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Punktuell unfriedlich

Rund 1500 Menschen haben gegen das Nazi-Zentrum in der Lindenauer Odermannstraße protestiert - direkt vor Ort krachte es

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In verschiedenen Redebeiträgen wurde die Schließung des Zentrums gefordert. Dieses habe sich nicht nur zu einem wichtigen Treffpunkt der regionalen Neonazi-Szene entwickelt, sondern sei in der Vergangenheit immer wieder Ausgangspunkt für Gewalttaten gegen Anwohner und Andersdenkende gewesen. Zudem kritisierten die Demo-Teilnehmer die Kriminalisierung antifaschistischen Protests besonders durch die sächsische Landesregierung. Diese würde Engagement gegen Nazis nur zu oft als Linksextremismus brandmarken.

Die Demonstration, die vom Augustusplatz bis nach Lindenau führte, verlief in weiten Teilen friedlich – bis der Zug in die Odermannstraße einbog. Vor dem Nazi-Zentrum kam es dann doch zu punktuellen Ausschreitungen: Aus dem Demozug flogen Farbbeutel, Böller, Flaschen und Steine über den Zaun, hinter dem sich ein paar Nazis gut sichtbar positioniert hatten.

Die Polizei griff umgehend ins Geschehen ein, in der Enge der Odermannstraße kam es zu einem Handgemenge, die Einsatzkräfte setzten auch Pfefferspray ein. Im Zuge dessen wurden einige Demonstrationsteilnehmer leicht verletzt und noch vor Ort von Sanitätern behandelt. Nach Polizeiangaben wurden auch zwei Beamte leicht verletzt und vier Einsatzfahrzeuge beschädigt.

Die Ordnungsbehörden erwogen kurzzeitig, die Demonstration an Ort und Stelle aufzulösen, nachdem die Einsatzkräfte die Lage aber schnell unter Kontrolle bekamen, konnte der Demonstrationszug wie geplant weiter gehen. Die Polizei nahm einige Personen vorübergehend in Gewahrsam.

»Ich bedauere, dass es Verletzte gab und dass einige wenige DemonstrantInnen sich nicht an die im Vorfeld mit den Behörden vereinbarten Auflagen gehalten haben. Dem OrdnerInnendienst der Demonstration gelang es nicht, die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Der Großteil der DemonstrantInnen und auch die Demonstration selbst allerdings blieb friedlich.« kommentierte Stadträtin Juliane Nagel, die die Versammlung angemeldet hatte, die Geschehnisse.

Nachdem der Demonstrationszug die Odermannstraße verlassen hatte, kehrte wieder Ruhe ein, auf der Jahnallee löste sich die Demo gegen 16:30 friedlich auf. In einem ersten Statement werteten die Veranstalter der Kampagne »Fence Off« die Demonstration als vollen Erfolg. Diese war der Höhepunkt einer Aktionsreihe der Kampagne, die sich seit Februar für die Schließung des Zentrums stark macht.

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5 Kommentare

  1. Cecil | 25. September 2011 | um 23:59 Uhr

    Die Demo-Teilnehmer kritisierten also zunächst die Kriminalisierung antifaschistischen Protests durch die sächsische Landesregierung, und dann warfen sie mit Flaschen und Steinen. Na ja …

  2. @cecil | 26. September 2011 | um 00:41 Uhr

    Wenn von 2000 Demonstranten eine Handvoll mit Farbbeuteln, Flaschen etc. wirft, delegitimiert das ja nicht den Protest gegen Kriminalisierung generell. Und dass auch die Nazis mit Gegenständen geworfen haben, wird seltsamerweise nirgends erwähnt.

  3. Bolle | 26. September 2011 | um 00:59 Uhr

    Also bei aller Liebe, aber was sollen denn die schrecklichen Binnen-I in dem Text. Wenn man zu faul ist „Demonstrantinnen und Demonstranten“ zu schreiben dann soll mans einfach lassen…

  4. Jappie | 26. September 2011 | um 12:58 Uhr

    @Bolle: dem kann ich nur zustimmen. Wer aus Faulheit oder Unkenntnis der deutschen Grammatik so ein *Radebrech* fabriziert, hat es jedenfalls bei mir sehr schwer, ernst genommen zu werden!

  5. rumtata | 29. September 2011 | um 13:44 Uhr

    Mein Gott, dieser Mangel an Selbstironie nervt. Cecil hat doch nur auf ein hübsches logisches Problem hingewiesen. Ich bin durch Zufall mit meinen Kindern an den Rand der Demonstranten geraten und habe den Testosteron-Block aus rund 500 schwarz gekleideten, sonnenbebrillten Jungzwanzigern bestaunt. Dafür ist nun wirklich herzlich wenig passiert, zumal auch die Polizei – anders als in Dräsdän – recht entspannt wirkte. Ich frage mich viel eher – und das in letzter Zeit immer öfter – was soll diese Art von Protest bringen? Das NPD-Büro wird dadurch nicht verschwinden. Und aufrichtige Symbolik, so kräftig sie daherkommen mag, verödet in der Dauerschleife und ist aus meiner Sicht nichts weiter als billige Selbstvergewisserung.