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Die Hölle auf Erden

»Hell« ist ein in grelles Licht getauchter Alptraum, der schaurige Erinnerungen an Filme wie »Texas Chainsaw Massaker« weckt

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Im Jahr 2016 hat die Erderwärmung die Durchschnittstemperaturen auf dem Planeten um 10 Grad steigen lassen. Die Sonne ist zum unerbittlichen Feind allen Lebens geworden. Dürren und Hungersnöte haben die Erde ausgemergelt und in eine staubige Einöde verwandelt: Gesellschaftliche Systeme sind zerfallen, die Menschheit kämpft ums Überleben.

Vor diesem Szenario inszeniert Tim Fehlbaum seine düstere Endzeitvision »Hell« – so paradox das angesichts des doppeldeutigen und in beiderlei Fällen passenden Titels klingen mag. Obwohl er ein hochpolitisches Thema behandelt, ist Fehlbaums Film weder politisch noch ein Ökothriller, der auf die Ursachen der Erderwärmung aufmerksam machen will.

Ebenso wenig thematisiert er die globalen Folgen der Klimakatastrophe. Stattdessen erzählt »Hell« die Geschichte aus der Perspektive von vier Überlebenden: Die Schwestern Marie (Hannah Herzsprung) und Leonie (Lisa Vicari) sind zusammen mit Maries Freund Philipp (Lars Eidinger) und dem undurchsichtigen Tom (Stipe Erceg) auf dem Weg in die Berge, wo es angeblich noch Wasser geben soll. Wasser, das so rar geworden ist, dass sie einstweilen auf den Inhalt von alten Heizkörpern zurückgreifen müssen, um ihre Trinkflaschen zu füllen.

In überstrahlten, mit Gelbfilter fotografierten Bildern inszeniert Fehlbaum die Suche der kleinen Gruppe, die sie durch beklemmend leere, ausgestorbene Landschaften führt – und bald zum Horror-Trip ausartet, in dem sich das Brecht-Zitat »Erst kommt das Fressen, dann die Moral« auf das Schrecklichste bewahrheitet. »Hell« ist ein in grelles Licht getauchter Alptraum, der schaurige Erinnerungen an Filme wie »Texas Chainsaw Massaker« weckt. Nicht unbedingt das, was man von einem deutschen Film erwarten würde und gerade deshalb absolut sehenswert.

seit 22.9. im Kino, CineStar, Regina Palast

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