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Ein Abend mit Bruce Springsteen und Lou Reed

Der Star der amerikanischen Musikpresse Kurt Vile spielt in Leipzig

Kurt Vile, Foto: Shawn Brackbill Größeres Bild

Die Songs von Kurt Vile klingen wie eine Chronik über sechzig Jahre amerikanischer Popmusik, weinen ihr aber nur ein Auge nach. Zuhören gibt es seine Lieder am Mittwoch in der naTo.

Es flimmert, es hallt, die Gitarren verlieren sich in psychedelischen Linien. Lakonisch erhebt sich die Stimme von Kurt Vile über Melodien, die manchmal von Lou Reed, ab und zu vom Boss persönlich entlehnt zu sein scheinen. Seltsam, dass die sonst in Sachen Begriffsprägung und Schubladenöffnen so umtriebige Hype-Machine diese Musik noch nicht auf den Namen »Folk-Gaze« getauft hat. Denn auf mittlerweile vier Studioalben verbindet Kurt Vile das schlichte Americana-Songwriting mit seiner eigenen Interpretation von Gitarren-Noise und Hallwänden. Nur zu gerechtfertigt ist dabei sein Ruf, der ihm als neuem Heilsbringer des amerikanischen Indierock vorauseilt. Kurt Viles Musik beruft sich zwar auf große und populäre Vorbilder, weiß diesen aber immer noch etwas Eigenes hinzuzufügen. Obwohl sie das Zeug dazu hätten, sind die Songs nie endgültige Radiohits. Vile lässt sich in seiner Musik Freiraum fürs Experimentelle und ist mehr als gewillt, diverse Ausflüge in unterschiedlichste musikalische Spielarten, wie zum Beispiel Prog-Rock, in seine Kleinode zu integrieren.

Da, wo Kurt Vile sich aber immer wieder fängt und seine Musik in strukturiertere Bahnen lenkt, setzt die Vorband Brace/Choir aus Berlin ihrer Lust an der Improvisation und Weitläufigkeit keine Grenzen mehr. Die vier Amerikaner aus Deutschland spielen Rhythm and Blues, spacigen Krautrock und mit dem Assoziationswillen ihres Publikums. Ihr musikalischer Ansatz ergänzt das Line-up dieses Abends insofern, als auch ihre Songs, die sich auf große Vorbilder berufen, live eine ungeahnte Intensität erreichen können.

Der Star der amerikanischen Musikpresse sowie vier Amerikaner, die sich in Berlin trafen, um dunkle Musik mit Krauteinflüssen zu schreiben: In der naTo werden einmal mehr Ü40-Nerds und szenige Popkids nebeneinander stehen, wenn Kurt Vile und Brace/Choir zwar nichts Neues erfinden, dafür aber die großen Momente der Musikgeschichte mit einer ordentlichen Portion Sehnsucht wiederauflegen und neu interpretieren.

Kurt Vile and The Violators, Brache/Choir: 31.8., 21 Uhr, naTo

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