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Hartmann hört auf

Nach der Spielzeit 2012/13 endet das Engagement von Sebastian Hartmann am Centraltheater

Sebastian Hartmann, Foto: CT Größeres Bild

Centraltheater-Intendant Sebastian Hartmann wird sein Engagement am Leipziger Theater mit Ablauf der Spielzeit 2012/13 beenden. Dies teilte er laut einer Mitteilung des Theaters bereits vor einigen Tagen Oberbürgermeister Burkhard Jung in einem persönlichen Gespräch mit.

Zur Begründung hieß es in dem Schreiben, dass angesichts der politischen Verhältnisse im Leipziger Stadtrat bis heute kein Einvernehmen mit der Stadtverwaltung über grundlegende Notwendigkeiten für die zukünftige betriebswirtschaftliche und künstlerische Handlungsfähigkeit des Eigenbetriebs in Aussicht stehe.

»Ich akzeptiere die Entscheidung von Sebastian Hartmann und bin mir sicher, dass er seinen Fünf-Jahres-Vertrag mit Engagement bis zum Ende erfüllen wird«, erklärte Jung. »Ich freue mich auf weitere spannende Inszenierungen in den nächsten zwei Jahren.«

Der Stadtrat hätte in wenigen Wochen über die Verlagsverlängerung des umstrittenen Intendanten entschieden.

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Dein Kommentar

  1. Anja | 16. September 2011 | um 11:35 Uhr

    Ich finde es nachvollziehbar, persönlich aber nicht schade. Hab viele der Stücke in den letzten drei Jahren gesehen und wenig hat mich begeistert. Schade, dass man sich prinzipiell als miefiger Provinzler fühlen muss, der keie Ahnung von echter Kunst hat und sich wohl lieber Mario Barth antun sollte, wenn man Herrn Hartmanns Arbeit nicht sehr mag. Es tut mir leid, aber so gern ich den ALmanach lese – die Überschrift reicht mir da schon, um es bei diesem Artikel nicht zu tun.

  2. alter Leipziger | 17. September 2011 | um 22:00 Uhr

    Der Gag ist, dass Wolfgang Engel gehen müsste, weil er nicht genug Quote brachte.

    Über die Jahre weichgekocht, leistete Engel, was irgendwie zu leisten war: Er holte herausragende Regisseure (Petras, Henkel, Hüni, Lösch, Lübbe uvm.), hatte einen hervorragenden Blick für den Nachwuchs (Constanze Becker, Anja Schneider …), sparte selbst da, wo es eigentlich nicht ging, motivierte das Ensemble dennoch zu unzähligen Überstunden und schaffte es, dass die Besucherzahlen einigermaßen konstant blieben – ganz ohne billige Tricks (Pop-Konzerte …).

    Dennoch erhielt Engel Prügel aus Richtungen, aus denen eigentlich Unterstützung hätte kommen müssen.

    Sebastian Hartmann dagegen kommt überheblich und arrogant daher, serviert aufgewärmtes Fastfood, welches er irgendwo heimlich hat mitgehen lassen, und wundert sich, dass die Leipziger den Frass nicht fressen wollen.

    Burkhard Jung, bekanntlich ohne kulturellen Geschmacksinn auf die Welt gekommen (aber ein vorzüglicher Stadionsprecher wäre er geworden!), deckt Hartmann. Vielleicht, weil ihn das Niveau an „In aller Freundschaft“, die Sendung, die seine Tochter rausgebracht hat, erinnert und ihm entsprechend warm ums Herz wird. Vor allem aber wohl, weil Hartmanns Scheitern auch Jungs Scheitern ist. Also wird das Scheitern nicht eingestanden, sondern stur der Erfolg behauptet.

    Einer muss es ja sagen, also mach ich’s: Entschuldige bitte, Wolfgang Engel, wir haben Dich verkannt! Du hast Beachtliches geleistet, mehr als zu erhoffen war. Dein fast jugendlicher Nachfolger hat ohne Sinn und Verstand verschlimmbessert, hinterlässt Trümmer.

    Diese Trümmer immerhin schließen den Kreis. Einer der ersten geistigen Diebstähle Hartmanns war das „Ende Neu“ -Plakat bzw. -Motto zu Beginn, geklaut bei den Einstürzenden Neubauten. Nun sind sie also eingestürzt, Hartmanns Neubauten.

    Als die Nachricht nach Frankfurt/Main durchdrang, pinkelte sich Stadelmaier beim Lachen in die Hose.

  3. Langjähriger Theaterbesucher | 26. September 2011 | um 08:46 Uhr

    In einem gebe ich „alte Leipziger“ recht, Wolfgang Engel hat sich wirklich bemüht, die Leipziger für das Schauspiel zu beigeistern. Auch wenn ein Teil der Inszenierungen langweilig und altbacken waren, so hat er viel versucht, mit interessanten Regisseuren und tollen Schauspielen das Leipziger Publikum in sein Haus zu locken. Aber wenn es nicht gerade Events wie „Wallenstein“ waren, zeigten die Leipziger ihm die kalte Schulter.
    Neuer Intendant, neue Ausrichtung. Ergebnis: Das Publikum ist jünger geworden, die Zuschauerzahlen sind aber fast gleich geblieben. Frage: Warum gehen viele Leipziger wieder nicht in ihr Theater?
    In den 3 Jahren Sebastian Hartmann sind viele beeindruckende Inszenierungen auf die Bühne gekommen. Und was die meisten nicht sehen wollen, sie wurden von unterschiedlichen Regisseuren mit unterschiedlichen Handschriften inszeniert. Es war und ist ein vielfältiges Angebot im Spielplan.
    Schade, dass die Leipziger nicht offener auf das Theater zugehen. Stattdessen wird, wie sooft, alles verurteilen, was nicht so ist, wie sie es sich vorstellen.

  4. Frank Castorf | 1. Oktober 2011 | um 09:42 Uhr

    Die offenkundige Leipziger Theaterkrise ist eine hausgemachte. Menschgemachte. Kopfgemachte. Kopfkino. Großmannssucht und vor allem Lügen, Lügen, Lügen. Monokultur.
    Es ist doch gerade den Herrschaften der Presse möglich gewesen die Leipziger Theaterlandschaft kritisch aber eben auch wachsam zu begleiten.
    Stattdessen wird seit Jahren ein Gefälligkeitsjournalismus gepflegt, bei dem aus Rücksicht auf eigene Karrierechancen der freien Autoren gerade die städtischen und relativ gut geförderten Institutionen und ihre Theaterkünstler äußerst pfleglich behandelt werden gegenüber den freien Akteuren und den wenigen wirklich innovativen Kräften. Das beste Beispiel war die mehr als 20 Seiten fassende Schwerpunktberichterstattung des Kreuzers im Herbst 2008 zu Beginn der Spielzeit Sebastian Hartmanns. Da wurde die Theaterrevolution beschworen und gleichzeitig nur die PR-Maschine des Centraltheaters selbst durch das Medium Kreuzer verstärkt, verstärkt bis zum akustisch-intellektuellem Schmerz. Gemessen an diesen Vorschusslorbeeren konnte Hartmann in Leipzig nur scheitern. Wobei nüchtern betrachtet, und daran fehlt es leider auch seit Jahren im hiesigen Feuilleton, hat Hartmann einen braven (ja mutigen!) Versuch gemacht und dabei für seine Verhältnisse, als Schauspieler, Regisseur, der nie ein großes Theaterhaus leitete, dazu noch das Theater in seiner alten Heimatstadt, wo er auch studierte und als junger Mann anfing zu arbeiten, Neuland beschritten. Das stand immer offen da: „Neu!“.
    Fünf Jahre sind eine lange Zeit für einen Theaterintendanten, die Periode einer Bundespräsidentschaft.
    Es wäre an der Zeit das Leipziger Stadttheater noch konsequenter umzubauen. Hartmann hat dazu bereits Schritte unternommen, doch es reicht nicht Konzerte hereinzuholen oder Gastregisseure, es braucht eine verstärkte Internationalisierung der Theaterarbeit, mit Festivals, mit einem wirklichen Dialog mit den Akteuren und den Menschen dieser Stadt, dieses Landes, dieser Welt. Der kulturelle Humus von Leipzig ist sehr reich, aber es braucht auch Agrikultur um damit umzugehen, es braucht den Mut Räume zu schaffen auch für Menschen mit abweichender künstlerischer Handschrift, abweichender Meinung. Und es braucht ein solides finanzielles Engagment der Stadt. Vielleicht ist auch eine Trennung in Intendanz und Haupt-Regie am Haus zu erwägen. Regisseure sind nicht immer gute Intendaten, mir scheint Hartmann aber als Intendant besser gewirkt zu haben hier in Leipzig als als Regisseur. Das mag paradox erscheinen, beschreibt aber nur die nüchterne Erfahrung wenn alte auf neue Heimat trifft.
    Freuen wir uns auf den Neuanfang.
    Seien wir auch mal dankbar für die Konsequenz, mit der sich Stadt und Hartmann einvernehmlich trennten. Nach allem was vorher war zeigt das anzuerkennende Größe und Professionalität.
    Da wurde wirklich der richtige Zeitpunkt zur Trennung gewählt.
    Und in den verbleibenden zwei Jahren hat Hartmann mit seinem Team noch reichlich Gelegenheit entspannt zu arbeiten und vielleicht vom Druck etwas beweisen zu müssen auch Pluralität am Haus zu entfalten.
    Anderen Institutionen in Leipzig, zum Beispiel der euro-scene, die organisatorisch allerdings anders konstituiert ist, wünscht man sich diese Einsicht in die Verhältnisse. Bei einem Blick auf das diesjährige Programm und auch auf das zugrunde liegende Budget offenbart sich die ganze Schaffenskrise der Organisatoren. Die ist nur noch mit einem radikalen Wechsel der künstlerischen Leitung zu lösen, die notwendig eine Veränderung des Konzepts einschliesst. Was 1991 noch Sinn machte, das vermeintlich unbewegliche, in DDR-Ästhetik oder Anti-DDR-Ästhetik erstarrte Stadttheater durch ein Festival wie die euro-scene ästhetisch aufzubrechen (man beachte die Gewaltmetaphorik nicht nur im diesjährigen Festivalmotto), zu befruchten, zu bereichern, das geschah ja alles ohne Zweifel und Frau Wolff und ihr Team haben das Ausserordentliches geleistet, das gelingt doch seit Jahren schon nicht mehr und das Auseinanderklaffen dieses Festivals mit dem Schauspielhaus / Centraltheater und seinen Spielplänen, Rhythmen und Ästhetiken offenbar eine schwere Krise, keinen Gewinn mehr. Im Grunde besteht jetzt durch den baldigen Intendantenwechsel die Chance beide Projekte wieder in einem zu denken. Schliesslich ist Stadttheater im Grunde ein Theater in der Stadt, da kann auch getanzt werden, von freien Gruppen, aus der ganzen Welt, oder Bands spielen, Maskentheater wird performt, es braucht kein grosses, festes Ensemble, keinen ausschliesslichen Repertoirebetrieb, nicht nur Regietheater. Befreien wir uns bitte auch in Leipzig endlich von diesen überholten Theaterbildern, die ohnehin nicht nur der Gegenwart sondern auch der reichen Theatergeschichte nicht standhalten.

  5. Insider | 10. Dezember 2011 | um 22:33 Uhr

    @Leserin
    Ihr Kommentar, „…da werden wohl nicht nur im Schauspielhaus die Sektkorken knallen!“ ist derart unangebracht und wenn ich es so ausdrücken darf widerlich! Was verleitet sie dazu, etwas derartiges zu schreiben. Nur weil das Theater bzw. die Inszenierungen nicht ihrer Norm entsprechen heißt das noch lange nicht, das dies auch im Schaupsielhaus und bei manchen anderen der Fall ist. Überlegen sie sich erstmal was sie schreiben bevor sie so etwas von sich geben. Und sie sollten auch daran denken, dass das andere Leute verletzt.