfolg haben soll, braucht man große Stars und noch größere Special Effects . »Super 8« hat nichts davon. Wie sind Sie dennoch auf die Idee gekommen, einen solchen »Old-School-Film« zu machen?

J. J. ABRAMS: Eigentlich war es ganz einfach. Ich wollte in die Zeit zurückkehren, in der ich das erste Mal mit dem Filmemachen in Berührung kam. Das Gefühl der kindlichen Unschuld, die ersten Freundschaften fürs Leben. Es war eine analoge Zeit, alles war langsamer, sicherer. Ich hatte diesen lächerlichen Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, da sah ich mich schon das Telefon abheben und Steven Spielberg anrufen.

kreuzer: Den Sie  auch noch aus dieser für Sie prägenden Zeit kennen.

ABRAMS: Stimmt. Anfang der 1980er Jahre habe ich seine ersten Super8-Filme neu schneiden dürfen. Für mich war das eine einzigartige Chance. Die Studentenfilme des eigenen Helden sehen, berühren und schneiden zu dürfen. Sie waren natürlich besser als meine Filme, aber einfach nur zu sehen, dass auch Spielberg mal klein angefangen hat, war ermutigend.

kreuzer: Wann sind Sie denn das erste Mal mit dem Medium Film in Berührung gekommen?

ABRAMS: Als ich acht Jahre alt war, hat mein Großvater mich mit in die Universal Studios genommen. Auf eine ganz normale Studiotour. Ich war überwältigt. Ich wusste, dass mein Vater zuhause eine Kamera hatte. Also habe ich mir die heimlich genommen und damit meinen ersten Animationsfilm gemacht. Ich hatte weder ein Stativ noch die nötige Technik, um die Aufnahme nach einem Bild zu stoppen. Der Film war nicht gut, aber immerhin war es ein Film.

kreuzer: Galten Sie da in der Schule nicht schnell als Nerd?

ABRAMS: Es war schon ungewöhnlich, mit 13 oder 14 ständig eine Kamera unterm Arm zu haben. Heute ist das das Normalste der Welt. Aber damals war es eher hinderlich. Es gab da ein Mädchen in meiner Schule, die war wirklich süß. Ich habe sie gefragt, ob sie in einem meiner Filme mitmachen möchte. Zu meiner Verwunderung hat sie ja gesagt. Das war die einzige Möglichkeit für mich, mit dem anderen Geschlecht in Kontakt zu kommen. Insofern waren Filme dann doch eher praktisch. Ich war nie gut im Sport, sah nicht sonderlich attraktiv aus, war nicht überdurchschnittlich intelligent. Filme waren für mich die einzige Möglichkeit, dem sozialen Druck zu entkommen. Und sie haben passenderweise all das vereint, was ich liebte: Visual Effects, Make-Up Effects, Geschichten. Beim Film ist einfach alles möglich.

kreuzer: Ihre Eltern haben sich keine Sorgen um Sie gemacht?

ABRAMS: Nein. Aber das ist eigentlich verwunderlich. Ich habe es geliebt, Sachen in die Luft zu jagen. Habe mich tagelang in der Garage verschanzt und aus Feuerwerkskörpern den Sprengstoff gepuhlt und das Schießpulver in Modelleisenbahnen gestopft. Wenn ich mich heute daran erinnere, stelle ich mir zurecht die Frage: Wo waren eigentlich meine Eltern?

kreuzer: In »Super 8« jagen Sie auch einen Zug in die Luft. Aber diesmal sicherlich nicht mit Schießpulver aus Silvesterknallern. Wie wichtig waren Ihnen die Special-Effects?

ABRAMS: Ich wollte eine Brücke schlagen. Der Film sollte nicht so aussehen, als hätten wir ihn 1979 gedreht. Er sollte so aussehen, wie wir Filme in Erinnerung haben, die 1979 gedreht worden sind. Es sollte schon gut aussehen, so als sei man selbst dabei gewesen. Der Zugunfall zum Beispiel ist aus der Perspektive der Kinder. Das Unglück dauert länger als ein Zugunglück normalerweise dauert. Aber wenn du als Kind so etwas siehst, entspricht das deinen Erinnerungen.

ab 11.8. CineStar Leipzig

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